DIN 1505 zitieren 2026: Nummerische Zitierweise und Literaturverzeichnis nach Norm mit Beispielen
Der Betreuer verlangt Zitation „nach DIN 1505“, aber die Bibliothek empfiehlt DIN ISO 690, und in keinem Leitfaden der Fakultät steht, welche Nummer im Text wohin gehört. Wer DIN 1505 zitieren soll, stößt in der Praxis fast immer zuerst auf dieses Verwirrspiel zwischen einer Norm, die seit 2013 offiziell zurückgezogen ist, und einer Zitierpraxis, die in vielen technischen und naturwissenschaftlichen Fächern trotzdem weiterlebt. Dieser Artikel klärt beides: die nummerische Zitierweise, wie sie DIN 1505-2 vorsah, und den korrekten Aufbau des Literaturverzeichnisses nach Norm — mit kopierfertigen Beispielen für jeden gängigen Quellentyp.
Die nummerische Zitierweise unterscheidet sich fundamental vom Autor-Jahr-Prinzip aus APA oder Harvard: Statt „(Müller, 2020)“ steht im Text nur eine Zahl in eckigen Klammern oder als hochgestellte Ziffer, zum Beispiel „[3]“ oder „³“. Diese Zahl verweist auf einen durchnummerierten Eintrag im Literaturverzeichnis — sortiert nicht alphabetisch, sondern nach der Reihenfolge des ersten Auftretens im Fließtext. Wer aus einem ingenieurwissenschaftlichen, informatiknahen oder medizinischen Studiengang kommt, kennt dieses Prinzip bereits aus IEEE- oder Vancouver-Stilen — DIN 1505 war die deutsche Spielart davon.
Kurzantwort: DIN 1505 zitieren bedeutet, Quellen im Text mit einer laufenden Nummer in eckigen Klammern (z. B. [1]) statt mit Autor-Jahr zu kennzeichnen. Das Literaturverzeichnis wird nach dieser Nummernfolge geordnet, nicht alphabetisch. Wichtig: DIN 1505-2 wurde im Oktober 2013 offiziell durch DIN ISO 690 ersetzt — viele Fachbereiche verlangen daher heute DIN ISO 690, auch wenn umgangssprachlich noch „DIN 1505“ gesagt wird. Kläre die genaue Erwartung deines Betreuers, bevor du dich auf ein System festlegst.
Was ist DIN 1505? Herkunft und aktueller Status
DIN 1505 ist eine mehrteilige deutsche Norm des Deutschen Instituts für Normung, die 1984 in ihrer für Zitierzwecke relevanten Fassung (DIN 1505-2, „Titelangaben von Dokumenten – Zitierregeln“) veröffentlicht wurde. Sie richtete sich an Autoren, Verlage und Redaktionen und legte fest, welche Bestandteile ein Literaturzitat enthalten muss, in welcher Reihenfolge sie stehen und welche Satzzeichen — sogenannte Deskriptionszeichen wie Punkt, Komma, Doppelpunkt und Schrägstrich — die einzelnen Angaben trennen.
Entscheidend für die Praxis 2026: DIN 1505-2:1984-01 wurde im Oktober 2013 offiziell durch die internationale Norm DIN ISO 690:2013-10 zurückgezogen und ersetzt. Formal gilt DIN 1505 damit nicht mehr als aktuelle Norm. Trotzdem hat sich der Begriff „DIN 1505“ in vielen Prüfungsordnungen, älteren Stilvorlagen und mündlichen Anweisungen von Lehrstühlen gehalten — vor allem in Fächern, die traditionell mit nummerischer statt mit Autor-Jahr-Zitation arbeiten, etwa Maschinenbau, Elektrotechnik oder Teile der Informatik. Wer also den Auftrag bekommt, „nach DIN 1505“ zu zitieren, zitiert in der Sache meist nach dem nummerischen Prinzip, sollte aber im Zweifel klären, ob nicht ohnehin die aktuellere DIN ISO 690 gemeint ist.

Die nummerische Zitierweise im Detail
Das Kernprinzip der nummerischen Zitierweise ist einfach: Jede Quelle bekommt beim ersten Auftreten im Text eine fortlaufende Zahl. Diese Zahl wird bei jeder weiteren Nennung derselben Quelle wiederverwendet — unabhängig davon, an welcher Stelle der Arbeit sie erneut zitiert wird.
- Erste Nennung im Text: „Die Materialermüdung nimmt unter zyklischer Belastung signifikant zu [1].“
- Erneute Nennung derselben Quelle später im Text: bleibt bei „[1]“ — nicht neu nummeriert.
- Zweite, neue Quelle: erhält die nächste freie Zahl, z. B. „[2]“, unabhängig vom Nachnamen des Autors.
- Mehrere Quellen an einer Stelle: „[3, 4]“ oder „[3–5]“ bei zusammenhängenden Nummern.
- Seitenangabe bei direktem Zitat: häufig als „[1, S. 42]“ oder „[1, p. 42]“ ergänzt.
Alternativ erlaubt DIN 1505-2 auch hochgestellte Ziffern im Fließtext, die auf Fußnoten mit der vollständigen oder abgekürzten Quellenangabe verweisen — hier überschneidet sich das System mit der Deutschen Zitierweise mit Fußnoten. Der entscheidende Unterschied bleibt: Bei der nummerischen Variante verweist die Zahl auf eine Position im Literaturverzeichnis, nicht auf einen eigenständigen Fußnotentext mit vollständiger Angabe an Ort und Stelle.
Ein häufiger Stolperstein: Studierende springen zwischen alphabetischer und nummerischer Logik hin und her, weil sie aus Harvard oder APA an die Autor-Jahr-Denkweise gewöhnt sind. Bei DIN 1505 zählt ausschließlich die Reihenfolge des ersten Auftretens — der Nachname des Autors hat auf die Nummerierung keinen Einfluss.
Direkte und indirekte Zitate nummerisch kennzeichnen
Auch innerhalb der nummerischen Zitierweise wird zwischen wörtlicher Übernahme und sinngemäßer Wiedergabe unterschieden, auch wenn die Kennzeichnung knapper ausfällt als bei Autor-Jahr-Systemen.
- Direktes Zitat: Der wörtlich übernommene Text steht in Anführungszeichen, gefolgt von der Quellennummer und exakter Seitenangabe: „Zuverlässigkeit ist keine Eigenschaft, sondern ein messbares Ergebnis von Prüfprozessen“ [7, S. 15].
- Indirektes Zitat (Paraphrase): Kein Anführungszeichen, aber die Quellenzahl folgt direkt nach der wiedergegebenen Aussage, meist ohne „vgl.“-Zusatz, da die nummerische Klammer selbst bereits die Verweisfunktion übernimmt: Prüfprozesse liefern damit einen objektivierbaren Zuverlässigkeitswert [7].
- Mehrere Belegstellen für eine Aussage: Wenn zwei unabhängige Quellen dieselbe Aussage stützen, werden beide Nummern angegeben: [7, 12].
Wer unsicher ist, wann eine Übernahme als direktes und wann als indirektes Zitat gilt, findet die allgemeinen Abgrenzungskriterien unabhängig vom Zitiersystem in den Beiträgen zu APA zitieren, wo die Unterscheidung mit weiteren Beispielen erläutert wird.
Literaturverzeichnis nach DIN 1505-2 aufbauen
Das Literaturverzeichnis wird bei der nummerischen Zitierweise streng nach der vergebenen Zahl geordnet — Eintrag [1] steht an erster Stelle, unabhängig vom Alphabet. Jeder Eintrag folgt einem festen Satzbauplan mit klar definierten Satzzeichen:
| Element | Trennzeichen | Beispiel |
|---|---|---|
| Nachname, Vorname | Doppelpunkt nach dem letzten Namen | Müller, Anna: |
| Titel : Untertitel | Leerzeichen-Doppelpunkt-Leerzeichen | Statik im Hochbau : Grundlagen und Anwendung. |
| Auflage (ab 2.) | Komma davor, Komma danach | , 3. Aufl., |
| Verlagsort : Verlag | Leerzeichen-Doppelpunkt-Leerzeichen | Berlin : Springer, |
| Jahr | Punkt am Ende des Eintrags | 2019. |
Bei Zeitschriftenartikeln tritt an die Stelle von Verlagsort und Verlag die Angabe „In: Zeitschriftentitel Jahrgang (Jahr), Heftnummer, Seitenbereich“. Bei Sammelbänden wird der Herausgeber mit dem Zusatz „(Hrsg.)“ gekennzeichnet, gefolgt vom Sammelbandtitel und den Seiten des zitierten Beitrags.
Beispiele für alle Quellentypen
Die folgenden Muster lassen sich direkt für die eigene Arbeit übernehmen — die vorangestellte Zahl entspricht der Position im Literaturverzeichnis, nicht zwingend der Reihenfolge in diesem Artikel.
Monografie (Buch mit einem Verfasser)
[1] Kramer, Stefan: Werkstoffkunde für Ingenieure : Grundlagen, Anwendungen, Prüfverfahren. 4. Aufl., München : Hanser, 2021.
Sammelband mit Herausgeber
[2] Fischer, Julia (Hrsg.): Nachhaltiges Bauen : Konzepte und Fallstudien. Stuttgart : Vieweg, 2020, S. 88–104.
Zeitschriftenartikel
[3] Weber, Thomas: Optimierung von Fertigungsprozessen unter Ressourcenknappheit. In: Zeitschrift für wirtschaftlichen Fabrikbetrieb 115 (2020), Nr. 6, S. 342–349.
Internetquelle
[4] Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: Energieeffizienzstrategie 2050. URL: https://www.bmwk.de/energieeffizienzstrategie [Zugriff am 12.03.2026].
Ausführlichere Regeln zu Sonderfällen wie Webseiten ohne Autor, PDFs oder Social-Media-Beiträgen sind im Beitrag Internetquellen zitieren zusammengefasst, dort auch mit Blick auf DIN 1505 im Vergleich zu APA und Harvard.
Hochschulschrift (Dissertation, Abschlussarbeit)
[5] Novak, Petra: Digitalisierung in der mittelständischen Fertigung. Dresden, Techn. Univ., Diss., 2022.
Norm oder Patent
[6] Norm DIN EN ISO 9001:2015-11. Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen. Berlin : Beuth Verlag, 2015.
Abgrenzung zu APA und Harvard
Der grundlegende Unterschied zwischen DIN 1505 und den international dominierenden Stilen APA und Harvard liegt im Verweisprinzip im Fließtext. Wer sich zwischen den Systemen orientieren muss, findet den Unterschied hier klar zusammengefasst:
| Merkmal | DIN 1505 (nummerisch) | APA / Harvard |
|---|---|---|
| Verweis im Text | Zahl in Klammern, z. B. [3] | Autor-Jahr, z. B. (Müller, 2020) |
| Sortierung im Literaturverzeichnis | nach Nummer (Reihenfolge im Text) | alphabetisch nach Nachname |
| Lesbarkeit im Fließtext | kompakt, aber Autor nicht direkt erkennbar | Autor sofort sichtbar |
| Typische Fachbereiche | Technik, Naturwissenschaften, Medizin | Geistes-, Sozial-, Wirtschaftswissenschaften |
Wer eine Arbeit im Autor-Jahr-System schreiben soll, findet die vollständige Anleitung im Beitrag APA zitieren beziehungsweise im Beitrag Harvard zitieren — beide Systeme unterscheiden sich in Details wie Kommasetzung und Klammerform, folgen aber demselben Autor-Jahr-Grundprinzip, das der nummerischen Zitierweise von DIN 1505 gegenübersteht. Wer sich außerdem für den international meistgenutzten nummerischen Standard in Medizin und Technik interessiert, findet einen ausführlichen Vergleich im Leitfaden zur Vancouver- und IEEE-Zitierweise von Tesify.io, die auf demselben nummerischen Grundprinzip wie DIN 1505 aufbauen.
DIN 1505 oder DIN ISO 690: Was gilt 2026?
Formal ist die Antwort eindeutig: DIN ISO 690:2013-10 ist die gültige Norm, DIN 1505-2 ist seit 2013 zurückgezogen. In der Realität vieler Fachbereiche ist der Sprachgebrauch trägerer als das Normungsverfahren — Prüfungsordnungen und Formatvorlagen, die vor 2013 entstanden sind, verweisen teils noch wörtlich auf „DIN 1505“, meinen aber inhaltlich meist weiterhin die nummerische Zitierweise, wie sie auch unter DIN ISO 690 fortgeführt werden kann. Der Kern der Regeln — Nummerierung nach Ersterwähnung, Sortierung des Literaturverzeichnisses nach Zahl statt Alphabet — ist in beiden Normen im Wesentlichen kompatibel.

Die praktische Konsequenz: Frag konkret nach, ob dein Lehrstuhl „DIN 1505“ wörtlich oder als Sammelbegriff für „nummerische Zitierweise“ verwendet, und ob eine aktuelle Stilvorlage existiert. Ein kurzer Blick in den offiziellen Leitfaden des Fachbereichs oder eine E-Mail an den Betreuer klärt das in der Regel schneller als jede Norm-Recherche. Wer die Abschlussarbeit mit einem KI-gestützten Schreibassistenten wie Tesify organisiert, kann Zitiervorgaben und Quellenformat als feste Vorlage hinterlegen, sodass jede neu eingefügte Quelle automatisch im richtigen Format erscheint — das reduziert das Risiko, mitten in der Arbeit zwischen Nummern- und Autor-Jahr-Logik zu wechseln.
Checkliste vor der Abgabe
- Ist geklärt, ob „DIN 1505“ wörtlich oder als Sammelbegriff für DIN ISO 690 gemeint ist?
- Sind alle Quellen im Text durchgängig mit Klammer-Nummern oder durchgängig mit Fußnotenziffern gekennzeichnet — nicht gemischt?
- Behält jede wiederholt zitierte Quelle ihre ursprüngliche Nummer bei jeder erneuten Nennung?
- Ist das Literaturverzeichnis nach Nummer sortiert, nicht alphabetisch?
- Enthält jeder Eintrag Auflage (ab der 2.), vollständigen Erscheinungsvermerk und bei Internetquellen ein Zugriffsdatum?
- Stimmt die Anzahl der Quellen im Text exakt mit der Anzahl der Einträge im Literaturverzeichnis überein?
Häufige Fehler vermeiden
- Alphabetische statt nummerischer Sortierung: Das Literaturverzeichnis folgt der Nummer, nicht dem Nachnamen — ein häufiger Reflex bei Studierenden, die zuvor mit APA gearbeitet haben.
- Neu-Nummerierung bei Wiederholung: Eine bereits zitierte Quelle behält ihre ursprüngliche Nummer, auch wenn sie erst 30 Seiten später erneut auftaucht.
- Fehlende Auflage ab der zweiten Ausgabe: DIN 1505-2 verlangt die Auflagenangabe verpflichtend, sobald es sich nicht um die Erstauflage handelt.
- Vermischung von Fußnoten- und Klammersystem: Entweder durchgängig Zahlen in Klammern im Fließtext oder durchgängig hochgestellte Fußnotenziffern — nicht beides gemischt in derselben Arbeit.
- Fehlendes Zugriffsdatum bei Internetquellen: Da Webinhalte sich ändern können, verlangt die Norm ein Datum, an dem die Quelle zuletzt abgerufen wurde.
Häufig gestellte Fragen
Ist DIN 1505 noch gültig?
Nein, formal nicht mehr. DIN 1505-2:1984-01 wurde im Oktober 2013 durch DIN ISO 690:2013-10 ersetzt und offiziell zurückgezogen. In der Praxis wird der Begriff „DIN 1505“ aber vielerorts weiterhin als Bezeichnung für die nummerische Zitierweise verwendet, die inhaltlich in DIN ISO 690 fortgeführt wird.
Wie funktioniert die nummerische Zitierweise im Text?
Jede Quelle erhält beim ersten Auftreten im Text eine fortlaufende Zahl in eckigen Klammern, z. B. [1]. Bei erneuter Nennung derselben Quelle wird dieselbe Zahl wiederverwendet. Neue Quellen erhalten die jeweils nächste freie Nummer, unabhängig vom Autorennamen.
Wird das Literaturverzeichnis bei DIN 1505 alphabetisch sortiert?
Nein. Bei der nummerischen Zitierweise wird das Literaturverzeichnis nach der vergebenen Nummer geordnet, also in der Reihenfolge des ersten Auftretens im Text — nicht alphabetisch nach Nachname wie bei APA oder Harvard.
Welche Fachbereiche verwenden DIN 1505 typischerweise?
Die nummerische Zitierweise nach DIN 1505 ist vor allem in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern verbreitet, etwa Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik und Medizin. Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften arbeiten häufiger mit Autor-Jahr-Systemen wie APA oder Harvard.
Was mache ich, wenn mein Betreuer „DIN 1505“ verlangt, aber keine genaue Vorlage existiert?
Frag konkret nach, ob die nummerische Zitierweise mit Klammern im Text oder mit Fußnotenziffern gemeint ist, und ob eine aktuelle Stilvorlage des Fachbereichs vorliegt. Da DIN 1505-2 offiziell zurückgezogen ist, lohnt sich auch die Nachfrage, ob nicht DIN ISO 690 gemeint ist — die Grundprinzipien sind weitgehend deckungsgleich.
Kann ich innerhalb einer Arbeit zwischen DIN 1505 und APA wechseln?
Nein. Eine wissenschaftliche Arbeit muss durchgängig ein einziges Zitiersystem verwenden. Ein Wechsel zwischen nummerischer Zitierweise und Autor-Jahr-System innerhalb derselben Arbeit gilt als formaler Fehler und wird in der Regel bei der Bewertung negativ vermerkt.
