Selbst erhobene Interviews, Transkripte, Fragebogendaten und Feldnotizen gehören nicht ins Literaturverzeichnis. Sie sind Primärdaten deiner Untersuchung und werden über einen Zeilenbeleg mit Fallcode im Text nachgewiesen — etwa (B3, Z. 145–149) —, während die anonymisierten Materialien im Anhang oder in einem separat übergebenen Datensatz liegen.
Diese Regel wird in fast jeder empirischen Abschlussarbeit mindestens einmal verletzt, meist indem eigene Interviewpartner unter „Müller, T. (2026)“ ins Literaturverzeichnis wandern. Der Fehler ist leicht zu vermeiden, sobald die zugrunde liegende Unterscheidung klar ist — und die läuft über drei Kategorien, nicht über zwei.
Die drei Kategorien von Interviewmaterial

| Kategorie | Beispiel | Beleg im Text | Literaturverzeichnis? |
|---|---|---|---|
| Eigene Erhebungsdaten | Leitfadeninterview im Rahmen deiner Studie | Fallcode und Fundstelle, z. B. (B3, Z. 145–149) | nein — Anhang |
| Persönliche Mitteilung | E-Mail-Auskunft einer Fachperson, Randgespräch | Name, „persönliche Mitteilung“, Datum | nein |
| Veröffentlichtes Interview | Zeitungsinterview, Podcastfolge, Videointerview | regulärer Kurzbeleg | ja |
Der gemeinsame Nenner der ersten beiden Kategorien: Sie sind für Lesende nicht öffentlich abrufbar. Genau das ist die Funktion des Literaturverzeichnisses — es weist nach, wo jemand anders die Quelle findet. Was dort nicht auffindbar ist, gehört nicht hinein. Wie das Verzeichnis grundsätzlich aufgebaut ist, beschreibt der Beitrag zum Erstellen des Literaturverzeichnisses.
Eigene Erhebungsdaten: Aufbau des Zeilenbelegs
Der Beleg besteht aus zwei Teilen: Fallcode und Fundstelle. Beide werden einmal im Methodenkapitel eingeführt und dann konsequent durchgehalten.
| Material | Belegformat | Beispiel |
|---|---|---|
| Transkript mit Zeilennummerierung | (Code, Z. von–bis) | (B3, Z. 145–149) |
| Transkript in QDA-Software | (Code, Pos. Nummer) | (E2, Pos. 27) |
| Transkript mit Zeitmarken | (Code, Zeitmarke) | (B7, 00:14:32) |
| Gruppendiskussion | (Gruppe, Sprecher, Zeile) | (GD2, TN4, Z. 88) |
| Feldnotiz / Beobachtungsprotokoll | (Protokoll, Datum, Abschnitt) | (Feldprotokoll, 12.05.2026, Abs. 4) |
| Fragebogendatensatz | (eigene Erhebung, N = …, Item) | (eigene Erhebung, N = 214, Item 12) |
Ein wörtliches Zitat aus einem Transkript wird wie jedes andere direkte Zitat behandelt — bei mehr als etwa 40 Wörtern als eingerückter Block, darunter in Anführungszeichen im Fließtext. Die allgemeinen Regeln dazu stehen im Beitrag zum Zitieren im Text. Zwei Besonderheiten kommen bei Transkripten hinzu:
- Transkriptionszeichen bleiben erhalten. Pausen, Abbrüche und Betonungen sind Teil des Datums, nicht Tippfehler. Wenn dein Regelsystem etwa (.) für kurze Pausen vorsieht, steht das auch im Zitat. Welche Notationssysteme gebräuchlich sind, behandelt der Beitrag zum Transkribieren von Interviews.
- Auslassungen und Ergänzungen werden markiert. Kürzungen mit […], eigene Ergänzungen zum Verständnis mit [Anm. d. Verf.: …]. Sprachliche Glättung ist nur zulässig, wenn du sie im Methodenkapitel als Teil des Transkriptionsverfahrens erklärst.
Anonymisierungscodes richtig einführen
Statt Namen wird ein systematischer Code verwendet: B1 bis B12 für Befragte, E1 bis E6 für Expertinnen und Experten, GD1 und GD2 für Gruppendiskussionen. Im Methodenkapitel steht eine Fallübersicht — mit genau so vielen Merkmalen, wie für die Interpretation nötig sind, und nicht mehr:
| Code | Funktion | Berufserfahrung | Dauer |
|---|---|---|---|
| E1 | Abteilungsleitung, mittelständisches Unternehmen | über 10 Jahre | 52 Min. |
| E2 | Fachkraft, öffentlicher Sektor | 3–5 Jahre | 41 Min. |
| E3 | Beratung, freiberuflich | über 10 Jahre | 48 Min. |
Achte darauf, dass die Merkmalskombination nicht selbst identifizierend wirkt. In kleinen Feldern reichen zwei Angaben — etwa Beruf und Region — häufig aus, um eine Person eindeutig zu bestimmen.
Persönliche Mitteilung: der Sonderfall
Wenn du außerhalb deiner systematischen Erhebung eine Auskunft einholst — eine E-Mail an eine Behörde, ein Telefonat mit einer Fachperson, eine Nachfrage nach einem Vortrag —, ist das eine persönliche Mitteilung. Nach APA 7 wird sie ausschließlich im Fließtext belegt:
Nach Auskunft der zuständigen Stelle wird die Erhebung ab 2027 auf ein jährliches Intervall umgestellt (M. Schneider, persönliche Mitteilung, 14. Mai 2026).
Sie erscheint nicht im Literaturverzeichnis, weil sie für Lesende nicht überprüfbar ist. In der deutschen Zitierweise steht der entsprechende Hinweis in der Fußnote. Die allgemeinen Formatregeln für Kurzbelege sind im Beitrag zum Zitieren nach APA 7 beschrieben.
Ein praktischer Hinweis: Hole vor der Verwendung eine kurze schriftliche Zustimmung ein und bewahre die E-Mail auf. Sie ist zwar kein Beleg für Lesende, aber deine Absicherung gegenüber Gutachtenden.
Veröffentlichte Interviews
Ein Interview, das in einer Zeitung, einem Magazin, einem Podcast oder auf einer Videoplattform erschienen ist, ist eine ganz normale publizierte Quelle und gehört vollständig ins Literaturverzeichnis. Angesetzt wird in der Regel die interviewte Person als Urheber, ergänzt um die interviewende Person:
Nachname, V. (2026, 3. März). Titel des Interviews [Interview von V. Nachname]. Medium. URL
Diese Quellen dürfen keinesfalls mit eigenen Erhebungsdaten vermischt werden — sie haben einen völlig anderen epistemischen Status: öffentlich, redaktionell bearbeitet, nicht nach deinem Leitfaden erhoben.
Eigene Tabellen, Abbildungen und Berechnungen
Für Darstellungen, die du selbst erstellt hast, gilt eine eigene Konvention:
- Vollständig eigene Daten: „Quelle: eigene Darstellung“ oder „Quelle: eigene Berechnung“ unter der Tabelle.
- Eigene Darstellung fremder Daten: „Quelle: eigene Darstellung auf Basis von Statistisches Bundesamt (2025)“ — die Datenquelle erhält dann einen regulären Eintrag im Literaturverzeichnis.
- Unverändert übernommen: regulärer Kurzbeleg plus, bei urheberrechtlich geschütztem Material, gegebenenfalls eine Abdruckgenehmigung.
Fehlt der Hinweis vollständig, bleibt für Lesende unklar, ob die Grafik übernommen oder selbst erstellt wurde — im Zweifel wird das als fehlender Beleg gewertet.
Was in den Anhang gehört

Der Anhang macht deine Zeilenbelege überprüfbar. Hinein gehören:
- Interviewleitfaden beziehungsweise Fragebogen im Originallayout
- Muster der Einwilligungserklärung, ohne Unterschriften
- Transkriptionsregeln
- Kategoriensystem beziehungsweise Codebuch
- ein bis zwei vollständige anonymisierte Transkripte als Beleg für die Transkriptionsqualität
- Fallübersicht, sofern nicht im Methodenkapitel
Nicht hinein gehören sämtliche Transkripte, Audiodateien und Rohdatensätze. Diese werden der Hochschule separat übergeben oder in einem Repositorium abgelegt; im Methodenkapitel steht ein Satz zum Verbleib. Wie der Anhang formal aufgebaut und nummeriert wird, beschreibt der Beitrag zum Erstellen des Anhangs.
Häufige Fragen zum Zitieren eigener Erhebungsdaten
Kommen eigene Interviews ins Literaturverzeichnis?
Nein. Selbst erhobene Interviews, Transkripte, Fragebogendaten und Feldnotizen sind Primärdaten und keine Literatur. Sie werden über Zeilenbelege nachgewiesen; die anonymisierten Materialien liegen im Anhang oder in einem übergebenen Datensatz.
Wie sieht der Beleg für ein Zitat aus einem eigenen Interview aus?
Über Fallcode und Fundstelle, etwa (B3, Z. 145–149) bei Zeilennummerierung oder (B3, Pos. 27) bei Absatznummerierung. Der Code wird im Methodenkapitel einmal erläutert und einheitlich verwendet.
Was ist eine persönliche Mitteilung und wie wird sie belegt?
Eine nicht abrufbare Auskunft außerhalb der systematischen Erhebung, etwa eine E-Mail-Antwort. Nach APA 7 wird sie nur im Fließtext belegt — mit Name, dem Zusatz „persönliche Mitteilung“ und Datum — und erscheint nicht im Literaturverzeichnis.
Wie zitiert man ein Interview aus einer Zeitung oder einem Podcast?
Wie jede veröffentlichte Quelle, mit vollständigem Eintrag im Literaturverzeichnis. Angesetzt wird meist die interviewte Person, ergänzt um die interviewende Person, Medium, Datum und Fundstelle.
Wie werden Interviewpartner anonymisiert belegt?
Über systematische Codes statt Namen, etwa B1 bis B12 oder E1 bis E6, eingeführt im Methodenkapitel mit einer Fallübersicht. Achte darauf, dass die Merkmalskombination nicht selbst identifizierend wirkt.
Wie belegt man eigene Tabellen und Berechnungen?
Mit „Quelle: eigene Darstellung“ beziehungsweise „eigene Berechnung“. Beruht die Darstellung auf fremden Daten, lautet der Hinweis „eigene Darstellung auf Basis von“ plus regulärem Kurzbeleg der Datenquelle.
