Chicago-Zitierweise für Geschichte & Geisteswissenschaften 2026: Fußnoten & Bibliografie
Die Chicago-Zitierweise im Notes-Bibliography-System belegt Quellen über nummerierte Fußnoten im Fließtext und führt zusätzlich alle verwendeten Werke alphabetisch in einer Bibliografie auf. Sie ist in der Geschichtswissenschaft und weiten Teilen der Geisteswissenschaften der Standard, weil sie ausführliche Anmerkungen zu Quellen, Archivmaterial und Sekundärliteratur erlaubt, ohne den Lesefluss im Haupttext zu stören.
Dieser Beitrag erklärt den Aufbau von Vollbeleg und Kurzbeleg, den korrekten Umgang mit „ebd.“, die Struktur der Bibliografie sowie Besonderheiten beim Zitieren von Archiv- und Primärquellen – mit konkreten Beispielen für Monografien, Sammelbände und unveröffentlichtes Archivmaterial.
Kurz beantwortet: Im Notes-Bibliography-System der Chicago-Zitierweise steht beim ersten Zitat einer Quelle der vollständige Beleg in einer Fußnote, bei jedem weiteren Zitat genügt ein Kurzbeleg aus Nachname, verkürztem Titel und Seitenzahl. Zusätzlich listet eine alphabetische Bibliografie am Ende alle verwendeten Quellen mit vollständigen Angaben.
Was ist das Notes-Bibliography-System?
Das Chicago-System kennt zwei Varianten: Notes-Bibliography (Fußnoten mit Bibliografie) und Author-Date (Klammerangabe mit Literaturliste, ähnlich APA). In Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Philosophie wird nahezu ausschließlich Notes-Bibliography verwendet, da Fußnoten Raum für erklärende Anmerkungen, Quellendiskussionen und Verweise auf Archivmaterial bieten, die im Fließtext stören würden.
Jede Fußnote wird fortlaufend nummeriert. Die Fußnotenzahl im Text steht hochgestellt direkt hinter der zitierten Textstelle, meist nach dem Satzzeichen. Am Seitenende oder – bei Verwendung von Endnoten – am Kapitel- beziehungsweise Arbeitsende erscheint die vollständige Angabe. Manche Fachbereiche verlangen zusätzlich inhaltliche Fußnoten, die über den reinen Quellenbeleg hinausgehen und etwa alternative Forschungsmeinungen oder ergänzende Kontextinformationen liefern – auch diese folgen der fortlaufenden Nummerierung.
Wie unterscheiden sich Vollbeleg und Kurzbeleg?
Die erste Fußnote zu einer Quelle muss den vollständigen bibliografischen Beleg enthalten. Jede weitere Fußnote zur selben Quelle verwendet stattdessen einen verkürzten Kurzbeleg.
| Belegart | Bestandteile | Beispiel |
|---|---|---|
| Vollbeleg (erste Nennung) | Vorname Nachname, Titel des Werkes (Ort: Verlag, Jahr), Seite. | 1. Hans Müller, Die Weimarer Republik (München: Beck, 2019), 45. |
| Kurzbeleg (weitere Nennung) | Nachname, verkürzter Titel, Seite. | 2. Müller, Weimarer Republik, 52. |
Der verkürzte Titel besteht meist aus den ersten vier prägnanten Wörtern des Originaltitels und muss über die gesamte Arbeit konsistent verwendet werden, damit Leserinnen und Leser die Quelle eindeutig zuordnen können.
Wann darf ich „ebd.“ verwenden?
„Ebd.“ (lateinisch ibidem, „ebenda“) verweist auf dieselbe Quelle wie die unmittelbar vorangehende Fußnote. Die aktuelle 18. Auflage des Chicago Manual of Style rät jedoch von häufigem Gebrauch ab, weil nachträgliches Einfügen oder Löschen von Fußnoten die Bezugskette leicht durcheinanderbringt – dann verweist ein „ebd.“ plötzlich auf die falsche Quelle. Empfohlen wird stattdessen konsequent der Kurzbeleg.
Erlaubt und üblich bleibt „ebd.“ nur, wenn zwei direkt aufeinanderfolgende Fußnoten dieselbe Quelle und gegebenenfalls dieselbe Seite betreffen:
- 3. Anna Schmidt, Quellenkunde der Neuzeit (Berlin: de Gruyter, 2021), 112.
- 4. Ebd., 115. (gleiche Quelle, andere Seite)
- 5. Ebd. (gleiche Quelle, gleiche Seite)
Wie zitiere ich unterschiedliche Quellentypen?
Neben Monografien begegnen dir in historischen Arbeiten häufig Sammelbandbeiträge, Zeitschriftenartikel und Zeitungsartikel. Jeder Typ folgt einem eigenen Muster im Vollbeleg:
| Quellentyp | Fußnote (Vollbeleg) |
|---|---|
| Monografie | Vorname Nachname, Titel (Ort: Verlag, Jahr), Seite. |
| Sammelbandbeitrag | Vorname Nachname, „Titel des Beitrags,“ in Titel des Sammelbands, Hrsg. Vorname Nachname (Ort: Verlag, Jahr), Seite. |
| Zeitschriftenartikel | Vorname Nachname, „Titel des Artikels,“ Name der Zeitschrift Bd., Nr. (Jahr): Seite. |
| Zeitungsartikel | Vorname Nachname, „Titel des Artikels,“ Name der Zeitung, Datum. |
Bei Sammelbandbeiträgen ist besonders wichtig, sowohl die Autorin oder den Autor des einzelnen Beitrags als auch die Herausgeberschaft des Gesamtbandes korrekt zu benennen – ein häufiger Fehlerquell in studentischen Arbeiten. Bei Zeitungsartikeln ohne erkennbaren Verfasser wird stattdessen mit dem Titel des Artikels begonnen, gefolgt von Zeitungsname und Datum.

Wie ist die Bibliografie aufgebaut?
Die Bibliografie steht am Ende der Arbeit, ist alphabetisch nach Nachname der Autorin oder des Autors sortiert und enthält – anders als die Fußnote – den Nachnamen vor dem Vornamen. Der Bibliografieeintrag unterscheidet sich zudem in der Zeichensetzung vom Vollbeleg in der Fußnote:
| Element | Fußnote (Vollbeleg) | Bibliografie |
|---|---|---|
| Namensreihenfolge | Vorname Nachname | Nachname, Vorname |
| Trennzeichen | Kommas, Klammern um Verlagsangaben | Punkte zwischen den Hauptelementen |
| Seitenangabe | Konkrete zitierte Seite | Bei Aufsätzen: Gesamtseitenzahl des Beitrags |
Beispiel: Müller, Hans. Die Weimarer Republik. München: Beck, 2019.
Werden mehrere Werke derselben Autorin oder desselben Autors zitiert, werden diese in der Bibliografie ebenfalls alphabetisch nach Titel sortiert; ab dem zweiten Eintrag ersetzt häufig ein langer Gedankenstrich den wiederholten Namen.
Was unterscheidet Primär- von Sekundärquellen bei Chicago?
In historischen Arbeiten ist die Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärquellen zentral für die Argumentation und wirkt sich auch auf den Zitierstil aus. Primärquellen sind zeitgenössische Zeugnisse des untersuchten Ereignisses – Briefe, Akten, Zeitungsberichte, Tagebücher oder Verträge. Sekundärquellen sind spätere wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem Thema, etwa Monografien oder Aufsätze von Historikerinnen und Historikern.
Chicago verlangt für beide Quellenarten den vollständigen bibliografischen Beleg, unterscheidet aber in der praktischen Herangehensweise: Primärquellen werden häufig mit zusätzlichen Angaben zu Archiv, Signatur oder Editionsband versehen, während Sekundärquellen dem Standardformat für Bücher oder Aufsätze folgen. In der Bibliografie werden Primär- und Sekundärquellen in vielen Abschlussarbeiten in getrennten Abschnitten aufgeführt, um die Quellenbasis transparent zu machen.

Wie zitiere ich Archiv- und Primärquellen?
Historische Arbeiten stützen sich häufig auf unveröffentlichte Archivalien, Briefe, Akten oder Zeitungsausschnitte. Da diese Materialien keine einheitliche Struktur wie gedruckte Bücher haben, orientiert sich der Beleg an den verfügbaren Angaben und bleibt innerhalb der Arbeit konsistent. Typischerweise enthält eine Archivfußnote:
- Verfasser oder Titel des Dokuments (falls bekannt)
- Datum des Dokuments
- Name der Akte, des Bestands oder der Sammlung
- Signatur oder Aktenzeichen
- Name und Ort des Archivs
Beispiel: Brief von Karl Weber an Elisabeth Hoffmann, 12. März 1918, Nachlass Weber, Sign. NL 45/3, Bundesarchiv Koblenz.
Bei wiederholtem Zitieren aus demselben Bestand kann eine Kurzform mit Signatur und Archivnamen verwendet werden, sobald der Vollbeleg einmal erfolgt ist. Digitalisierte Archivquellen, die über ein Online-Portal zugänglich sind, ergänzt man zusätzlich um die URL und das Abrufdatum, damit die digitale Fundstelle auch bei späteren Änderungen des Portals nachvollziehbar bleibt.
Welche Fehler passieren bei Chicago besonders häufig?
- Vertauschte Namensreihenfolge: In der Fußnote steht Vorname vor Nachname, in der Bibliografie umgekehrt – wird das vertauscht, gilt es als Formfehler.
- Inkonsistente Kurzbelege: Wird der verkürzte Titel von Fußnote zu Fußnote unterschiedlich abgekürzt, ist die Quelle nicht mehr eindeutig zuzuordnen.
- Fehlerhafter Einsatz von „ebd.“: Wird zwischen zwei „ebd.“-Verweisen eine andere Quelle zitiert, ist der Bezug nicht mehr eindeutig – hier ist der Kurzbeleg vorzuziehen.
- Fehlende Archivangaben: Unvollständige Signaturen oder fehlende Bestandsnamen erschweren es späteren Leserinnen und Lesern, die Primärquelle wiederzufinden.
- Vermischte Systeme: Notes-Bibliography und Author-Date sollten nicht innerhalb derselben Arbeit gemischt werden, auch wenn beide zum Chicago-Regelwerk gehören.
Was unterscheidet Chicago von der Deutschen Zitierweise?
Beide Systeme arbeiten mit Fußnoten und einem Literaturverzeichnis beziehungsweise einer Bibliografie am Ende der Arbeit – die grundlegende Logik ist also ähnlich. Die Unterschiede liegen im Detail: Zeichensetzung, Reihenfolge der Angaben innerhalb eines Eintrags und die genauen Regeln für Kurzbelege weichen voneinander ab. Ein ausführlicher Vergleich findet sich im Beitrag zur Deutschen Zitierweise mit Fußnoten, die an deutschsprachigen Hochschulen verbreitet ist. Chicago dominiert dagegen im englischsprachigen Raum und in international ausgerichteten Geschichtsstudiengängen, weshalb Studierende mit Auslandssemester oder englischsprachigen Quellen beide Systeme kennen sollten.
Für rechtswissenschaftliche Arbeiten, die ebenfalls stark auf Fußnoten setzen, gelten wiederum eigene Regeln – etwa beim Zitieren von Gesetzen und Urteilen. Und wer grundsätzlich zwischen wörtlicher Übernahme und sinngemäßer Wiedergabe unterscheiden möchte, findet die Basis dafür im Beitrag zum direkten und indirekten Zitat. Wer dagegen in einem nummerischen Autor-Jahr-fremden System wie in den Ingenieurwissenschaften arbeitet, findet die passenden Regeln in der IEEE-Zitierweise für Informatik.
Häufige Fragen
Was ist das Notes-Bibliography-System der Chicago-Zitierweise?
Das Notes-Bibliography-System belegt Quellen über nummerierte Fußnoten oder Endnoten im Text und listet zusätzlich alle verwendeten Quellen alphabetisch in einer Bibliografie am Ende der Arbeit. Es ist die in Geschichte und weiten Teilen der Geisteswissenschaften übliche Variante der Chicago-Zitierweise.
Was ist der Unterschied zwischen Vollbeleg und Kurzbeleg?
Der Vollbeleg enthält beim ersten Zitat einer Quelle alle bibliografischen Angaben vollständig. Bei jedem weiteren Zitat derselben Quelle genügt der Kurzbeleg mit Nachname, verkürztem Titel und Seitenzahl.
Darf ich ebd. in der 18. Auflage der Chicago-Zitierweise noch verwenden?
Die 18. Auflage rät von häufigem Gebrauch ab und empfiehlt stattdessen den Kurzbeleg, da ebd. bei nachträglichem Einfügen von Fußnoten leicht zu Fehlern führt. Erlaubt bleibt ebd. nur, wenn sich zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Fußnoten auf dieselbe Quelle und Seite beziehen.
Wie zitiere ich eine Archivquelle nach Chicago?
Archivquellen werden mit Verfasser oder Titel des Dokuments, Datum, Name des Bestands beziehungsweise der Sammlung, Signatur und Name des Archivs zitiert. Da Archivmaterial oft keine einheitliche Struktur hat, orientierst du dich am nächstliegenden Beispiel im Chicago Manual of Style und hältst die Angaben konsistent.
Was ist der Unterschied zwischen Chicago-Zitierweise und Deutscher Zitierweise?
Beide arbeiten mit Fußnoten, unterscheiden sich aber in Detailregeln wie Zeichensetzung, Reihenfolge der Angaben und dem Umgang mit Kurzbelegen. Die Deutsche Zitierweise ist an deutschsprachigen Hochschulen verbreitet, Chicago vor allem im englischsprachigen Raum und in international ausgerichteten geschichtswissenschaftlichen Studiengängen.
Brauche ich bei Chicago zusätzlich Fußnoten UND Autor-Jahr-Angaben im Text?
Nein. Im Notes-Bibliography-System ersetzt die Fußnote den In-Text-Verweis vollständig. Es gibt keine zusätzliche Klammerangabe mit Autor und Jahr im Fließtext, wie es beim alternativen Chicago Author-Date-System der Fall wäre.
