Abbildungen und Tabellen zitieren 2026: Quellenangabe unter Grafiken nach APA und Harvard
Abbildungen und Tabellen belegst du direkt unterhalb mit „Abb. X: Titel (Quelle)“. Bei Übernahme steht „Quelle:“, bei Anpassung „in Anlehnung an“, bei Eigenerstellung „eigene Darstellung“. Der Vollbeleg gehört zusätzlich ins Literaturverzeichnis. APA und Harvard verlangen konsistente Nummerierung und Verweis im Fließtext.
Das Grundprinzip: drei Fälle, ein Muster
Anders als beim Fließtextzitat, bei dem meist nur zwischen direktem und indirektem Zitat unterschieden wird, kennt die Quellenangabe unter Grafiken drei Abstufungen, je nachdem, wie stark du die Vorlage verändert hast. Alle drei folgen aber demselben Grundgerüst: eine Nummer, ein Titel, ein Beleg — direkt unter der Abbildung platziert, in kleinerer Schrift als der Fließtext. Diese Abstufung ist kein deutsches Sonderregelwerk, sondern findet sich in ähnlicher Form in nahezu jedem wissenschaftlichen Formatleitfaden, weil sie eine einfache Frage beantwortet: Wie viel geistige Eigenleistung steckt in dieser konkreten Visualisierung?
| Übernahmegrad | Zusatz unter der Grafik | Beispiel |
|---|---|---|
| 1:1 übernommen | Quelle: | Quelle: Müller (2023, S. 42) |
| Verändert übernommen | in Anlehnung an: | in Anlehnung an: Schneider (2021) |
| Selbst erstellt | eigene Darstellung | eigene Darstellung |

Fall 1: Unveränderte Übernahme — „Quelle:“
Hast du eine Abbildung oder Tabelle exakt so übernommen, wie sie im Original erscheint — etwa als Screenshot oder direkter Nachdruck —, schreibst du „Quelle:“ gefolgt vom Autor-Jahr-Kurzbeleg und der Seitenzahl, auf der die Grafik im Original zu finden ist:
Quelle: Deci & Ryan (2000, S. 68)
Beachte: Bei urheberrechtlich geschützten Abbildungen aus kommerziellen Werken solltest du zusätzlich prüfen, ob eine Abdruckgenehmigung nötig ist — das ist besonders bei Dissertationen und Veröffentlichungen relevant, bei einer klassischen Bachelor- oder Masterarbeit im Rahmen des Zitatrechts nach § 51 UrhG in der Regel unproblematisch, solange die Quelle korrekt genannt ist.
Fall 2: Angepasste Übernahme — „in Anlehnung an“
Hast du die Struktur einer fremden Abbildung übernommen, aber Werte aktualisiert, Elemente ergänzt oder das Layout verändert, ist der korrekte Zusatz „in Anlehnung an“. Das signalisiert Lesenden, dass die Grafik nicht identisch mit dem Original ist, ihre gedankliche Grundlage aber von dort stammt:
in Anlehnung an: Schneider (2021, S. 30)
Ein typischer Fehler an dieser Stelle: Studierende übernehmen ein fremdes Diagramm, tauschen nur die Farben oder Schriftart aus und schreiben trotzdem „eigene Darstellung“. Das ist unzulässig — die gedankliche Struktur der Abbildung stammt weiterhin von der Originalautorin oder dem Originalautor und muss entsprechend gekennzeichnet werden. Wie diese Abgrenzung auch im Fließtext funktioniert, erklärt der Grundlagenartikel Richtig zitieren 2026.
Fall 3: Eigenerstellung — „eigene Darstellung“
Hast du eine Abbildung oder Tabelle vollständig selbst entworfen, ohne auf eine fremde Vorlage zurückzugreifen, gehört der Zusatz „eigene Darstellung“ darunter — auch wenn die zugrunde liegenden Daten aus einer fremden Quelle stammen, die Visualisierung selbst aber deine eigene Leistung ist:
eigene Darstellung auf Basis eigener Erhebung (n = 84)
Nutzt du für eine selbst erstellte Grafik fremde Datenwerte, aber eine eigene Visualisierungsform (etwa ein Balkendiagramm statt der Originaltabelle), ist die korrekte Formulierung „eigene Darstellung nach Daten von [Autor, Jahr]“ — eine Mischform, die den Unterschied zwischen Datenquelle und Gestaltungsleistung sauber trennt.

APA vs. Harvard: was sich unterscheidet
Im Kern folgen beide Stile demselben Prinzip, unterscheiden sich aber in Kleinigkeiten, die bei genauem Hinsehen auffallen:
| Merkmal | APA 7 | Harvard |
|---|---|---|
| Bezeichnung | „Figure X“ / „Table X“ (deutsch: Abbildung, Tabelle) | Abb. X / Tab. X |
| Quellenformat | Autor, Jahr, Seite in Klammern, Komma-getrennt | Autor Jahr: Seite, mit Doppelpunkt |
| Position der Beschriftung | Immer unter der Abbildung, auch bei Tabellen darüber möglich | Meist unter der Abbildung, hochschulspezifisch variabel |
Weil Harvard kein einheitliches internationales Regelwerk hat, lohnt sich bei Abbildungen besonders der Blick ins Merkblatt deiner Hochschule — manche Fachbereiche verlangen zusätzlich eine fortlaufende Nummerierung über alle Kapitel hinweg (Abb. 1 bis Abb. 20), andere eine kapitelweise Zählung (Abb. 2-1, Abb. 2-2). Die Grundregeln beider Stile für den restlichen Text erklärt der Leitfaden APA zitieren 2026.
Nummerierung und Verweis im Fließtext
Jede Abbildung und Tabelle braucht eine fortlaufende Nummer, auf die du im Fließtext aktiv verweist — nicht nur als loses Element auf der Seite. Der Verweis steht idealerweise vor der Grafik, damit Lesende wissen, worauf sie sich vorbereiten:
Wie Abbildung 3 zeigt, steigt die Zustimmung mit zunehmendem Alter der Befragten deutlich an.
Vermeide es, eine Abbildung kommentarlos in den Text einzufügen. Jede Grafik sollte im Fließtext mindestens einmal erwähnt und kurz eingeordnet werden — was zeigt sie, und warum ist sie an dieser Stelle relevant? Das gilt unabhängig davon, ob die Abbildung aus einer fremden Quelle stammt oder eigene Daten visualisiert. Achte außerdem darauf, dass Abbildungs- und Tabellennummerierung getrennt geführt werden: Eine Arbeit mit fünf Abbildungen und drei Tabellen hat „Abb. 1″ bis „Abb. 5″ sowie unabhängig davon „Tab. 1″ bis „Tab. 3″, nicht eine gemeinsame durchlaufende Zählung.
Sonderfall Tabellen: Beschriftung oben, Quelle unten
Anders als bei Abbildungen steht die Beschriftung einer Tabelle nach APA-Konvention meist oberhalb der Tabelle, während die Quellenangabe unterhalb bleibt — ein Detail, das häufig übersehen wird, weil es der Logik von Abbildungen widerspricht:
[Tabelle]
Quelle: eigene Darstellung auf Basis der Erhebungsdaten
Manche deutschsprachigen Hochschulen weichen davon ab und verlangen die Beschriftung durchgängig unter der Tabelle, analog zu Abbildungen. Prüfe im Zweifel das Formatmerkblatt deines Fachbereichs — inkonsistente Platzierung innerhalb derselben Arbeit gilt in jedem Fall als Formfehler. Wie du Tabellen und Abbildungen anschließend korrekt im vollständigen Literaturverzeichnis auflistest, zeigt der Artikel Literaturverzeichnis erstellen 2026. Eine ergänzende Vorlage mit weiteren Formatbeispielen bietet auch der Leitfaden Literaturverzeichnis APA erstellen auf unserer Schwesterseite tesify.io.
Screenshots, Diagramme aus Excel und Online-Grafiken
Ein besonderer Fall sind Diagramme, die du selbst aus fremden Rohdaten in Excel oder einem Statistikprogramm erstellt hast — etwa ein Balkendiagramm auf Basis von Destatis-Zahlen. Hier greift die bereits erwähnte Mischform: Die Zahlen stammen von einer externen Quelle, das Diagramm selbst ist deine gestalterische Leistung. Korrekt ist deshalb „eigene Darstellung nach Statistisches Bundesamt (2025)“ — nicht „Quelle: Statistisches Bundesamt“, da du die Visualisierung nicht unverändert übernommen hast.
Bei Screenshots aus Webseiten oder Online-Tools — etwa einem Ausschnitt aus einer interaktiven Statistik-Website — gilt dieselbe Logik wie bei Internetquellen im Fließtext: Autor oder Institution, Jahr, und wegen der potenziellen Veränderlichkeit des Inhalts idealerweise auch ein Abrufdatum in der Quellenangabe. Sonderfälle wie fehlende Autorenangaben oder undatierte Webseiten sind im Detail im Artikel Internetquellen zitieren 2026 beschrieben.
Häufige Fehler
- „Eigene Darstellung“ bei kopierter Struktur: Nur weil du Farben oder Schriftart geändert hast, wird eine fremde Abbildung nicht zur Eigenleistung — richtig ist „in Anlehnung an“.
- Fehlender Vollbeleg im Literaturverzeichnis: Die Kurzangabe unter der Grafik reicht nicht — übernommene oder angepasste Abbildungen brauchen zusätzlich einen vollständigen Eintrag im Literaturverzeichnis.
- Kein Verweis im Fließtext: Eine Abbildung ohne Erwähnung im Text wirkt unmotiviert und wird von Prüfenden oft als „dekorativ“ statt „belegend“ eingestuft.
- Uneinheitliche Nummerierung: Ein Wechsel zwischen fortlaufender und kapitelweiser Zählung innerhalb derselben Arbeit ist ein klassischer Formfehler.
- Fehlende Seitenzahl bei „Quelle:“: Ohne Seitenangabe lässt sich die Originalabbildung nicht auffinden — sie gehört bei unveränderter Übernahme immer dazu.
- Datenquelle und Gestaltungsleistung vermischt: Ein selbst gezeichnetes Diagramm auf Basis fremder Zahlen ist weder reine „Quelle:“ noch reine „eigene Darstellung“ — die korrekte Mischform benennt beides.
Wer sich beim Formatieren des gesamten Abbildungs- und Quellenapparats zusätzliche Struktur wünscht, kann sich mit Tesify beim Aufbau der Kapitel und der konsistenten Zitierweise unterstützen lassen — die inhaltliche Prüfung jeder einzelnen Quellenangabe bleibt dabei stets deine eigene Aufgabe.
Häufig gestellte Fragen
Wie zitiere ich eine Abbildung?
Direkt unter der Grafik steht eine Beschriftung nach dem Muster Abb. X: Titel der Abbildung, gefolgt vom Beleg in Klammern — Quelle: Autor (Jahr, S. X) bei Übernahme, in Anlehnung an: Autor (Jahr) bei Anpassung, oder eigene Darstellung bei Eigenerstellung. Der Vollbeleg gehört zusätzlich ins Literaturverzeichnis.
Was schreibe ich unter eine Tabelle?
Bei Tabellen steht die Beschriftung meist über der Tabelle, die Quellenangabe darunter — sonst gilt dieselbe Logik wie bei Abbildungen: Tab. X: Titel über der Tabelle, darunter Quelle, in Anlehnung an oder eigene Darstellung je nach Übernahmegrad.
Was bedeutet „in Anlehnung an“?
Der Zusatz „in Anlehnung an“ zeigt, dass du eine fremde Abbildung inhaltlich übernommen, aber selbst verändert hast — etwa Werte aktualisiert, die Gestaltung angepasst oder Elemente ergänzt hast. Die Originalquelle bleibt trotzdem im Vollbeleg zitierpflichtig.
Wie zitiere ich eigene Darstellungen?
Hast du eine Abbildung oder Tabelle komplett selbst erstellt, ohne fremde Vorlage, schreibst du darunter eigene Darstellung, gegebenenfalls mit dem Zusatz, auf welcher eigenen Datengrundlage sie basiert, etwa eigene Darstellung auf Basis eigener Erhebung.
Muss die Abbildungsquelle ins Literaturverzeichnis?
Ja, sobald eine Abbildung oder Tabelle aus einer fremden Quelle übernommen oder angepasst wurde, gehört der vollständige Beleg zusätzlich zur Kurzangabe unter der Grafik ins Literaturverzeichnis, wie bei jedem anderen Zitat auch.
