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Fremdsprachige Quellen und eigene Übersetzungen zitieren 2026: Originalzitat, Übertragung und Beleg

Fremdsprachige Quellen werden grundsätzlich in der Originalsprache zitiert. Bei direkten Zitaten aus verbreiteten Wissenschaftssprachen — im deutschsprachigen Raum vor allem Englisch — steht das Original meist ohne Übersetzung; bei entlegeneren Sprachen ergänzt du eine Übertragung und kennzeichnest sie als deine eigene. Der bibliografische Beleg wird nie übersetzt.

Was wird übersetzt — und was auf keinen Fall?

Die häufigste Fehlerquelle ist eine Verwechslung zweier Ebenen. Der Zitattext kann je nach Konvention übersetzt werden. Die Quellenangabe nie.

Element Übersetzen? Begründung
Titel des Werks nein Der Titel ist das Auffindemerkmal — übersetzt wird die Quelle unauffindbar
Verlagsort nein Wie im Werk angegeben, also „London“, nicht „London“ eingedeutscht
Zeitschriftenname nein Identifiziert die Publikation eindeutig
Herausgeberzusätze („Hrsg.“, „ed.“) je nach Stil Manche Stile verlangen die Sprache des Werks, andere die der Arbeit — im ganzen Verzeichnis einheitlich halten
Direktes Zitat im Fließtext je nach Sprache und Fach siehe unten
Sinngemäße Wiedergabe ja, zwangsläufig Eine Paraphrase entsteht ohnehin in der Sprache deiner Arbeit

Ein übersetzter Titel im Literaturverzeichnis macht die Quelle praktisch unauffindbar — das ist kein Stilfehler, sondern ein Beleg­fehler. Wenn du meinst, deine Leserschaft brauche eine Verständnishilfe, setze die Übersetzung in eckigen Klammern hinter den Originaltitel, ohne ihn zu ersetzen.

Wann übersetzt du ein direktes Zitat?

Hier gibt es keine bundesweite Regel, sondern eine Fachkonvention plus die Vorgabe deines Instituts. Als Orientierung:

  • Englisch: In den meisten Fächern wird das Original ohne Übersetzung übernommen, weil Lesekompetenz vorausgesetzt wird.
  • Weitere gängige Wissenschaftssprachen (Französisch, Spanisch, Italienisch): häufig Original plus Übersetzung, fachabhängig.
  • Alle übrigen Sprachen: Original plus Übersetzung, oder Übersetzung im Text mit dem Original in der Fußnote.
  • Philologien und Rechtswissenschaft: das Original ist regelmäßig zwingend, weil der genaue Wortlaut Gegenstand der Analyse ist.

🔴 Die Grundregel für den Zweifelsfall: Wenn der exakte Wortlaut für deine Argumentation zählt, muss das Original in die Arbeit — mindestens in der Fußnote. Eine Übersetzung ist immer schon eine Interpretation, und wer über Formulierungen argumentiert, darf nicht über eine fremde Interpretation argumentieren.

Zwei Textspalten nebeneinander als Sinnbild für Originalzitat und Übersetzung
Original und Übertragung gehören nebeneinander, wenn der Wortlaut trägt.

Wie kennzeichnest du eine eigene Übersetzung?

Übersetzt du selbst, musst du das kenntlich machen. Andernfalls entsteht der Eindruck, du zitierst eine publizierte Übersetzung — und der Wortlaut wäre einer fremden Person zugeschrieben, die ihn nie so geschrieben hat.

Übliche Formen sind ein Zusatz im Klammerbeleg oder in der Fußnote, etwa „Übersetzung durch die Verfasserin“ beziehungsweise „eigene Übersetzung“, auf Englisch „my translation“. Zwei praktische Regeln:

  • Einheitlich handhaben. Entweder du kennzeichnest jede eigene Übersetzung einzeln, oder du erklärst einmal an geeigneter Stelle — etwa in einer Vorbemerkung oder der ersten Fußnote —, dass alle Übersetzungen aus dem Englischen von dir stammen, sofern nicht anders angegeben. Beides ist zulässig, eine Mischung nicht.
  • Original beifügen. Bei tragenden Zitaten gehört der Originalwortlaut in die Fußnote, damit die Übertragung überprüfbar bleibt.

Existiert eine publizierte Übersetzung und du zitierst aus ihr, dann zitierst du dieses Werk — mit seinen eigenen bibliografischen Angaben und seiner Seitenzählung, nicht denen des Originals. Viele Zitierstile verlangen zusätzlich die Angabe des Originalerscheinungsjahrs; die Details für APA stehen im Beitrag zu APA 7, die Fußnotenvariante unter deutsche Zitierweise.

Was ist mit maschineller Übersetzung?

Ein Übersetzungswerkzeug für das eigene Verständnis zu nutzen, ist unproblematisch. Eine maschinelle Übertragung als Zitat in die Arbeit zu setzen, ist es nicht — jedenfalls nicht ungekennzeichnet.

Zwei Gründe, die über die Formalie hinausgehen. Erstens bleibt es deine Übersetzung, für die du einstehst: Du hast sie ausgewählt und übernommen, also gilt dieselbe Kennzeichnungspflicht wie für eine selbst angefertigte. Zweitens sind maschinelle Übertragungen bei Fachterminologie systematisch unzuverlässig — ein Rechtsbegriff oder ein methodischer Terminus wird gern in die naheliegende, aber falsche Alltagsbedeutung überführt. Prüfe jeden Fachbegriff gegen die etablierte deutsche Entsprechung, statt der Ausgabe zu vertrauen.

Ob und wie du den Einsatz solcher Werkzeuge zusätzlich deklarieren musst, regelt deine Prüfungsordnung. Der praktische Umgang mit Sprachhilfsmitteln beim Schreiben — eine andere Frage als das Zitieren — ist im Beitrag zum Schreiben der Abschlussarbeit auf Deutsch ausführlich behandelt; dieser Beitrag hier beschränkt sich bewusst auf die Belegseite.

Wörterbücher und Fachlexika neben einem aufgeschlagenen Notizbuch
Fachtermini gehören gegen die etablierte deutsche Entsprechung geprüft — nicht gegen ein Wörterbuch.

Nicht-lateinische Schriften: transliterieren

Quellen in kyrillischer, griechischer, arabischer, chinesischer oder japanischer Schrift werden für das Literaturverzeichnis in der Regel transliteriert, also zeichengetreu in lateinische Schrift übertragen. Wichtig ist, dass du ein etabliertes Umschriftsystem wählst, es benennst und es durchgängig anwendest — nicht in Kapitel 2 nach dem einen und in Kapitel 4 nach dem anderen System.

Viele Zitierstile empfehlen zusätzlich, die Originalschreibweise in eckigen Klammern beizubehalten, damit die Quelle im Herkunftskatalog auffindbar bleibt. Ist eine Quelle nur in Übersetzung zugänglich und das Original für dich unerreichbar, liegt streng genommen ein Sekundärzitat vor — die korrekte Belegform dafür steht unter Sekundärzitat.

Fachbegriffe: übersetzen oder stehen lassen?

Bei etablierten Termini gilt: Führe den Begriff einmal zweisprachig ein und bleib danach bei einer Variante. Also etwa „Selbstwirksamkeitserwartung (self-efficacy)“ beim ersten Auftreten, danach durchgängig eine Form.

Hat ein Begriff keine etablierte deutsche Entsprechung, ist es besser, ihn im Original zu belassen, als eine eigene Übersetzung zu erfinden — eine selbstgebaute Eindeutschung erschwert die Anschlussfähigkeit an die Fachliteratur. Wo die Grenze zwischen zulässiger Wiedergabe und zu enger Anlehnung verläuft, behandelt der Beitrag zu richtig paraphrasieren.

Der häufigste Fehler: die versteckte Übersetzung als Paraphrase

Ein Punkt, der in der Beratung immer wieder auftaucht: Wer einen fremdsprachigen Absatz Satz für Satz übersetzt und das Ergebnis als eigene sinngemäße Wiedergabe ausgibt, hat nicht paraphrasiert, sondern übersetzt. Die Gedankenfolge, die Beispiele und der Aufbau stammen unverändert aus der Quelle — die Sprachbarriere verdeckt das nur.

Eine echte Paraphrase verdichtet, ordnet um und bezieht die Aussage auf deine Argumentation. Eine Übersetzung tut das nicht. Der Unterschied zwischen wörtlicher und sinngemäßer Übernahme ist unter direktes und indirektes Zitat beschrieben — er gilt sprachübergreifend genauso.

Häufige Fragen

Muss ich englische Zitate ins Deutsche übersetzen?

In den meisten Fächern nicht: Englischsprachige Zitate werden im Original übernommen, weil Lesekompetenz vorausgesetzt wird. Verbindlich ist die Konvention deines Fachs beziehungsweise die Vorgabe deines Instituts.

Wie kennzeichne ich eine eigene Übersetzung?

Mit einem Zusatz wie „eigene Übersetzung“ oder „Übersetzung durch die Verfasserin“ im Beleg oder in der Fußnote. Alternativ erklärst du einmal an geeigneter Stelle, dass alle Übersetzungen von dir stammen, sofern nicht anders angegeben — dann aber durchgängig.

Darf ich den Titel einer fremdsprachigen Quelle übersetzen?

Nein. Titel, Zeitschriftenname und Verlagsort bleiben im Original, weil sie das Auffindemerkmal der Quelle sind. Eine Übersetzung kann in eckigen Klammern ergänzt werden, sie ersetzt den Originaltitel aber nicht.

Darf ich eine maschinelle Übersetzung als Zitat verwenden?

Nur gekennzeichnet und nach eigener Prüfung. Die Übertragung wird dir zugerechnet, weil du sie ausgewählt und übernommen hast; zudem ist maschinelle Übersetzung bei Fachterminologie unzuverlässig. Ob eine zusätzliche Deklaration nötig ist, regelt die Prüfungsordnung.

Wie zitiere ich Quellen in kyrillischer oder chinesischer Schrift?

In der Regel transliteriert nach einem etablierten Umschriftsystem, das du benennst und durchgängig anwendest. Viele Stile empfehlen, die Originalschreibweise zusätzlich in eckigen Klammern beizubehalten, damit die Quelle im Herkunftskatalog auffindbar bleibt.

Wenn du im Verlauf der Arbeit merkst, dass die Belegformen für fremdsprachige Quellen nicht mehr einheitlich sind, hilft die systematische Nacharbeit aus dem Beitrag zum Zitierstilwechsel — sie funktioniert auch, wenn nur ein Quellentyp aus der Reihe fällt. Wer überwiegend mit englischsprachiger Fachliteratur arbeitet und dabei auf Deutsch schreibt, findet weitere Hinweise zum Recherche- und Schreibprozess bei Tesify.

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