Wissenschaftlicher Schreibstil 2026: Regeln, Beispiele und häufige Fehler
Ein wissenschaftlicher Schreibstil zeichnet sich durch Präzision, Sachlichkeit, Objektivität und eine konsistente, belegbasierte Argumentation aus. Er verzichtet auf umgangssprachliche Ausdrücke, wertende Formulierungen und unbegründete Behauptungen und folgt klaren Konventionen bei Zeitform, Personalpronomen und Satzbau.
Viele Studierende merken erst beim Feedback ihrer Betreuungsperson, dass ihr Text „zu subjektiv“ oder „zu umgangssprachlich“ klingt — meist, weil die konkreten Regeln des wissenschaftlichen Schreibstils nie systematisch vermittelt wurden. Dieser Artikel erklärt die zentralen Prinzipien, zeigt Beispiele aus der Praxis und listet die häufigsten Fehler, die dir in Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Hausarbeit unterlaufen können.
Welche Grundprinzipien gelten für wissenschaftlichen Schreibstil?
Wissenschaftlicher Schreibstil beruht auf vier Grundprinzipien: Objektivität, Präzision, Nachvollziehbarkeit und Konsistenz. Objektivität bedeutet, Aussagen auf Daten und Quellen zu stützen statt auf persönliche Meinung. Präzision heißt, Begriffe eindeutig zu definieren und vage Formulierungen wie „viele“ oder „oft“ durch konkrete Angaben zu ersetzen, wo immer möglich.
Nachvollziehbarkeit bedeutet, dass jede Aussage für Lesende überprüfbar ist, etwa durch korrekte Zitation. Konsistenz betrifft Zeitform, Terminologie und Zitierstil, die innerhalb der gesamten Arbeit einheitlich verwendet werden müssen. Ein solider Leitfaden zum Bachelorarbeit schreiben hilft dabei, diese Prinzipien von der Einleitung bis zum Fazit konsequent durchzuhalten.
Diese vier Prinzipien wirken zusammen: Eine präzise, aber unbelegte Aussage bleibt angreifbar, während eine objektive, aber inkonsistent formulierte Argumentation den Lesefluss stört. Erfahrene Gutachterinnen und Gutachter erkennen die Qualität eines Textes oft schon an der Konsequenz, mit der diese vier Prinzipien durchgehalten werden.
Darf man in wissenschaftlichen Arbeiten Ich schreiben?
Die Antwort hängt stark vom Fachbereich ab. In den Geisteswissenschaften und zunehmend in qualitativen Sozialwissenschaften ist die Ich-Form bei methodischen Entscheidungen mittlerweile akzeptiert, etwa „Ich habe mich für eine qualitative Inhaltsanalyse entschieden, weil…“. In den Naturwissenschaften, der Mathematik und vielen quantitativen Fächern dominiert dagegen die unpersönliche Passiv- oder Man-Konstruktion, etwa „Es wurde eine Stichprobe von 50 Teilnehmenden befragt“.
Wichtig ist vor allem Konsistenz: Ein Wechsel zwischen Ich-Form und unpersönlicher Formulierung innerhalb desselben Kapitels wirkt uneinheitlich und sollte vermieden werden. Kläre die genaue Konvention am besten frühzeitig mit deiner Betreuungsperson oder orientiere dich an aktuellen Abschlussarbeiten deines Fachbereichs. Manche Hochschulen und Institute geben in ihren Leitfäden zur Abschlussarbeit sogar explizite Vorgaben zur Personalform vor — ein Blick in diese Dokumente erspart spätere Korrekturschleifen.

Welche Zeitform ist im wissenschaftlichen Schreibstil richtig?
Als Faustregel gilt: Der aktuelle Forschungsstand und allgemeingültige Aussagen werden im Präsens formuliert, etwa „Die Studie zeigt, dass…“. Die eigene Durchführung, also was du konkret getan hast, wird häufig im Präteritum beschrieben, etwa „Die Befragung wurde im März 2026 durchgeführt“. Ergebnisse werden meist im Präsens dargestellt, während die Diskussion vergangener Studien im Präteritum oder Perfekt erfolgen kann.
Entscheidend ist auch hier die Konsistenz innerhalb eines Abschnitts. Ein abrupter Wechsel zwischen Zeitformen innerhalb eines Absatzes verwirrt Lesende und wirkt unpräzise. Bei der Einleitung der Bachelorarbeit lohnt sich besondere Sorgfalt, da hier oft zwischen der Beschreibung des Forschungsstands und der Ankündigung der eigenen Vorgehensweise gewechselt wird. Eine hilfreiche Übung ist, nach Fertigstellung eines Kapitels gezielt nur auf die Zeitformen zu achten und inkonsistente Stellen zu markieren.
Nominalstil vs. Verbalstil: Was ist der Unterschied?
Der Nominalstil verdichtet Aussagen in Substantiven, etwa „die Durchführung der Untersuchung erfolgte im Rahmen von…“ statt „die Untersuchung wurde durchgeführt, indem…“. Wissenschaftliche Texte nutzen tendenziell mehr Nominalstil als Alltagssprache, weil er komplexe Sachverhalte kompakt und präzise ausdrückt. Zu viel Nominalstil macht Texte jedoch schwer lesbar und sollte mit einem angemessenen Anteil an Verbalstil ausbalanciert werden.
| Merkmal | Nominalstil-Beispiel | Verbalstil-Beispiel |
|---|---|---|
| Handlung als Substantiv vs. Verb | „Die Auswertung der Daten erfolgte in drei Schritten.“ | „Die Daten wurden in drei Schritten ausgewertet.“ |
| Kompaktheit | hoch, aber ggf. schwerer lesbar | niedriger, aber flüssiger lesbar |
| Typischer Einsatz | Zusammenfassungen, Definitionen | Beschreibung von Abläufen und Methodik |
Eine bewährte Faustregel: Nutze Nominalstil, um am Kapitelanfang einen Sachverhalt kompakt einzuführen, und wechsle danach zu Verbalstil, um Abläufe und Methodik verständlich im Detail zu beschreiben. So bleibt der Text sowohl präzise als auch lesbar.
Wie geht man mit Fachterminologie um?
Fachbegriffe sollten beim ersten Auftreten klar definiert und danach konsistent verwendet werden. Anders als in journalistischen oder literarischen Texten ist Wiederholung von Fachbegriffen im wissenschaftlichen Schreibstil kein Stilfehler, sondern oft notwendig, um Präzision zu wahren. Wer aus stilistischen Gründen zwischen Synonymen wechselt, riskiert, dass Lesende unterschiedliche Konzepte vermuten, wo eigentlich dasselbe gemeint ist.
Ein Glossar am Anfang oder Ende der Arbeit kann sinnvoll sein, wenn viele fachspezifische oder fremdsprachige Begriffe verwendet werden. Bei Abkürzungen gilt: Beim ersten Auftreten ausschreiben und die Abkürzung in Klammern ergänzen, danach konsequent die Abkürzung verwenden.
Do’s und Don’ts im Überblick
| Do | Don’t |
|---|---|
| Aussagen mit Quellen belegen | Unbelegte Behauptungen aufstellen |
| Präzise Begriffe verwenden und definieren | Vage Formulierungen wie „irgendwie“ oder „eigentlich“ |
| Konsistente Zeitform pro Abschnitt | Zeitform mitten im Absatz wechseln |
| Sachliche, neutrale Sprache | Wertende Adjektive wie „erschreckend“ oder „toll“ |
| Kurze, klar strukturierte Sätze | Verschachtelte Bandwurmsätze mit mehreren Nebensätzen |
| Fachterminologie korrekt und konsistent nutzen | Synonyme für Fachbegriffe verwenden, wo Präzision zählt |
Welche Fehler kommen im wissenschaftlichen Schreibstil am häufigsten vor?
Der häufigste Fehler ist die Vermischung von umgangssprachlichen Ausdrücken mit wissenschaftlichem Vokabular, etwa „Die Ergebnisse sind ziemlich krass“ statt einer präzisen quantitativen Aussage. Ein zweiter häufiger Fehler ist die unbelegte Verallgemeinerung, etwa „Alle Studierenden empfinden das so“, ohne dass eine Quelle oder eigene Erhebung dies stützt.
Weitere typische Fehler sind übermäßig lange Schachtelsätze, die den roten Faden verwässern — mehr dazu im Artikel zum roten Faden in der Bachelorarbeit — sowie ungenaues Paraphrasieren, bei dem fremde Formulierungen zu nah am Original bleiben. Wie du Quellen korrekt in eigenen Worten wiedergibst, erklärt der Artikel Richtig paraphrasieren im Detail. Auch das Fehlen eines klaren Abschlusses gehört zu den häufigen Stilproblemen — Hinweise zum sauberen Abschluss findest du im Artikel zum Fazit der Bachelorarbeit.
Ein oft unterschätzter Fehler ist zudem die inkonsistente Verwendung von Fachbegriffen: Wer denselben Sachverhalt abwechselnd mit unterschiedlichen Begriffen bezeichnet, um Wiederholungen zu vermeiden, riskiert Verwirrung bei Lesenden. In der wissenschaftlichen Sprache ist Wiederholung von Fachtermini oft besser als stilistische Variation, wenn Präzision auf dem Spiel steht. Einen umfassenden Überblick über die Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit insgesamt bietet der entsprechende Leitfaden.

Wie übst du wissenschaftlichen Schreibstil gezielt?
Der wissenschaftliche Schreibstil lässt sich wie jede andere Fertigkeit trainieren. Eine bewährte Methode ist die kapitelweise Selbstkontrolle: Lies nach Fertigstellung eines Abschnitts gezielt nur auf einen Aspekt — etwa Zeitform, Nominalstil oder Belegdichte — und markiere auffällige Stellen. Diese fokussierte Überarbeitung ist effektiver als eine einzige unspezifische Lesekorrektur am Ende.
Zusätzlich hilft es, aktuelle, gut bewertete Abschlussarbeiten oder Fachartikel aus deinem Bereich als Stilvorbild zu lesen und typische Formulierungsmuster zu übernehmen. Auch der Austausch mit Kommilitoninnen und Kommilitonen in Schreibgruppen kann helfen, blinde Flecken im eigenen Stil aufzudecken, bevor die Arbeit bei der Betreuungsperson landet.
Häufige Fragen
Was zeichnet einen guten wissenschaftlichen Schreibstil aus?
Ein guter wissenschaftlicher Schreibstil ist präzise, sachlich, objektiv und nachvollziehbar belegt. Er vermeidet umgangssprachliche Ausdrücke, wertende Formulierungen und unbelegte Behauptungen und folgt den Konventionen des jeweiligen Fachbereichs.
Darf man in wissenschaftlichen Arbeiten Ich schreiben?
Das hängt vom Fachbereich und der Hochschule ab. In den Geisteswissenschaften ist die Ich-Form inzwischen häufiger akzeptiert, etwa bei methodischen Entscheidungen. In den Naturwissenschaften bevorzugt man meist die unpersönliche Passiv- oder Man-Konstruktion. Kläre die Konvention vorab mit deiner Betreuungsperson.
Welche Zeitform verwendet man im wissenschaftlichen Schreibstil?
Der Forschungsstand und allgemeingültige Aussagen werden meist im Präsens beschrieben, die eigene Methodik und Durchführung häufig im Präteritum. Wichtig ist, die gewählte Zeitform innerhalb eines Abschnitts konsistent beizubehalten.
Was ist der Unterschied zwischen Nominalstil und Verbalstil?
Der Nominalstil verdichtet Aussagen in Substantiven, etwa „die Durchführung der Untersuchung“, während der Verbalstil mit Verben arbeitet, etwa „die Untersuchung durchführen“. Wissenschaftliche Texte nutzen häufiger den Nominalstil, sollten ihn aber nicht übertreiben, da er sonst schwer lesbar wird.
Wie vermeidet man einen zu subjektiven Schreibstil?
Vermeide wertende Adjektive wie „erschreckend“ oder „hervorragend“, persönliche Meinungsäußerungen ohne Beleg und pauschale Verallgemeinerungen. Stütze stattdessen jede Aussage auf Daten, Quellen oder nachvollziehbare Argumentation.
Welche Fehler im wissenschaftlichen Schreibstil kommen am häufigsten vor?
Häufige Fehler sind umgangssprachliche Formulierungen, inkonsistente Zeitformen, unbelegte Behauptungen, übermäßig lange Schachtelsätze und ein inkonsistenter Wechsel zwischen Ich-Form und unpersönlicher Formulierung innerhalb derselben Arbeit.
