Doktorat finanzieren in der Schweiz 2026: Doc.CH gibt es nicht mehr — das sind die Wege, die bleiben

Wer 2026 nach Finanzierung für ein Doktorat in der Schweiz sucht, stösst in Ratgebern, Foren und Universitätsseiten immer noch auf zwei Namen: Doc.CH und Doc.Mobility. Beide Instrumente des Schweizerischen Nationalfonds gibt es nicht mehr. Der SNF hält auf seiner eigenen Seite fest, dass der letzte Gesuchseingang für Doc.CH am 15. März 2024 stattgefunden hat und «das Instrument nach 2024 nicht mehr weitergeführt» wird; Doc.Mobility führt er unter den ehemaligen Förderungsinstrumenten, mit letzter Eingabe im September 2020.

Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern verändert den ganzen Weg ins Doktorat. Wo man sich früher als Einzelperson mit eigenem Projekt um eine Finanzierung bewerben konnte, führt der Weg heute fast immer über eine Anstellung. Dieser Beitrag zeigt, welche Wege 2026 tatsächlich offenstehen — und in welcher Reihenfolge man sie prüft.

Kurz beantwortet: Doc.CH und Doc.Mobility sind eingestellt. Doktorierende werden beim SNF heute indirekt gefördert, indem ihre Anstellung in SNF-Projekten finanziert wird — der Weg führt also über die betreuende Person und deren Projekt, nicht über ein eigenes Gesuch. Die drei realistischen Finanzierungswege 2026 sind: eine Assistenz- oder Doktorierendenstelle an der Hochschule, eine Anstellung in einem drittmittelfinanzierten Projekt, oder ein externes Stipendium beziehungsweise eine Anstellung ausserhalb der Hochschule mit Doktorat nebenbei.

Was weggefallen ist — und was an seine Stelle tritt

Doc.CH richtete sich an Doktorierende in den Geistes- und Sozialwissenschaften, die ein selbst entworfenes Dissertationsprojekt einreichen konnten. Das war der einzige Weg, bei dem die Idee von der promovierenden Person selbst kam und die Finanzierung an sie persönlich ging. Genau dieser Weg ist zu.

An seine Stelle tritt die Projektförderung. Der SNF beschreibt das selbst so, dass er Forschende in frühen Karrierephasen indirekt unterstützt, indem er ihre Anstellung als Doktorierende in SNF-Projekten finanziert. Die Gesuche stellen erfahrene Forschende mit einer Position an einer Schweizer Institution; Doktorierende werden darin als Mitarbeitende angestellt. Der SNF rät Personen, die eine Dissertation beginnen möchten, sich direkt an die vorgesehene Betreuungsperson zu wenden, um zu klären, ob eine Dissertation im Rahmen eines SNF-Projekts möglich wäre.

Praktisch bedeutet das eine Verschiebung, die man kennen muss:

Früher (Doc.CH) Heute (Projektförderung)
Wer bewirbt sich Die promovierende Person selbst Die etablierte Forscherin oder der etablierte Forscher
Woher das Thema kommt Eigener Entwurf Aus dem bewilligten Projekt, mit Spielraum für eine eigene Teilfrage
Erster Schritt Gesuch schreiben Betreuungsperson finden und ansprechen
Zeitpunkt Feste Eingabefristen Wann eine Stelle frei wird — laufend und unvorhersehbar

Der wichtigste Unterschied steht in der letzten Zeile. Die Suche folgt keinem Fristenkalender mehr, sondern dem Zufall ausgeschriebener Stellen. Wer auf die nächste Frist wartet, wartet auf etwas, das nicht kommt.

Die drei Wege, die 2026 bleiben

1. Assistenz- oder Doktorierendenstelle an der Hochschule

Der häufigste Weg in der Schweiz. Sie werden an einem Lehrstuhl oder Institut angestellt, meist in Teilzeit, und promovieren neben Aufgaben in Lehre und Administration. Vorteil: geregeltes Anstellungsverhältnis, Sozialversicherung, Zugang zu Infrastruktur und Betreuung. Nachteil: Die Dissertation konkurriert mit den übrigen Aufgaben, und die Dauer verlängert sich entsprechend. Die Anstellungsbedingungen legt die Hochschule fest und sie unterscheiden sich zwischen Institutionen und Fakultäten deutlich.

2. Anstellung in einem drittmittelfinanzierten Projekt

Das ist der Weg, auf den die SNF-Förderung heute zielt. Ein Projekt ist bewilligt, darin ist eine Doktorierendenstelle budgetiert, und Sie besetzen sie. Vorteil: Die Dissertation ist die Arbeit, nicht etwas daneben — das ist der schnellste Weg zum Abschluss. Nachteil: Das Thema ist durch das Projekt vorgezeichnet, und die Laufzeit des Projekts bestimmt den Zeitrahmen. Wer diesen Weg sucht, findet die Ausschreibungen auf den Stellenportalen der Hochschulen und über die Institute selbst.

3. Externe Finanzierung oder Erwerbstätigkeit

Ein Doktorat neben einer Anstellung ausserhalb der Hochschule ist in manchen Fächern üblich, in anderen kaum realistisch. In der Medizin etwa ist die Dissertation neben der Assistenzarzttätigkeit der Normalfall. Rechnen Sie mit einer erheblich längeren Dauer und klären Sie vorab, ob Ihre Fakultät ein Mindestpensum an Anwesenheit oder eine Immatrikulation über die gesamte Zeit verlangt — die Semestergebühren laufen dann mit.

Für alle drei Wege gilt dieselbe erste Handlung: die Betreuungsperson finden. Sie ist heute nicht mehr eine von mehreren Voraussetzungen, sondern der Zugang selbst.

In welcher Reihenfolge Sie suchen

Zwei Stühle gegenüber an einem kleinen Tisch in einem Hochschulbüro als Sinnbild für das Gespräch mit der Betreuungsperson
Der Zugang beginnt nicht bei einem Formular, sondern bei einem Gespräch.

Weil der Fristenkalender weggefallen ist, braucht die Suche eine eigene Ordnung. Die folgende Reihenfolge spart Umwege:

  1. Fachliche Passung vor Finanzierung. Identifizieren Sie drei bis fünf Forschungsgruppen, deren Arbeit inhaltlich zu Ihrem Interesse passt. Die Finanzierung ergibt sich aus der Gruppe, nicht umgekehrt.
  2. Laufende Projekte prüfen. Welche Projekte laufen dort, wann enden sie? Ein Projekt, das in zwölf Monaten ausläuft, wird oft mit einem Folgegesuch verlängert — und dann entstehen Stellen.
  3. Direkt fragen. Eine kurze, präzise Anfrage an die Professur: Welches Thema Sie interessiert, welchen Abschluss Sie mitbringen, und ob eine Dissertation im Rahmen eines laufenden oder geplanten Projekts denkbar wäre. Genau dieser Schritt ist der, auf den der SNF selbst verweist.
  4. Parallel die Stellenportale beobachten. Doktorierendenstellen werden regulär ausgeschrieben, oft mit kurzer Bewerbungsfrist.
  5. Erst dann Zusatzfinanzierung klären. Mobilitätsbeiträge, Tagungsgelder und Druckkostenzuschüsse laufen heute meist über das Projekt oder die Hochschule, nicht über ein eigenes Gesuch.

Wie eine solche Anfrage aufgebaut sein sollte, damit sie beantwortet wird, ist im Beitrag zum Feldzugang und zu Gatekeepern beschrieben — die Logik ist dieselbe: Aufwand für die Gegenseite klein halten, konkreten nächsten Schritt vorschlagen.

Wenn Sie aus dem Ausland kommen

Für internationale Promovierende gibt es neben der Anstellung einen zweiten Weg: die Bundes-Exzellenz-Stipendien der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Sie richten sich an ausländische Forschende und Kunstschaffende und werden über die jeweilige Schweizer Vertretung im Herkunftsland vergeben; Voraussetzungen, Ablauf und Fristen behandelt der Beitrag zu den ESKAS-Stipendien. Für die allgemeine Studienfinanzierung bleiben daneben die kantonalen Ausbildungsbeiträge der reguläre Weg.

Beachten Sie zusätzlich die Kostenseite: Mehrere Schweizer Hochschulen haben die Gebühren für Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer 2026 deutlich erhöht. Auf Doktoratsstufe fällt das in der Regel weniger ins Gewicht als im Bachelor, weil die Studiengebühr für Doktorierende vielerorts reduziert ist — die genauen Beträge und Zuschläge stehen im Beitrag zu den Semestergebühren in der Schweiz 2026/27.

Was ein Doktorat kostet und einbringt

Waage mit Münzen auf der einen und einer Sanduhr auf der anderen Seite als Sinnbild für die Abwägung zwischen Lohn und Forschungszeit
Pensum ist nicht gleich Forschungszeit — die Differenz entscheidet über Jahre.

Die Rechnung sieht anders aus als im Bachelor- oder Masterstudium, weil auf beiden Seiten Beträge stehen.

  • Einnahmen: Bei einer Anstellung an einer Hochschule oder in einem Projekt beziehen Sie einen Lohn. Die Ansätze werden von der Institution beziehungsweise vom Geldgeber festgelegt und hängen von Pensum und Anstellungsjahr ab; fragen Sie den konkreten Ansatz vor der Zusage schriftlich ab.
  • Ausgaben: Immatrikulationsgebühren laufen weiter, solange Sie eingeschrieben sind. Dazu kommen je nach Fach Kosten für Datenerhebung, Tagungsreisen, Publikationsgebühren und am Schluss die Drucklegung.
  • Zeit: Der eigentliche Kostenfaktor. Eine Anstellung mit hohem Lehr- und Administrationsanteil verlängert die Dissertation, und jedes zusätzliche Jahr ist ein Jahr ohne den Lohn, den Sie danach verdienen würden.

Klären Sie deshalb vor der Zusage drei Zahlen: Pensum, Anteil für die eigene Forschung, und die vorgesehene Dauer der Anstellung. Ein 60-Prozent-Pensum, von dem 40 Prozentpunkte in die Lehre gehen, ist etwas völlig anderes als ein 60-Prozent-Pensum in einem Projekt, das genau Ihre Dissertation finanziert.

Was Sie vor der Zusage sonst noch klären

Die Finanzierung ist die erste Frage, aber nicht die einzige, die den Verlauf eines Doktorats bestimmt. Drei weitere Punkte lassen sich vor der Zusage klären und später kaum noch ändern.

Die Form der Dissertation. Monografie oder kumulative Arbeit aus mehreren Publikationen — das entscheidet über Rhythmus, Zwischenziele und darüber, wie sichtbar Ihre Arbeit während der Promotion ist. Eine nationale Regel dazu gibt es in der Schweiz nicht; massgeblich sind Fakultät und Fach. Was stattdessen entscheidet, behandelt der Beitrag zur kumulativen oder monografischen Dissertation.

Die Betreuungssituation. Fragen Sie konkret: Wie viele Doktorierende betreut die Person derzeit, in welchem Rhythmus finden Gespräche statt, und gibt es eine Zweitbetreuung? Eine gut finanzierte Stelle bei überlasteter Betreuung ist ein schlechteres Geschäft als eine knapper finanzierte mit verlässlicher Begleitung.

Was am Ende zählt. Ein Doktortitel ist in der Schweiz kein bundesweit einheitlich geregeltes Gut — wie und in welcher Form er geführt werden darf, ist kantonal geregelt. Für Promovierende mit ausländischem Abschluss oder mit Berufszielen ausserhalb der Hochschule lohnt der Blick in den Beitrag zur Titelführung in der Schweiz, bevor der Aufwand beginnt.

Ein letzter Punkt zur Einordnung: Forschung ist in der Schweiz ein grosser Posten, aber er verteilt sich sehr ungleich über Hochschultypen und Aufgaben. Wie sich die Mittel zwischen Lehre und Forschung aufteilen, zeigt der Beitrag zu den Hochschulfinanzen in der Schweiz — das erklärt auch, warum Doktoratsstellen in manchen Fächern reichlich und in anderen knapp sind.

Vom Exposé zur Anfrage

Ein präzises Kurzexposé ist das, was eine Professur überhaupt erst antworten lässt — wie es aufgebaut wird, steht im Beitrag zum Exposé schreiben. Tesify hilft dir, Fragestellung, Stand der Forschung und Vorgehen knapp und belegt zu formulieren — geschrieben zu 100 % von dir.

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Fünf Fehler bei der Finanzierungssuche

Fehler Folge
Auf die nächste Doc.CH-Frist warten Es gibt keine mehr; die Wartezeit ist vollständig verloren
Finanzierung vor Betreuung suchen Ohne betreuende Person führt heute kein Weg zu einer Finanzierung
Nur auf Stellenportale schauen Ein Teil der Stellen entsteht aus Gesprächen, bevor sie ausgeschrieben werden
Pensum mit Forschungszeit verwechseln Die Dissertation dauert Jahre länger als geplant
Informationen aus veralteten Ratgebern übernehmen Beide früheren Instrumente werden dort weiterhin genannt, obwohl sie geschlossen sind

Der letzte Punkt verdient eine allgemeine Regel: Prüfen Sie jeden Programmnamen, den Sie irgendwo lesen, auf der Seite der fördernden Stelle selbst — und achten Sie darauf, ob er dort unter «aktuell» oder unter «ehemalige Instrumente» steht. Förderlandschaften ändern sich schneller als die Ratgeber, die sie beschreiben.

Häufige Fragen

Kann ich mich 2026 noch für Doc.CH bewerben?

Nein. Der Schweizerische Nationalfonds hält fest, dass der letzte Gesuchseingang für Doc.CH am 15. März 2024 stattfand und das Instrument nach 2024 nicht mehr weitergeführt wird. Doktorierende werden heute indirekt gefördert, indem ihre Anstellung in SNF-Projekten finanziert wird.

Und Doc.Mobility für einen Forschungsaufenthalt im Ausland?

Ebenfalls eingestellt; der SNF führt Doc.Mobility unter den ehemaligen Förderungsinstrumenten, mit letzter Eingabe im September 2020. Mobilität auf Doktoratsstufe wird seither über Beiträge innerhalb von Projekten gefördert. Wer nicht in einem SNF-Projekt angestellt ist, wendet sich für einen Auslandaufenthalt an die eigene Hochschule.

Was ist der schnellste Weg zu einer Doktoratsstelle?

Die Anstellung in einem bereits bewilligten Drittmittelprojekt, weil die Dissertation dort die eigentliche Arbeit ist und nicht neben Lehre und Administration entsteht. Solche Stellen werden regulär ausgeschrieben, oft mit kurzer Frist — es lohnt sich, die Stellenportale der Hochschulen regelmässig zu verfolgen und gleichzeitig direkt bei passenden Forschungsgruppen anzufragen.

Zahle ich als Doktorierende oder Doktorierender Semestergebühren?

Ja, solange Sie immatrikuliert sind — allerdings vielerorts zu einem reduzierten Ansatz. Die Universität Zürich etwa verlangt von Doktorierenden eine Studiengebühr von 150 Franken pro Semester statt der 720 Franken im regulären Studium. Die Beträge unterscheiden sich zwischen den Hochschulen; massgeblich ist die Gebührenseite Ihrer Institution.

Brauche ich ein Exposé, bevor ich anfrage?

Kein ausgearbeitetes, aber eine präzise Kurzfassung: Fragestellung, Anschluss an den Forschungsstand, geplantes Vorgehen, auf ein bis zwei Seiten. Das genügt für eine erste Anfrage und zeigt, dass Sie das Feld überblicken. Ein vollständiges Exposé entsteht später, meist gemeinsam mit der Betreuungsperson.

Kann ich mit einem Fachhochschulabschluss promovieren?

Grundsätzlich ja, in der Regel aber nicht direkt: Fachhochschulen verleihen in der Schweiz kein Doktorat, weshalb der Weg über eine universitäre Hochschule führt — häufig mit Auflagen oder in einem Kooperationsmodell. Klären Sie die konkreten Bedingungen mit der aufnehmenden Fakultät, bevor Sie eine Finanzierung suchen; sie unterscheiden sich von Fall zu Fall erheblich.

Die Kurzfassung für 2026 lautet: Die Finanzierung eines Doktorats ist in der Schweiz keine Frage mehr, die man mit einem Gesuch löst, sondern eine, die man mit einer Anstellung löst. Und der Weg dorthin beginnt nicht bei einem Formular, sondern bei einem Gespräch mit der Person, die die Arbeit betreuen soll.

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