Die Bewerbung an der Universität Wien läuft über zwei getrennte Wege: Für Studien mit Aufnahmeverfahren registrierst du dich bereits im Frühjahr und schreibst im Juli einen Test; für Studien ohne Aufnahmeverfahren stellst du im Sommer einen Zulassungsantrag. Einen Numerus clausus nach Abiturnote gibt es in Österreich nicht.
Mit rund 87.000 Studierenden an 20 Fakultäten und Zentren und etwa 188 ordentlichen Studien ist die 1365 gegründete Universität Wien die größte und älteste Universität des deutschsprachigen Raums. Für deutsche Studieninteressierte ist sie aus einem strukturellen Grund attraktiv: Wo Plätze knapp sind, entscheidet ein Test — nicht der Abiturschnitt.
Wie unterscheidet sich das österreichische vom deutschen Zulassungssystem?
Der Unterschied ist grundlegend und wird von deutschen Bewerbenden regelmäßig unterschätzt:
| Merkmal | Deutschland (zulassungsbeschränkt) | Universität Wien |
|---|---|---|
| Auswahlkriterium | Abiturnote, Wartezeit, Auswahlverfahren | schriftlicher Aufnahmetest |
| Rolle der Abiturnote | zentral | in der Regel keine |
| Zeitpunkt der Bewerbung | meist Juli für das Wintersemester | Frühjahr bei Aufnahmeverfahren, Sommer sonst |
| Zahl der Studien mit Beschränkung | hoch | begrenzte Liste stark nachgefragter Fächer |
| Kosten für EU-Staatsangehörige | Semesterbeitrag | ÖH-Beitrag, Studienbeitrag erst nach Toleranzfrist |
Wer mit einem Schnitt von 2,3 in Deutschland bei einem stark nachgefragten Fach chancenlos wäre, kann in Wien über einen guten Testwert zugelassen werden. Wie das deutsche System dagegen funktioniert, ordnet der Beitrag zu NC und Studienplatzvergabe ein; ein direkter Vergleichsfall ist die Bewerbung an der LMU München.
Weg 1: Studien mit Aufnahme- oder Eignungsverfahren

Betroffen sind vor allem stark nachgefragte Bachelor- und Diplomstudien. Zum wiederkehrenden Kreis gehören:
- Betriebswirtschaft und Internationale Betriebswirtschaft
- Psychologie
- Informatik und Wirtschaftsinformatik
- Pharmazie
- Ernährungswissenschaften
- Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
- Bildungswissenschaft
Der Ablauf ist strikt terminiert. Für das Studienjahr 2026/27 lief die Antragsfrist für Bachelor- und Diplomstudien mit Aufnahme- oder Eignungsverfahren vom 2. März bis 7. April 2026; die schriftlichen Tests fanden im Juli 2026 statt. Ein Beispiel für die Größenordnung: Für Betriebswirtschaft und Internationale Betriebswirtschaft mit 1.122 Studienplätzen registrierten sich 2.270 Interessierte, der Test fand am 8. Juli 2026 statt.
Diese Relation von rund zwei Bewerbungen je Platz ist typisch und im internationalen Vergleich moderat — ein weiterer Grund, warum Wien für deutsche Bewerbende rechnerisch attraktiv ist. Entscheidend ist allein: Die Frist im Frühjahr ist eine Ausschlussfrist. Wer sie verpasst, kann das betreffende Studium erst im Folgejahr beginnen, unabhängig von der Qualifikation.
Vorbereitung auf den Test
Die Universität veröffentlicht zu jedem Verfahren eine Literaturliste oder ein Skript, auf dem der Test beruht. Diese Unterlagen erscheinen typischerweise nach Ende der Registrierungsfrist und sind die einzige verbindliche Vorbereitungsgrundlage — kommerzielle Vorbereitungskurse arbeiten mit denselben Materialien. Plane sechs bis zehn Wochen strukturierte Vorbereitung ein.
Weg 2: Studien ohne Aufnahmeverfahren
Für die große Mehrheit der Studien — von den Geistes- und Kulturwissenschaften über die meisten Naturwissenschaften bis zur Rechtswissenschaft — gibt es kein Auswahlverfahren. Hier gilt ein deutlich späteres und großzügigeres Zeitfenster: Für das Wintersemester 2026/27 lief die Antragsfrist vom 22. Juni bis 31. Oktober 2026.
Der Ablauf in vier Schritten:
- Online-Antrag auf Zulassung im Portal der Universität stellen, mit Angaben zur Vorbildung.
- Dokumente hochladen: Abiturzeugnis, Identitätsnachweis, gegebenenfalls Nachweise über bisherige Studien.
- Prüfung der Vorbildung durch die Studienzulassung; bei Bedarf werden Zusatzprüfungen vorgeschrieben.
- Persönliche Zulassung vor Ort oder digital, danach Zahlung des ÖH-Beitrags und Ausstellung des Studierendenausweises.
Was deutsche Bewerberinnen und Bewerber beachten müssen

Anerkennung des Abiturs
Das allgemeine deutsche Abitur gilt in Österreich als allgemeine Universitätsreife und berechtigt grundsätzlich zum Studium. Zwei Einschränkungen sind zu beachten:
- Fachgebundene Hochschulreife berechtigt nur zu den entsprechenden Studienrichtungen — hier ist eine Einzelfallprüfung nötig.
- Zusatzprüfungen können vorgeschrieben werden, etwa Latein für bestimmte geistes- und sprachwissenschaftliche Studien oder eine zweite lebende Fremdsprache. Sie sind bis zum Abschluss des ersten Studienabschnitts nachzuholen, verhindern die Zulassung also nicht.
Wer ohne klassische Hochschulreife studieren möchte, findet die österreichischen Alternativwege — Studienberechtigungsprüfung und Berufsreifeprüfung — im Beitrag zum Studieren ohne Abitur im DACH-Raum.
Medizin ist eine andere Universität
Ein häufiger und teurer Irrtum: Humanmedizin und Zahnmedizin gibt es an der Universität Wien nicht. Die Medizinische Universität Wien ist seit 2004 eine eigenständige Hochschule mit eigenem Zulassungsverfahren (MedAT), eigenen Fristen und eigener Bewerbungsplattform. Wer sich an der Uni Wien registriert und Medizin erwartet, bewirbt sich am falschen Ort. An der Universität Wien liegen dagegen Pharmazie und Ernährungswissenschaften.
Kosten
| Posten | Höhe | Anmerkung |
|---|---|---|
| ÖH-Beitrag | rund 25 Euro pro Semester | inklusive Versicherungsbeitrag, für alle verpflichtend |
| Studienbeitrag | entfällt innerhalb der Toleranzfrist | fällt erst an, wenn die vorgesehene Studiendauer plus Toleranzsemester überschritten wird |
| Lebenshaltung Wien | der eigentliche Kostenfaktor | Miete, Verpflegung, Semesterticket der Wiener Linien |
Der aktuelle ÖH-Beitrag wird jährlich angepasst und ist vor der Zahlung auf den Seiten der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft zu prüfen. Für die Finanzierung kommen sowohl deutsche als auch österreichische Förderwege in Betracht; einen Überblick über Stipendienquellen im DACH-Raum gibt der Beitrag zum Finden eines Stipendiums.
Zeitplan: Wann was zu tun ist
| Zeitraum | Studien mit Aufnahmeverfahren | Studien ohne Aufnahmeverfahren |
|---|---|---|
| Januar bis Februar | Studienwahl treffen, Verfahrensliste prüfen | Studienwahl treffen |
| März bis Anfang April | Registrierung (Ausschlussfrist) | — |
| April bis Juni | Testvorbereitung mit offiziellem Material | Dokumente zusammenstellen |
| Juli | schriftlicher Aufnahmetest | Antragsstellung möglich |
| August bis September | Ergebnis, Zulassung, Wohnungssuche | Antrag, Prüfung der Vorbildung |
| Oktober | Semesterstart, Lehrveranstaltungsanmeldung | persönliche Zulassung bis Fristende |
Ein Hinweis zur Wohnungssuche: Sie beginnt sinnvollerweise vor dem Zulassungsbescheid, nicht danach. Der Wiener Wohnungsmarkt zieht im September stark an, und Heimplätze sind früh vergeben. Wer den Weg in die Schweiz erwägt, findet die dortigen Bedingungen im Beitrag zur Bewerbung an der ETH Zürich.
Stand der Fristangaben: Studienjahr 2026/27. Termine ändern sich jährlich; verbindlich sind ausschließlich die Angaben der Universität Wien.
Häufige Fragen zur Bewerbung an der Universität Wien
Wie bewirbt man sich an der Universität Wien?
Über zwei getrennte Wege: Registrierung im Frühjahr plus Test im Juli bei Studien mit Aufnahmeverfahren, oder Zulassungsantrag im Sommer bei allen übrigen Studien. Beide starten online im Portal der Universität.
Gibt es an der Universität Wien einen Numerus clausus?
Nein. Österreich kennt keinen Numerus clausus nach Abiturnote. Wo Plätze knapp sind, entscheidet ein schriftlicher Aufnahmetest — die Abiturnote spielt dabei in der Regel keine Rolle.
Welche Studien haben ein Aufnahmeverfahren?
Vor allem Betriebswirtschaft und Internationale Betriebswirtschaft, Psychologie, Informatik, Pharmazie, Ernährungswissenschaften, Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Bildungswissenschaft. Die Liste ändert sich jährlich.
Was kostet ein Studium an der Uni Wien für Deutsche?
Als EU-Staatsangehörige innerhalb der Studiendauer plus Toleranzsemester nur der ÖH-Beitrag von rund 25 Euro pro Semester. Ein Studienbeitrag fällt erst bei Überschreitung an. Der eigentliche Kostenfaktor sind die Lebenshaltungskosten in Wien.
Kann man Humanmedizin an der Universität Wien studieren?
Nein. Die Medizinische Universität Wien ist seit 2004 eigenständig, mit eigenem Verfahren (MedAT) und eigenen Fristen. An der Universität Wien gibt es unter anderem Pharmazie und Ernährungswissenschaften.
Wird das deutsche Abitur in Österreich anerkannt?
Ja, das allgemeine Abitur gilt als allgemeine Universitätsreife. Für einzelne Studien können Zusatzprüfungen anfallen, etwa Latein oder eine zweite lebende Fremdsprache; ein fachgebundenes Abitur berechtigt nur zu den entsprechenden Fachrichtungen.
