Die Auswertung steht, die Zahlen stimmen — und jetzt bietet dir das Tabellenprogramm siebzehn Diagrammtypen an, von denen ungefähr vier je sinnvoll sind. Die Wahl wirkt nach Geschmack. Sie ist es nicht: Eine Abbildung hat genau eine Aufgabe, und diese Aufgabe bestimmt den Typ.
Wer das umdreht und zuerst das Diagramm aussucht, produziert Abbildungen, die hübsch aussehen und nichts zeigen. In der Bewertung ist das teuer, weil eine unpassende Grafik als Signal dafür gelesen wird, dass die eigenen Ergebnisse nicht verstanden wurden.
Die Frage vor der Diagrammwahl
Nicht «Welches Diagramm nehme ich?», sondern: Welche Aussage soll die Leserin in drei Sekunden erkennen? Es gibt fünf Grundaufgaben, und jede hat ihre Standardform.
Aufgabe 1: eine Verteilung zeigen
Du willst zeigen, wie sich eine metrische Variable verteilt — wo der Schwerpunkt liegt, wie breit gestreut wird, ob es Ausläufer gibt.
Histogramm. Die Standardform. Wichtig ist die Klassenbreite: zu fein, und du zeigst Rauschen; zu grob, und die Form verschwindet. Probiere zwei bis drei Einteilungen aus und wähle die, bei der die Form stabil bleibt.
Boxplot. Kompakter und informationsdichter: Median, Quartile, Spannweite und Ausreisser in einer Figur. Der grosse Vorteil ist, dass sich mehrere Boxplots nebeneinander stellen lassen — damit wird aus einer Verteilungsdarstellung ein Gruppenvergleich, ohne dass die Verteilungsinformation verloren geht.
Was du hier nicht nimmst: ein Balkendiagramm der Mittelwerte. Es zeigt genau eine Zahl pro Gruppe und verschweigt die Streuung — dazu gleich mehr.
Aufgabe 2: Gruppen vergleichen
Zwei oder mehr Gruppen, eine metrische Zielgrösse. Das klassische Balkendiagramm der Gruppenmittelwerte ist verbreitet und schwach: Zwei Gruppen mit identischem Mittelwert und völlig unterschiedlicher Streuung sehen darin gleich aus.
Zwei bessere Optionen:
- Balken mit Fehlerbalken. Wenn du dabei bleibst, gehören Fehlerbalken dazu — und in die Beschriftung, was sie darstellen. Standardabweichung, Standardfehler und Konfidenzintervall sehen identisch aus und bedeuten Verschiedenes. Eine Abbildung mit Fehlerbalken ohne Angabe, was sie zeigen, ist unlesbar.
- Boxplots nebeneinander. Zeigen Lage, Streuung und Schiefe gleichzeitig und machen deutlich, ob ein Mittelwertunterschied überhaupt Substanz hat.
Bei kleinen Stichproben — unter etwa 20 pro Gruppe — ist die ehrlichste Darstellung, die einzelnen Datenpunkte zu zeigen und den Mittelwert nur als Linie darüberzulegen. Das wirkt roh und ist genau deshalb überzeugend.
Aufgabe 3: einen Zusammenhang zeigen
Zwei metrische Variablen: Streudiagramm, ohne Alternative. Jeder Punkt ist ein Fall, und die Form der Punktwolke ist die Aussage.
Eine Regressionsgerade darf hinein, wenn du sie berechnet hast — nicht als Dekoration. Und die Kennwerte gehören in den Text oder in die Beschriftung, nicht in einen Textkasten mitten im Diagramm. Bei sehr vielen überlappenden Punkten hilft leichte Transparenz oder eine minimale zufällige Verschiebung, damit die Dichte sichtbar wird. Ob deine Punktwolke eher eine Pearson- oder eine Spearman-Korrelation verlangt, entscheidest du übrigens genau an dieser Abbildung: Sie zeigt, ob der Zusammenhang linear ist.
Aufgabe 4: Anteile zeigen
Hier hält sich die schlechteste Gewohnheit am hartnäckigsten. Das Kuchendiagramm ist bei mehr als vier oder fünf Segmenten schwer lesbar, weil Menschen Winkel schlechter vergleichen als Längen. Bei ähnlich grossen Segmenten sieht man den Unterschied schlicht nicht.
Besser sind ein geordnetes Balkendiagramm — nach Grösse sortiert, längster Balken oben — oder bei mehreren Gruppen ein gestapeltes Balkendiagramm mit Prozentwerten. Beide erlauben direkten Längenvergleich und funktionieren auch bei zehn Kategorien noch.
Und zwei Kuchendiagramme nebeneinander zu stellen, um Anteile zwischen zwei Gruppen zu vergleichen, ist die schwierigste aller Vergleichsaufgaben. Zwei gestapelte Balken lösen dasselbe Problem auf einen Blick.
Aufgabe 5: einen Verlauf zeigen
Über Zeit oder über geordnete Stufen: Liniendiagramm. Die Linie behauptet Kontinuität zwischen den Messpunkten — sie ist deshalb nur zulässig, wenn zwischen den Punkten tatsächlich etwas liegt. Für drei unverbundene Erhebungswellen ist sie vertretbar, für drei getrennte Gruppen nicht: Zwischen «Betriebswirtschaft» und «Informatik» gibt es keinen Zwischenwert.
Der Sonderfall Likert
Antworten auf einer fünfstufigen Zustimmungsskala sind weder rein kategorial noch komfortabel metrisch, und die üblichen Darstellungen verfehlen sie beide. Ein Mittelwertbalken pro Item verschweigt die Polarisierung: Eine Gruppe, die sich in «stimme gar nicht zu» und «stimme voll zu» aufteilt, hat denselben Mittelwert wie eine Gruppe, die geschlossen «teils/teils» sagt.
Die passende Form ist das divergierende gestapelte Balkendiagramm: Ablehnung nach links, Zustimmung nach rechts, die neutrale Mitte auf der Nulllinie. Ein Item pro Zeile, alle Items untereinander. Damit sieht man auf einen Blick, welche Aussagen tragen und welche das Feld spalten. Ob du daneben Median oder Mittelwert berichtest, hängt davon ab, wie du deine Likert-Daten auswertest — die Abbildung ersetzt diese Entscheidung nicht.
Die fünf Darstellungen, die du weglässt
- Jede 3D-Darstellung. Perspektive verzerrt Längen und Flächen systematisch. Es gibt keinen Fall, in dem eine dritte Dimension bei zweidimensionalen Daten Information hinzufügt.
- Kuchendiagramme mit mehr als fünf Segmenten und Ringdiagramme generell.
- Zwei Y-Achsen in einer Grafik. Die Skalierung entscheidet, ob die Kurven zusammenzulaufen scheinen — die Aussage steckt in einer willkürlichen Wahl, nicht in den Daten. Zwei untereinander gestellte Diagramme mit gemeinsamer X-Achse lösen dasselbe Problem ehrlich.
- Balken für Zeitreihen. Verlauf ist Linie, Vergleich ist Balken.
- Diagramme ohne Achsenbeschriftung. Eine Zahl ohne Einheit ist keine Zahl.

Die abgeschnittene Achse — der häufigste stille Fehler
Bei einem Balkendiagramm muss die Werteachse bei null beginnen. Immer. Die Balkenlänge ist die Information; startet die Achse bei 3,8 statt bei 0, wird aus einem Unterschied von zwei Prozent optisch ein Faktor drei.
Das passiert selten aus Absicht — Tabellenprogramme skalieren automatisch und schneiden dabei gern ab. Deshalb ist es ein Punkt auf der Prüfliste: Nach jeder erzeugten Grafik einmal auf den Achsenursprung schauen.
Bei Liniendiagrammen ist eine gekürzte Achse dagegen vertretbar, weil dort die Steigung und nicht die Länge trägt. Wenn du sie kürzt, kennzeichne es und schreib in die Beschriftung, welchen Bereich die Achse abdeckt.
Was jede Abbildung braucht
- Fortlaufende Nummer und aussagekräftige Beschriftung. Nach APA steht die Bezeichnung über der Abbildung, in den meisten deutschsprachigen Hausrichtlinien darunter — bei Tabellen ist es teilweise umgekehrt. Prüfe das Merkblatt deines Instituts, und halte es dann für alle Abbildungen gleich.
- Beschriftete Achsen mit Einheit. «Punkte (0–100)» statt «Wert».
- Die Fallzahl. Ein n in der Beschriftung oder pro Gruppe direkt an der Achse. Ohne sie ist keine Abbildung interpretierbar.
- Eine Legende nur, wenn nötig. Bei zwei bis drei Serien ist direkte Beschriftung an der Linie oder am Balken lesbarer.
- Eine Quellenangabe. Bei eigenen Daten «Eigene Darstellung», bei fremden der vollständige Beleg — und bei fremden Abbildungen zusätzlich die Frage der Nutzungsrechte, die in der Anleitung zum Zitieren von Abbildungen und Tabellen geklärt wird.
Jede Abbildung muss ausserdem im Text erwähnt und gedeutet werden. Eine Grafik, die niemand aufruft, ist Dekoration; eine, deren Aussage nur in der Grafik steht, zwingt zum Suchen. Der Text sagt, was zu sehen ist, die Abbildung belegt es. Wie das im Zusammenspiel mit dem Ergebnisteil aussieht, entscheidet über die Lesbarkeit des ganzen Kapitels.

Graustufen und Lesbarkeit
Rechne damit, dass deine Arbeit in Schwarzweiss gedruckt oder von jemandem mit Farbsehschwäche gelesen wird. Beides ist wahrscheinlicher, als es sich anfühlt.
Die Konsequenz: Farbe darf nie der einzige Unterschied sein. Kombiniere sie mit Position, Schraffur, Linienart oder Punktform. Verzichte auf Rot-Grün-Paare. Und mach den Test, der zwei Minuten dauert: Druck die Abbildung in Graustufen aus. Kannst du die Serien noch auseinanderhalten, ist sie fertig.
Tabelle oder Abbildung?
Eine einfache Regel: Exakte Werte gehören in eine Tabelle, Muster in eine Abbildung. Wenn Leserinnen die Zahlen nachrechnen oder mit anderen Studien vergleichen sollen, brauchst du die Tabelle. Wenn es auf den Verlauf, die Form oder den Grössenunterschied ankommt, ist die Abbildung stärker.
Was du nie tust: dieselben Daten in beiden Formen zeigen. Das verdoppelt den Umfang, ohne Information hinzuzufügen, und wird als Seitenfüller gelesen. Bei drei bis vier Zahlen brauchst du übrigens weder das eine noch das andere — die gehören in den Satz.
Häufige Fragen
Wie viele Abbildungen sollte eine Bachelorarbeit haben?
Es gibt keine Zahl. Die brauchbare Regel: eine Abbildung pro eigenständigem Befund. Fünf bis zehn im Ergebnisteil sind bei einer empirischen Arbeit üblich; zwanzig deuten darauf hin, dass ein Teil in den Anhang gehört.
Darf ich die SPSS-Grafik direkt übernehmen?
Technisch ja, empfehlenswert selten. Die Standardausgabe bringt Gitternetze, Rahmen und Voreinstellungen mit, die nicht zum Layout der Arbeit passen. Bearbeite sie im Diagrammeditor oder erzeuge sie neu — vor allem aber vereinheitliche Schriftart und Schriftgrösse über alle Abbildungen hinweg.
Gehören Abbildungen in den Anhang oder in den Text?
In den Text, wenn sie ein Ergebnis tragen, auf das du dich beziehst. In den Anhang, wenn sie dokumentieren, aber nicht argumentieren — etwa vollständige Häufigkeitsverteilungen aller Items oder Prüfgrafiken zu den Voraussetzungen.
Was mache ich mit einer Kategorie «Sonstige», die alles dominiert?
Prüfe zuerst, ob die Kategorienbildung passt. Wenn «Sonstige» ein Drittel der Fälle enthält, ist meist nicht das Diagramm das Problem, sondern die Kodierung. Lässt sie sich nicht auflösen, stelle sie ans Ende und weise in der Beschriftung darauf hin, was darin steckt.
Farbige Abbildungen in einer gedruckten Arbeit — ja oder nein?
Ja, solange sie in Graustufen funktionieren. Manche Hausrichtlinien verlangen ausdrücklich Schwarzweiss; das steht im Merkblatt und nicht zur Diskussion.
Die Kurzfassung
Bestimme zuerst die Aufgabe: Verteilung, Vergleich, Zusammenhang, Anteil oder Verlauf. Verteilung heisst Histogramm oder Boxplot, Vergleich Boxplots oder Balken mit erklärten Fehlerbalken, Zusammenhang Streudiagramm, Anteile geordnete oder gestapelte Balken statt Kuchen, Verlauf Linie. Likert bekommt den divergierenden Stapelbalken. Kein 3D, keine zweite Y-Achse, keine abgeschnittene Balkenachse. Und jede Abbildung trägt Nummer, Achsen mit Einheit, n und Quelle — und wird im Text gedeutet.
Wenn der Ergebnisteil rund um diese Abbildungen noch geschrieben werden will: Tesify baut ihn mit dir auf — Befund für Befund, mit dem Satz, der zur Grafik gehört.
