Hochschulfinanzen Schweiz 2026: 14,1 Milliarden Franken — und warum die Lehre an Universitäten nur 23 Prozent ausmacht

An einer Schweizer Universität ist die Lehre in der Grundausbildung der kleinere Teil des Betriebs: 23 Prozent der Kosten, gegenüber 59 Prozent für Forschung und Entwicklung. An den Fachhochschulen und den pädagogischen Hochschulen ist das Verhältnis umgekehrt. Diese eine Zeile aus der Finanzstatistik des Bundesamtes für Statistik erklärt mehr über den Alltag einer Abschlussarbeit als die meisten Ratgeber.

Insgesamt kosteten die Schweizer Hochschulen 2024 14 122 Millionen Franken. Dieser Beitrag zeigt, wie sich dieser Betrag auf Leistungsarten und Hochschultypen verteilt, wer ihn finanziert, und welche Fehler beim Zitieren dieser Tabelle regelmässig passieren.

Inhalt

Die Kennzahlen 2024

Das BFS führt in einer einzigen Tabelle zusammen, was sonst über mehrere Statistiken verstreut ist:

Daten 2024 UH FH PH Total
Kosten total (Mio. Franken) 9 982 3 330 809 14 122
Anteil Lehre Grundausbildung 23 % 62 % 64 % 34 %
Anteil Forschung und Entwicklung 59 % 28 % 16 % 49 %
Anteil Personalkosten 65 % 74 % 86 % 68 %
Finanzierung Bund 44 % 29 % 2 % 38 %
Finanzierung Kantone 35 % 50 % 83 % 41 %
Finanzierung Privatsektor 21 % 21 % 15 % 21 %
Studierende 172 242 84 542 24 550 281 334
Personal (Vollzeitäquivalente) 49 416 16 942 4 181 70 539

Quelle: BFS, Finanzen und Kosten der Hochschulen, Kennzahlen 2024. Bei den PH sind keine Infrastrukturkosten enthalten. Abgerufen am 14. August 2026.

Zwei Summenproben — und eine Rundungsdifferenz

Bevor man eine amtliche Tabelle übernimmt, lohnt sich die Rechenprobe. Hier liefert sie ein interessantes Ergebnis:

  • Studierende: 172 242 + 84 542 + 24 550 = 281 334. Geht exakt auf.
  • Vollzeitäquivalente: 49 416 + 16 942 + 4 181 = 70 539. Geht exakt auf.
  • Kosten: 9 982 + 3 330 + 809 = 14 121 gegenüber ausgewiesenen 14 122 Millionen. Eine Million Differenz.
  • Finanzierungsanteile: je Spalte 100 Prozent — 44 + 35 + 21, 29 + 50 + 21, 2 + 83 + 15 und 38 + 41 + 21. Alle vier gehen auf.

Die Kostendifferenz ist kein Fehler, sondern die übliche Folge davon, dass Millionenwerte einzeln gerundet werden. Die richtige Reaktion ist, die publizierten Werte unverändert zu übernehmen und die Differenz in einer Anmerkung zu erwähnen — nicht, eine Zeile stillschweigend anzupassen, damit die Summe schöner aussieht.

Lehre oder Forschung: das gespiegelte Verhältnis

Zwei Balken mit spiegelbildlich gesetzten Trennlinien
Universitäre Hochschulen und Fachhochschulen haben nahezu gespiegelte Kostenstrukturen.

Die aussagekräftigste Zeile ist die Aufteilung nach Leistungsarten. Das BFS unterscheidet bei den universitären Hochschulen fünf Leistungsarten: Lehre für die Grundausbildung, Lehre für die vertiefte Ausbildung, Forschung und Entwicklung, Weiterbildung und Dienstleistungen.

  • Universitäre Hochschulen: Forschung und Entwicklung ist mit über 5 Milliarden Franken der grösste Budgetposten. Die Lehre in der Grundausbildung folgt mit rund einem Viertel der Kosten, also über 2 Milliarden Franken.
  • Fachhochschulen: Die Grundausbildung macht rund zwei Drittel der Gesamtkosten aus — über 2 Milliarden Franken. Zweitgrösster Posten ist die angewandte Forschung und Entwicklung mit über 938 Millionen Franken.
  • Pädagogische Hochschulen: Ebenfalls rund zwei Drittel Grundausbildung, über 500 Millionen Franken; die angewandte Forschung und Entwicklung liegt bei über 130 Millionen.

Das BFS ergänzt eine Entwicklung: Seit 2015 ist der Anteil der (angewandten) Forschung und Entwicklung bei allen Hochschultypen angestiegen.

Wer bezahlt: Bund, Kantone, Privatsektor

Die Finanzierungszeilen zeigen drei sehr verschiedene Bilder:

  • Universitäre Hochschulen sind der einzige Typ, bei dem der Bund die grösste Quelle ist (44 %) — was sich mit den beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen erklärt.
  • Fachhochschulen werden zur Hälfte kantonal finanziert (50 %), der Bund trägt 29 %.
  • Pädagogische Hochschulen sind mit 83 % fast vollständig kantonal getragen; der Bundesanteil beträgt 2 %.

Der Privatsektor liegt bemerkenswert stabil bei 21 % — sowohl bei den UH als auch bei den FH, und im Gesamttotal. Nur bei den PH ist er mit 15 % etwas tiefer.

Der Wert von 2 % bei den pädagogischen Hochschulen ist die aussagekräftigste einzelne Zahl der ganzen Tabelle: Sie macht sichtbar, dass die Lehrerinnen- und Lehrerbildung in der Schweiz finanziell eine kantonale Angelegenheit ist. Was daraus für eine Abschlussarbeit an einer PH folgt, steht in Bachelorarbeit an der Pädagogischen Hochschule.

Personen und Vollzeitäquivalente

Viele kleine Punkte links und wenige groessere Quadrate rechts, durch eine Linie getrennt
Rund 107 000 Personen, aber nur etwa 70 000 Vollzeitäquivalente — der Teilzeitanteil ist hoch.

Die Kennzahlentabelle weist 70 539 Vollzeitäquivalente aus. Die Personalstatistik desselben Amtes nennt für die Hochschulen zugleich rund 107 000 beschäftigte Personen, davon etwa 70 % an den UH und etwa 25 % an den FH.

Die Differenz zwischen beiden Grössen ist der eigentliche Befund: Sie verdeutlicht, so das BFS, «den hohen Anteil von Teilzeitbeschäftigungen». Wer über Betreuungskapazität schreibt, sollte deshalb mit Vollzeitäquivalenten rechnen und nicht mit Kopfzahlen.

Ein Vorbehalt des Amtes gehört dazu: Für FH und PH wurde die Bestimmungsweise der Personenzahl in den letzten zehn Jahren geändert. Das BFS empfiehlt deshalb ausdrücklich, für Entwicklungen die Vollzeitäquivalente als Vergleichsgrösse zu verwenden.

Zum Verhältnis von Personal und Studierenden auf gesamtschweizerischer Ebene siehe auch die Einordnung in Bildungsstand der Schweiz, wo die Personalzahlen im Kontext aller Bildungsstufen stehen.

Was das für deine Arbeit bedeutet

Über die reine Statistik hinaus lassen sich drei Dinge aus dieser Tabelle ableiten, die im Studienalltag spürbar sind.

Erstens erklärt sie unterschiedliche Betreuungskulturen. Wer an einer universitären Hochschule schreibt, wird von Menschen betreut, deren Institution mehrheitlich Forschung finanziert. An einer FH oder PH ist die Grundausbildung die Hauptleistung. Das ist kein Werturteil über einzelne Personen, sondern eine Aussage über die Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten.

Zweitens relativiert sie den Vergleich von Betreuungsverhältnissen. Rechnerisch kommen auf ein Vollzeitäquivalent etwa 3,5 Studierende an den UH, 5,0 an den FH und 5,9 an den PH — eigene Berechnungen aus den Tabellenwerten. Das sieht nach dichterer Betreuung an der Universität aus. Da das universitäre Personal aber zu einem grossen Teil forscht, ist die Zahl kein Mass für verfügbare Betreuungszeit.

Drittens liefert sie belastbaren Kontext für Einleitungen. Arbeiten zu Hochschulpolitik, Bildungsfinanzierung oder Personalfragen brauchen genau solche Zahlen — und zwar mit Bezugsjahr und Vorbehalten, nicht als gerundete Behauptung.

Fallstricke beim Zitieren

  1. Das Bezugsjahr der Studierendenzahl. Die 281 334 stammen aus der Finanzstatistik 2024. Die Studierendenstatistik weist für das Studienjahr 2025/26 einen anderen Wert aus. Beide sind korrekt, aber sie gehören nicht in dieselbe Rechnung.
  2. Die Infrastruktur-Ausnahme bei den PH. Bei den pädagogischen Hochschulen sind keine Infrastrukturkosten enthalten. Wer die Personalquote von 86 % ohne diesen Hinweis zitiert, produziert einen scheinbaren Sonderfall.
  3. Abgeleitete Werte kennzeichnen. Kosten pro Studierendem und Studierende pro Vollzeitäquivalent stehen nicht in der Tabelle — sie sind Rechnungen, die als solche zu deklarieren sind.
  4. Kosten sind nicht Ausgaben pro Kopf. Ein Institutionsbudget durch die Studierendenzahl zu teilen ergibt eine Kennzahl, keinen Ausbildungspreis.

Wie eine amtliche Tabelle grundsätzlich geprüft und belegt wird, ist in Schweizer Hochschul- und Amtsdaten abfragen beschrieben. Und wenn du die Hochschulfinanzierung der beruflichen Bildung gegenüberstellen willst, liefern die Zahlen in was die höhere Berufsbildung kostet das Gegenstück — mit dem wichtigen Unterschied, dass dort die Kosten der Lernenden erhoben werden und hier die Kosten der Institutionen. Die beiden Zahlenwelten sind nicht ineinander überführbar, und wer sie nebeneinanderstellt, muss das sagen.

Kontextzahlen, die tragen

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Häufige Fragen

Wie viel kosten die Schweizer Hochschulen?

2024 beliefen sich die Kosten auf 14 122 Millionen Franken: 9 982 Millionen bei den universitären Hochschulen, 3 330 bei den Fachhochschulen und 809 bei den pädagogischen Hochschulen.

Wie viel geht in die Lehre?

Gesamthaft 34 Prozent in die Lehre der Grundausbildung. Aufgeschlüsselt: 23 Prozent bei den universitären Hochschulen, 62 Prozent bei den Fachhochschulen und 64 Prozent bei den pädagogischen Hochschulen. Forschung und Entwicklung macht bei den UH 59 Prozent aus.

Wer finanziert die Hochschulen?

Insgesamt der Bund zu 38 Prozent, die Kantone zu 41 Prozent und der Privatsektor zu 21 Prozent. Die Verteilung unterscheidet sich stark nach Typ: Bei den pädagogischen Hochschulen tragen die Kantone 83 Prozent, der Bund 2 Prozent.

Warum stimmt die Summe der Kosten nicht genau?

9 982 + 3 330 + 809 ergibt 14 121 gegenüber ausgewiesenen 14 122 Millionen. Das ist eine Rundungsdifferenz, weil die Werte einzeln gerundet werden. Übernimm die publizierten Zahlen und weise auf die Differenz hin.

Wie viele Personen arbeiten an Schweizer Hochschulen?

Rund 107 000 Personen, davon etwa 70 Prozent an den universitären Hochschulen und etwa 25 Prozent an den Fachhochschulen. In Vollzeitäquivalenten sind es 70 539 — die Differenz zeigt den hohen Teilzeitanteil.

Soll ich mit Personen oder mit Vollzeitäquivalenten rechnen?

Für Entwicklungen mit Vollzeitäquivalenten. Das BFS weist darauf hin, dass für FH und PH die Bestimmungsweise der Personenzahl in den letzten zehn Jahren geändert wurde, und empfiehlt die Vollzeitäquivalente als Vergleichsgrösse.

Darf ich die Kosten durch die Studierendenzahl teilen?

Rechnen kannst du das, aber das Ergebnis ist eine Kennzahl und kein Ausbildungspreis: Das Institutionsbudget enthält Forschung, Weiterbildung und Dienstleistungen. Deklariere die Rechnung als eigene und nenne, was im Zähler steckt.

Quelle

Bundesamt für Statistik, Finanzen und Kosten der Hochschulen, Kennzahlen 2024, sowie Personal der Bildungsinstitutionen — Tertiärstufe Hochschulen; beide abgerufen am 14. August 2026. Summenproben, Verhältniszahlen und die Angabe der Rundungsdifferenz sind eigene Berechnungen aus den publizierten Werten.

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