Dein Masterstudium läuft auf Englisch, die Vorlesungen, die Literatur, die Folien — und dann steht die Frage im Raum, in welcher Sprache die Abschlussarbeit entsteht. In der Schweiz ist das keine Formalie: Die Antwort steht in deinem Studienreglement, sie ist von Programm zu Programm verschieden, und sie hat Folgen für Aufwand, Betreuung und Verteidigung.
Wer über die Sprache entscheidet
Die Schweizer Hochschullandschaft kennt vier Landessprachen und ein faktisches Nebeneinander mit Englisch als Wissenschaftssprache. Eine einheitliche Vorgabe zur Sprache von Abschlussarbeiten gibt es deshalb nicht — geregelt wird sie auf der Ebene, die auch alles andere regelt:
- Das Studien- oder Rahmenreglement des Programms. Hier steht der Grundsatz. Suche nach den Stichwörtern «Sprache», «Unterrichtssprache» und «Masterarbeit».
- Die Wegleitung oder das Merkblatt des Instituts. Hier stehen die Ausnahmen und die Zusatzauflagen — etwa die Pflicht zu einer zweisprachigen Zusammenfassung.
- Die Betreuungsperson. Wo das Reglement eine Zustimmung vorsieht, ist sie die entscheidende Instanz. Diese Zustimmung holst du dir schriftlich.
Der Fehler, der am meisten kostet, ist die Annahme, dass die Unterrichtssprache automatisch die Arbeitssprache ist. Sie ist es häufig, aber nicht immer — und umgekehrt gibt es deutschsprachige Programme, in denen eine englische Masterarbeit ohne Weiteres möglich ist, wenn die Betreuung zustimmt. Kläre es im ersten Betreuungsgespräch, nicht im dritten.

Die vier Regelungsmuster
| Muster | Typische Formulierung | Was das für dich heisst |
|---|---|---|
| Unterrichtssprache | «in der Unterrichtssprache des Studiengangs» | bei englischsprachigen Programmen ist Englisch der Normalfall |
| Wahlrecht mit Zustimmung | «in einer Landessprache oder in Englisch, mit Zustimmung der Betreuungsperson» | du entscheidest, brauchst aber die schriftliche Zusage |
| Grundsatz mit Ausnahme | «grundsätzlich auf Deutsch; auf begründeten Antrag auch Englisch» | ein formeller Antrag, oft mit Frist vor der Anmeldung |
| Zusatzauflage | «bei englischsprachigen Arbeiten ist eine Zusammenfassung in der Amtssprache beizulegen» | ein bis zwei Seiten zusätzlich, am Schluss einzuplanen |
Prüfe zusätzlich zwei Nebenpunkte, die oft übersehen werden: In welcher Sprache Titelblatt und Eigenständigkeitserklärung abzufassen sind, und in welcher Sprache die Verteidigung stattfindet. Beides folgt nicht zwingend der Sprache der Arbeit.
Wann Englisch die richtige Wahl ist
Wenn du wählen darfst, entscheide nach der Sache, nicht nach dem Prestige.
Für Englisch spricht:
- Deine Literatur ist praktisch vollständig englischsprachig — dann sparst du dir das ständige Übersetzen von Fachbegriffen und die Frage, wie du Zitate handhabst.
- Du willst aus der Arbeit eine Publikation machen oder sie in Bewerbungen ausserhalb des deutschen Sprachraums vorzeigen.
- Deine Betreuung publiziert auf Englisch und gibt Rückmeldungen ohnehin in dieser Sprache.
- Die Terminologie deines Fachs hat im Deutschen keine etablierten Entsprechungen — in Teilen der Informatik, der Finance und der Life Sciences ist das der Normalzustand.
Gegen Englisch spricht:
- Dein Gegenstand ist national verankert: Schweizer Recht, kantonale Verwaltung, das Bildungssystem, eine deutschsprachige Fallstudie. Dann übersetzt du permanent Institutionenbezeichnungen, die keine Entsprechung haben.
- Dein Sprachniveau reicht für Alltag und Lektüre, aber nicht für präzise Argumentation. Eine sprachlich schwache englische Arbeit wird schlechter bewertet als eine sprachlich starke deutsche.
- Der Zeitplan ist bereits knapp — siehe den nächsten Abschnitt.
Eine Zwischenlösung, die viele Reglemente zulassen: die Arbeit auf Deutsch, den Abstract zusätzlich auf Englisch. Damit bleibt sie international auffindbar, ohne dass du das ganze Manuskript in einer Fremdsprache verfasst — wie ein Abstract aufgebaut ist, behandelt der Beitrag zum Abstract schreiben.
Der unterschätzte Zeitaufwand
Auch bei gutem Sprachniveau dauert das Schreiben in einer Fremdsprache spürbar länger. Realistisch sind 30 bis 50 Prozent Mehraufwand für die Textproduktion, dazu ein zusätzlicher Überarbeitungsdurchgang, der rein sprachlich ist.
Der Aufwand verteilt sich nicht gleichmässig. Deskriptive Passagen — Methodenbeschreibung, Ergebnisdarstellung — gehen fast so schnell wie auf Deutsch, weil sie formelhaft sind. Teuer werden die argumentativen Teile: Diskussion, theoretische Einordnung, Limitationen. Genau dort brauchst du Nuancen, und genau dort fehlen sie in einer Fremdsprache am ehesten.
Drei Massnahmen, die den Aufwand deutlich senken:
- Von Anfang an auf Englisch schreiben, nicht auf Deutsch entwerfen und übersetzen. Übersetzte Texte tragen deutsche Satzstrukturen und lesen sich für Muttersprachler immer holprig.
- Eine Formulierungssammlung anlegen. Notiere beim Lesen Satzgerüste aus Fachartikeln deines Gebiets: wie eine Hypothese eingeführt, ein Widerspruch benannt, eine Einschränkung formuliert wird. Zwanzig solcher Gerüste tragen ein ganzes Kapitel.
- Den sprachlichen Durchgang trennen. Erst inhaltlich fertigschreiben, dann in einem eigenen Durchgang nur auf Sprache lesen. Beides gleichzeitig zu versuchen halbiert das Tempo.
Britisch oder amerikanisch
Entscheide dich einmal und halte es durch. Beides ist zulässig, die Mischung nicht. Betroffen sind:
- Rechtschreibung: analyse gegen analyze, behaviour gegen behavior, centre gegen center.
- Datumsformat: 14 September 2026 gegen September 14, 2026.
- Anführungszeichen: einfache im britischen, doppelte im amerikanischen Gebrauch — und die Interpunktion innerhalb oder ausserhalb der Anführungszeichen.
Stelle die Sprachprüfung deines Textprogramms auf die gewählte Variante um; das erledigt neunzig Prozent der Konsistenzarbeit automatisch. Und beachte den Wechsel beim Dezimaltrennzeichen: Im englischen Text steht der Punkt, nicht das Komma — M = 4.10, nicht 4,10. Wer aus einer deutschen Vorarbeit übernimmt, schleppt hier zuverlässig Fehler mit. Die übrigen Berichtskonventionen bleiben gleich; welche das sind, behandelt der Beitrag zum Berichten statistischer Ergebnisse.
In jeder Sprache dieselbe Struktur. Argumentationslinie, Gliederung und Belegführung entscheiden über die Note — nicht die Sprache allein. Mit Tesify entwickelst du sie aus deinem eigenen Material — strukturiert, belegbar und zu 100 % von dir geschrieben.
Typische Fallen für deutschsprachige Schreibende
Es sind immer dieselben, und sie sind alle vermeidbar:
- Nominalstil. Deutsch akademisch schreibt in Substantiven, Englisch in Verben. «The implementation of the measurement of satisfaction» wird zu «We measured satisfaction». Diese eine Umstellung verbessert einen englischen Text mehr als jede andere.
- Schachtelsätze. Was auf Deutsch als anspruchsvoll gilt, gilt auf Englisch als schlechtes Handwerk. Ein Gedanke, ein Satz. Zwei kurze Sätze sind fast immer besser als einer mit drei Nebensätzen.
- Falsche Freunde. eventually heisst «schliesslich», nicht «eventuell». actual heisst «tatsächlich», nicht «aktuell». to control heisst «steuern», für «überprüfen» steht to check. sensible heisst «vernünftig», nicht «sensibel». a concept ist kein Entwurf, sondern ein Begriff.
- Kommasetzung. Die deutsche Regel, vor jedem Nebensatz ein Komma zu setzen, gilt im Englischen nicht. «I think, that …» ist falsch.
- Grossschreibung. Substantive werden kleingeschrieben — mit Ausnahme von Eigennamen und, je nach Stil, Überschriften.
- Zu wenig Absicherung. Englische Fachtexte formulieren Befunde vorsichtiger: the results suggest, this may indicate, appears to. Eine direkte Übertragung deutscher Behauptungssätze wirkt schnell zu apodiktisch.
Ein Sonderfall in einer Schweizer Arbeit: Institutionen, Rechtsgrundlagen und Amtsbezeichnungen werden nicht übersetzt, sondern beim Erstauftreten mit einer erklärenden Beifügung eingeführt und danach im Original verwendet. Für Zitate aus deutschsprachigen Quellen in einem englischen Text gelten eigene Regeln — dazu der Beitrag zu fremdsprachigen Quellen und Übersetzungen.

Sprachliche Überarbeitung
Eine fremdsprachige Arbeit sprachlich prüfen zu lassen, ist an praktisch allen Hochschulen zulässig — solange sich die Bearbeitung auf Sprache beschränkt und nicht in Inhalt, Struktur oder Argumentation eingreift. Die Grenze und die Formen der Kennzeichnung behandeln die Beiträge zum Korrekturlesenlassen und zum wissenschaftlichen Lektorat.
Drei Punkte, die speziell für den englischen Fall gelten:
- Muttersprachlichkeit allein genügt nicht. Wissenschaftliches Englisch ist ein Register mit eigenen Konventionen; eine Person ohne akademischen Hintergrund korrigiert oft in Richtung Alltagssprache.
- Fachterminologie schützen. Gib deiner Korrekturperson eine Liste der Begriffe, die unverändert bleiben müssen — sonst wird aus deinem konsistent verwendeten Terminus im dritten Kapitel ein Synonym.
- Sprachwerkzeuge sind Werkzeuge. Übersetzungs- und Schreibhilfen sind an Schweizer Hochschulen verbreitet und meist zulässig, häufig aber mit Deklarationspflicht. Was in deinem Fall gilt, klärt der Beitrag zu den KI-Regeln an Schweizer Hochschulen.
Plane den sprachlichen Durchgang mit zwei bis drei Wochen Vorlauf vor der Abgabe ein — und lies das Ergebnis danach selbst noch einmal vollständig. Für den eigenen Durchgang hilft der Beitrag zum wissenschaftlichen Schreibstil.
Häufige Fragen
Darf ich meine Masterarbeit in der Schweiz auf Englisch schreiben?
Das regelt dein Studien- oder Rahmenreglement, nicht eine nationale Vorschrift. Sehr häufig lautet die Bestimmung, dass die Arbeit in der Unterrichtssprache des Studiengangs oder in einer Landessprache zu verfassen ist, teilweise mit Zustimmung der Betreuungsperson. Bei englischsprachigen Masterprogrammen ist Englisch daher meist der Normalfall. Hole die Zustimmung in jedem Fall schriftlich ein, bevor du zu schreiben beginnst.
Muss ich zusätzlich eine deutsche Zusammenfassung beilegen?
An etlichen Schweizer Hochschulen ja. Ein verbreitetes Regelungsmuster verlangt bei fremdsprachigen Arbeiten eine Zusammenfassung in der Amtssprache des Standorts, üblicherweise ein bis zwei Seiten. Prüfe die Wegleitung deines Instituts und plane den Text am Schluss ein — er lässt sich erst schreiben, wenn die Ergebnisse feststehen.
Wie viel länger dauert eine Arbeit auf Englisch?
Rechne mit 30 bis 50 Prozent Mehraufwand bei der Textproduktion und zusätzlich mit einem eigenen sprachlichen Überarbeitungsdurchgang von ein bis zwei Wochen. Der Aufwand verteilt sich ungleich: Methoden- und Ergebnisteil gehen fast so schnell wie in der Muttersprache, weil sie formelhaft sind, während Diskussion und theoretische Einordnung deutlich mehr Zeit kosten.
Britisches oder amerikanisches Englisch?
Beides ist zulässig, die Mischung nicht. Orientiere dich an den Zeitschriften deines Fachs oder an der Vorgabe deines Instituts, stelle die Sprachprüfung deines Textprogramms entsprechend um und halte die Wahl in Rechtschreibung, Datumsformat und Anführungszeichen konsequent durch. Beachte zusätzlich, dass im englischen Text der Dezimalpunkt steht, nicht das Komma.
Soll ich auf Deutsch schreiben und dann übersetzen?
Besser nicht. Übersetzte Texte behalten deutsche Satzstrukturen — Nominalstil, lange Schachtelsätze, verschobene Verbstellung — und lesen sich auch nach mehreren Überarbeitungen holprig. Wenn du dich für Englisch entscheidest, schreibe von der ersten Fassung an in dieser Sprache und lege dir dafür eine Sammlung von Satzgerüsten aus Fachartikeln deines Gebiets an.
Wird eine englische Arbeit sprachlich milder bewertet?
Darauf solltest du nicht bauen. Manche Betreuungspersonen berücksichtigen, dass Englisch nicht deine Erstsprache ist, andere legen denselben Massstab an wie bei jeder anderen Arbeit. Massgeblich bleibt in jedem Fall, ob deine Argumentation präzise und nachvollziehbar ist — und Sprachfehler beeinträchtigen genau diese Nachvollziehbarkeit. Frage im Betreuungsgespräch direkt nach, wie die Sprache in die Bewertung eingeht.
