Was ist das Physikum? Erste Ärztliche Prüfung im Medizinstudium 2026 erklärt

Was ist das Physikum? Erste Ärztliche Prüfung im Medizinstudium 2026 erklärt

Das Physikum ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung im deutschen Medizinstudium, den Studierende nach dem vierten Fachsemester ablegen. Es prüft schriftlich und mündlich-praktisch die Grundlagenfächer Anatomie, Physiologie und Biochemie und markiert den Übergang von der Vorklinik zum klinischen Studienabschnitt. Wer das Physikum besteht, darf mit den klinischen Fächern beginnen.

Was ist das Physikum genau?

„Physikum“ ist der traditionelle, umgangssprachliche Name für das, was in der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO) offiziell als „Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“ bezeichnet wird. Der Name stammt historisch aus einer Zeit, in der die Prüfung stärker auf Physik und Naturwissenschaften ausgerichtet war; heute deckt sie vor allem die medizinischen Grundlagenfächer ab. Bestehst du das Physikum, hast du formal den vorklinischen Studienabschnitt abgeschlossen und darfst mit dem klinischen Teil des Studiums beginnen. Wie streng bereits der Zugang zum Medizinstudium selbst geregelt ist, zeigt unser Überblick zum Medizinstudium und Numerus Clausus.

Rechtlich verbindlich geregelt ist das Physikum in der Approbationsordnung für Ärzte, die von den Ländern in eigener Zuständigkeit umgesetzt wird. Das bedeutet, dass zentrale Elemente wie der schriftliche IMPP-Teil bundesweit einheitlich ablaufen, während organisatorische Details – etwa Anmeldefristen oder die genaue Ausgestaltung der mündlichen Prüfung – von Hochschule zu Hochschule leicht variieren können. Es lohnt sich daher, frühzeitig die Prüfungsordnung deiner eigenen Fakultät zu lesen, statt sich ausschließlich auf allgemeine Beschreibungen zu verlassen.

Wann im Studium findet das Physikum statt?

Das Physikum liegt am Ende der Vorklinik, also üblicherweise nach dem vierten Fachsemester des Humanmedizinstudiums. Die beiden Jahre davor sind der theoretischen und naturwissenschaftlichen Grundlagenausbildung gewidmet. Genaue Prüfungstermine legt das Institut für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) zentral fest und veröffentlicht sie auf seiner Website, da der schriftliche Teil bundesweit einheitlich stattfindet.

Für die meisten Studierenden bedeutet das: Anmeldung und Vorbereitung beginnen bereits im dritten oder vierten Semester, parallel zu den letzten vorklinischen Kursen. Wer einzelne Scheine noch nicht abgeschlossen hat, kann in der Regel nicht zur Prüfung zugelassen werden – ein Grund, weshalb ein realistischer Semesterplan über die gesamte Vorklinik hinweg wichtig ist.

Gestapelte medizinische Lehrbücher und Notizen auf einem Schreibtisch
Anatomie, Physiologie und Biochemie bilden die drei zentralen Grundlagenfächer des Physikums.

Welche Fächer und Inhalte werden geprüft?

Im Zentrum des Physikums stehen die drei großen vorklinischen Grundlagenfächer:

  • Anatomie – Aufbau und Struktur des menschlichen Körpers, von der makroskopischen bis zur mikroskopischen Ebene, inklusive Histologie und Embryologie.
  • Physiologie – Funktionsweise von Organen, Zellen und Regelkreisen im gesunden Körper, etwa Herz-Kreislauf-, Nerven- und Nierenfunktion.
  • Biochemie und Molekularbiologie – Stoffwechselprozesse, Enzymkinetik und molekulare Grundlagen, die später in der Klinik als Basis für Pharmakologie und Pathophysiologie dienen.

Ergänzend werden Grundlagen der medizinischen Psychologie und Soziologie geprüft, die an vielen Hochschulen bereits während der Vorklinik als eigenständige Scheine oder in Kombination mit den Hauptfächern unterrichtet werden. Diese Fächer werden im schriftlichen IMPP-Teil meist mit einem geringeren Fragenanteil berücksichtigt als die drei naturwissenschaftlichen Hauptfächer, sind aber für das Bestehen der Gesamtprüfung ebenso relevant.

Wie läuft die Prüfung ab?

Das Physikum besteht aus zwei Teilen: einem schriftlichen und einem mündlich-praktischen Teil.

  1. Schriftlicher Teil: Vom IMPP zentral erstellte Multiple-Choice-Fragen zu den Hauptfächern, die bundesweit an einem festgelegten Termin geschrieben werden. Insgesamt umfasst dieser Teil mehrere Hundert Fragen, verteilt über zwei Prüfungstage.
  2. Mündlich-praktischer Teil: Findet an der jeweiligen Hochschule statt, meist als Einzel- oder Gruppenprüfung in Anatomie, Physiologie und Biochemie vor einer Prüfungskommission, oft mit praktischen Anteilen wie dem Bestimmen anatomischer Strukturen an Präparaten.

Der schriftliche und der mündliche Teil werden in der Regel getrennt bewertet; beide Teile müssen bestanden werden, damit das Physikum insgesamt als erfolgreich abgeschlossen gilt. Üblicherweise findet der mündliche Teil erst statt, nachdem der schriftliche Teil bestanden wurde, sodass sich die Vorbereitung in zwei klar getrennte Phasen gliedert.

Wie hoch ist die Bestehensgrenze?

Nach der Approbationsordnung für Ärzte gilt eine schriftliche Prüfung als bestanden, wenn mindestens 60 Prozent der gestellten Fragen richtig beantwortet wurden – oder wenn das erzielte Ergebnis nicht mehr als 22 Prozentpunkte unter dem Durchschnittsergebnis der jeweiligen Vergleichsgruppe liegt. Maßgeblich ist jeweils der niedrigere der beiden errechneten Werte. Da sich die genaue Bestehensgrenze je nach Prüfungstermin leicht verschieben kann, veröffentlicht das IMPP für jeden Termin verbindliche Werte auf seiner Website – diese solltest du für dein konkretes Prüfungsdatum direkt dort nachschlagen.

Prüfungsteil Format Wer erstellt/prüft
Schriftlicher Teil Multiple-Choice, bundesweit einheitlich IMPP
Mündlich-praktischer Teil Einzel-/Gruppenprüfung, teils mit Präparaten Prüfungskommission der Hochschule

Was passiert bei Nichtbestehen?

Nicht bestandene Teile des Physikums können in der Regel wiederholt werden, wobei die Anzahl der zulässigen Wiederholungsversuche in der Approbationsordnung und den ergänzenden Prüfungsordnungen der Länder geregelt ist. Wird auch ein Wiederholungsversuch nicht bestanden, kann dies je nach Bundesland und Einzelfall bedeuten, dass die Zulassung zum Medizinstudium insgesamt verloren geht – ein Grund, weshalb sich eine strukturierte, frühzeitige Vorbereitung besonders auszahlt.

Viele Hochschulen bieten für Wiederholende gezielte Vorbereitungskurse, Repetitorien oder Tutorien an, in denen typische Schwachstellen aus dem ersten Versuch gezielt aufgearbeitet werden. Wer einen Prüfungsteil nicht bestanden hat, sollte sich frühzeitig mit dem Prüfungsamt der eigenen Hochschule in Verbindung setzen, um Fristen für die Wiederholung und mögliche Unterstützungsangebote zu klären.

Was passiert nach dem Physikum?

Nach bestandenem Physikum beginnt der klinische Studienabschnitt. Dort stehen Fächer wie Innere Medizin, Chirurgie, Pharmakologie und zahlreiche weitere klinische Disziplinen auf dem Programm, ergänzt durch Famulaturen in Kliniken und Praxen. Den klinischen Abschnitt schließt das Praktische Jahr ab, gefolgt vom Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, der umgangssprachlich als „Hammerexamen“ bezeichnet wird. Erst nach bestandenem zweiten Abschnitt und weiteren formalen Voraussetzungen kann die Approbation als Ärztin oder Arzt beantragt werden. Das Physikum ist dabei nur die erste Stufe einer mehrstufigen staatlichen Prüfung; einen Überblick über dieses Prüfungssystem und seine Unterschiede zu Bachelor und Master bietet unser Beitrag Was ist ein Staatsexamen?.

Wer nach dem Studium eine akademische Laufbahn mit Doktortitel anstrebt, findet einen Überblick über Zugang, Betreuung und Finanzierung in unserem Beitrag Promotion: Voraussetzungen – Zugang, Betreuung und Finanzierung im Überblick. In der Medizin ist die Promotion im Vergleich zu vielen anderen Fächern häufig bereits während des Studiums möglich und wird oft parallel zu den klinischen Semestern begonnen.

Wie bereite ich mich sinnvoll vor?

Ruhiger Prüfungsraum mit ordentlich aufgereihten Tischen
Eine strukturierte Lernphase in den letzten Wochen vor der Prüfung hilft vielen Studierenden.

Die Vorbereitung auf das Physikum erstreckt sich meist über mehrere Monate und kombiniert Altfragen-Training mit der Wiederholung der drei Hauptfächer. Viele Studierende beginnen bereits während der Vorklinik parallel zu den Semestern, Altfragen zu üben, um Prüfungsformat und typische Fragestellungen frühzeitig kennenzulernen. Da die schriftliche Prüfung ausschließlich Multiple-Choice-Fragen umfasst, unterscheidet sich die Lernstrategie deutlich von der Vorbereitung auf eine klassische schriftliche Hausarbeit oder Bachelorarbeit, bei der freies wissenschaftliches Schreiben im Vordergrund steht.

Für den mündlich-praktischen Teil empfiehlt sich zusätzlich das gezielte Üben im Präparierkurs und in Lerngruppen, da hier neben Faktenwissen auch die freie mündliche Darstellung komplexer Zusammenhänge unter Prüfungsdruck gefragt ist. Ein strukturierter Lernplan, der die letzten sechs bis acht Wochen vor der Prüfung für eine systematische Wiederholung aller drei Hauptfächer reserviert, hat sich bei vielen Studierenden als hilfreicher erwiesen als kurzfristiges, unstrukturiertes Pauken.

Falls du neben dem Medizinstudium auch eine schriftliche wissenschaftliche Arbeit verfasst, etwa im Rahmen eines Vorklinik-Wahlfachs oder einer Doktorarbeit, kann ein Tool wie Tesify bei Struktur und Literaturverzeichnis unterstützen – die inhaltliche Prüfungsvorbereitung für das Physikum selbst ersetzt es jedoch nicht.

Gibt es Ähnliches in Zahnmedizin oder Pharmazie?

Auch das Zahnmedizinstudium kennt eine naturwissenschaftliche Vorprüfung, die umgangssprachlich ebenfalls als Physikum bezeichnet wird, sich inhaltlich aber an den Anforderungen der Zahnmedizin orientiert und in einer eigenen Approbationsordnung geregelt ist. Im Pharmaziestudium existiert mit dem Ersten Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung eine strukturell vergleichbare Zwischenprüfung nach den ersten Studienjahren. In beiden Fällen gilt: Trotz ähnlicher Bezeichnung unterscheiden sich Prüfungsinhalte, zuständige Stellen und Bestehensregeln von der Ärztlichen Prüfung, weshalb die jeweils gültige, fachspezifische Approbationsordnung die verbindliche Quelle für Details ist.

Häufige Fragen

Wann findet das Physikum im Medizinstudium statt?

Das Physikum findet nach dem vierten Fachsemester statt, also am Ende der zweijährigen Vorklinik. Es markiert den Übergang von den naturwissenschaftlichen und theoretischen Grundlagenfächern zum klinischen Studienabschnitt.

Welche Fächer werden im Physikum geprüft?

Geprüft werden vor allem Anatomie, Physiologie, Biochemie/Molekularbiologie sowie Grundlagen der Psychologie und Soziologie. Der schriftliche Teil besteht aus vom IMPP erstellten Multiple-Choice-Fragen, ergänzt durch eine mündlich-praktische Prüfung an der eigenen Hochschule.

Wie hoch ist die Bestehensgrenze beim Physikum?

Laut Approbationsordnung für Ärzte gilt die Prüfung als bestanden, wenn mindestens 60 Prozent der gestellten Fragen richtig beantwortet wurden oder das Ergebnis nicht mehr als 22 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe liegt – es zählt jeweils der niedrigere der beiden Werte. Die genaue Bestehensgrenze kann je nach Prüfungstermin leicht variieren; verbindliche Werte veröffentlicht das IMPP.

Was passiert, wenn ich das Physikum nicht bestehe?

Nicht bestandene Teile des Physikums können in der Regel wiederholt werden, wobei die Anzahl der zulässigen Wiederholungsversuche in der Approbationsordnung und den Prüfungsordnungen der Länder geregelt ist. Manche Hochschulen bieten zusätzliche Vorbereitungskurse oder Repetitorien für Wiederholende an.

Was kommt nach dem Physikum im Medizinstudium?

Nach bestandenem Physikum beginnt der klinische Studienabschnitt mit Fächern wie Innerer Medizin, Chirurgie und Pharmakologie, gefolgt vom Praktischen Jahr und dem Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, umgangssprachlich Hammerexamen genannt.

Ist das Physikum dasselbe wie ein Staatsexamen?

Das Physikum ist offiziell der Erste Abschnitt der Ärztlichen Prüfung und damit Teil der staatlichen Prüfungsstruktur im Medizinstudium, wird aber meist umgangssprachlich vom vollständigen Staatsexamen unterschieden, das den späteren, abschließenden Prüfungsteil bezeichnet.

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