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Diplomarbeit HF oder Bachelorarbeit FH 2026: Zwei Abschlussarbeiten, zwei Rechtskreise

Höhere Fachschule und Fachhochschule liegen beide auf der Tertiärstufe — aber nicht im selben Rechtskreis. Die eine gehört zur Berufsbildung des Bundes, die andere zum Hochschulbereich. Das ist kein Etikett, sondern verändert konkret, wer die Vorgaben für deine Abschlussarbeit macht, wer sie beurteilt und woraus die Fragestellung entstehen soll. Dieser Vergleich stellt die beiden Arbeiten gegenüber und benennt, was jeweils belegbar ist und was du lokal prüfen musst.

Zwei aus einem gemeinsamen Ursprung auseinanderlaufende Linien als Sinnbild fuer zwei Wege der Tertiaerstufe
Gemeinsamer Ausgangspunkt, getrennte Regelwerke — der Unterschied beginnt oberhalb der Sekundarstufe II.

Inhalt

Die Abgrenzung ist rechtlich, nicht gefühlt

Dass es sich um zwei verschiedene Systeme handelt, lässt sich an einem Erlass zeigen, der beide nebeneinanderstellt: dem Stipendienkonkordat der Kantone. In seinem Artikel 8 Absatz 2 endet die Beitragsberechtigung auf der Tertiärstufe A mit dem Abschluss eines Bachelor- oder eines darauf aufbauenden Masterstudiums und auf der Tertiärstufe B mit der eidgenössischen Berufsprüfung und der eidgenössischen höheren Fachprüfung sowie mit dem Diplom einer höheren Fachschule.

Dieselbe Bestimmung enthält in Absatz 3 den Brückensatz, der die beiden Wege verbindet: Ein Hochschulstudium, das auf einen Abschluss der Tertiärstufe B folgt, ist ebenfalls beitragsberechtigt. Die Entscheidung zwischen den Wegen ist also keine Einbahnstrasse — was für viele der eigentlich entlastende Befund ist.

Der Vergleich im Überblick

Diplomarbeit an der höheren Fachschule und Bachelorarbeit an der Fachhochschule
Kriterium Höhere Fachschule Fachhochschule
Zuordnung Tertiärstufe B, Berufsbildung Tertiärstufe A, Hochschulbereich
Bundesrechtliche Grundlage der Arbeit MiVo-HF, SR 412.101.61 keine entsprechende Detailvorschrift zur Arbeit; Regelung durch die Hochschule
Form der Abschlussarbeit praxisorientierte Diplom- oder Projektarbeit, zusätzlich Prüfungen Bachelorarbeit nach den Vorgaben der Hochschule
Detailvorgaben stehen im Rahmenlehrplan und Studienreglement des Bildungsanbieters Studien- und Prüfungsordnung der Hochschule
Beurteilung unter Mitwirkung von Praxisfachleuten durch die Hochschule nach ihren Vorgaben
Abschlusstitel «dipl. … HF» Bachelor der jeweiligen Fachhochschule
Studierende 36 166 (2024/25) 86 741 (2025/26)

Ein Hinweis zur Ehrlichkeit dieser Tabelle: Die HF-Spalte lässt sich durchgehend aus einer einzigen Bundesverordnung belegen. Die FH-Spalte lässt sich das nicht, weil es für die Bachelorarbeit an Fachhochschulen keine entsprechende bundesrechtliche Detailregelung gibt — dort setzen die Hochschulen die Vorgaben selbst. Wer eine FH-Bachelorarbeit schreibt, findet seine verbindlichen Regeln deshalb ausschliesslich bei der eigenen Hochschule und nicht in einem nationalen Erlass.

Wer die Regeln setzt

Auf der HF-Seite ist die Kette dreistufig und öffentlich einsehbar. Die Verordnung des WBF über die Mindestvorschriften für höhere Fachschulen legt fest, dass das abschliessende Qualifikationsverfahren mindestens aus einer praxisorientierten Diplom- oder Projektarbeit und aus mündlichen oder schriftlichen Prüfungen besteht. Weitere Anforderungen regeln die Rahmenlehrpläne, die von den Organisationen der Arbeitswelt gemeinsam mit den Bildungsanbietern erlassen und vom SBFI genehmigt werden. Die konkreten Zahlen stehen anschliessend im Studienreglement der Schule.

Auf der FH-Seite entfällt die mittlere Ebene. Es gibt keinen national genehmigten Rahmenlehrplan, der die Anforderungen an die Bachelorarbeit fachlich vorgäbe; die Hochschule regelt sie selbst. Das macht die FH-Vorgaben nicht beliebiger, aber weniger vergleichbar zwischen Institutionen — und es heisst, dass Erfahrungsberichte von einer anderen Fachhochschule für deine eigene wenig aussagen.

Wie du die HF-Kette praktisch abschreitest, beschreibt der Beitrag zum Finden von Rahmenlehrplan und Studienreglement; die Details zur HF-Arbeit selbst stehen im Beitrag zur Diplomarbeit an der höheren Fachschule.

Wie der Umfang gemessen wird

Auch die Masseinheit unterscheidet sich. Die MiVo-HF rechnet in Lernstunden und nennt in Artikel 3 Absatz 2 Mindestzahlen für den ganzen Bildungsgang: 3600 Lernstunden für Bildungsgänge, die auf einem einschlägigen eidgenössischen Fähigkeitszeugnis aufbauen, davon mindestens 2880 ausserhalb praktischer Bildungsbestandteile — beziehungsweise 5400 Lernstunden für Bildungsgänge, die auf einem anderen Abschluss der Sekundarstufe II aufbauen, davon mindestens 3600 ausserhalb praktischer Bildungsbestandteile.

Diese Zahlen betreffen den Bildungsgang als Ganzes, nicht die Diplomarbeit im Besonderen. Wie viel davon auf die Arbeit entfällt, ergibt sich erst aus dem Rahmenlehrplan und der Detailregelung der Schule. An Fachhochschulen wird der Aufwand dagegen in Kreditpunkten des jeweiligen Studiengangs ausgedrückt; wie viele auf die Bachelorarbeit entfallen, legt ebenfalls die Hochschule fest.

Für dich heisst das in beiden Fällen dasselbe: Eine nationale Seitenzahl gibt es nicht. Wer online nach «Umfang Diplomarbeit» oder «Seiten Bachelorarbeit» sucht, findet Werte, die für eine andere Institution gelten. Verbindlich ist allein das Dokument deiner eigenen Schule.

Wer die Arbeit beurteilt

Hier liegt der auffälligste Unterschied. Die MiVo-HF bestimmt ausdrücklich, dass in den abschliessenden Qualifikationsverfahren Expertinnen und Experten aus der Praxis mitwirken und dass diese von den Organisationen der Arbeitswelt gestellt werden können.

Das verändert den Massstab. Eine HF-Diplomarbeit wird zumindest teilweise von Berufsleuten gelesen, die im Feld arbeiten und nicht unterrichten. Sie fragen weniger nach der Anschlussfähigkeit an die Literatur und stärker danach, ob die vorgeschlagene Lösung unter realen Bedingungen trägt. An einer Fachhochschule liegt die Beurteilung dagegen bei der Hochschule nach ihren eigenen Vorgaben; wie stark Praxisvertretungen einbezogen werden, ist eine institutionelle Entscheidung und nicht bundesrechtlich vorgegeben.

Woher die Fragestellung kommt

Die MiVo-HF beschreibt in Artikel 1 als Ziel Kompetenzen, die dazu befähigen, im eigenen Bereich selbstständig Fach- und Führungsverantwortung zu übernehmen; die Bildungsgänge sind praxisorientiert und fördern die Analyse berufsbezogener Aufgabenstellungen und die praktische Umsetzung der erworbenen Kenntnisse. Das Wort «praxisorientiert» steht auch direkt bei der Diplomarbeit.

Eine Fragestellung, die nur aus einer Forschungslücke abgeleitet ist, passt deshalb schlechter zur HF-Arbeit als eine, die aus einem realen betrieblichen Problem stammt. An einer Fachhochschule sind beide Zugänge üblich; welcher erwartet wird, hängt vom Studiengang ab. Der brauchbarste Test in beiden Fällen ist derselbe: Kannst du eine konkrete Stelle benennen, die die Antwort verwenden würde? Wie du daraus eine tragfähige Frage machst, zeigt der Beitrag zum Thema finden.

Wie gross die beiden Gruppen sind

Zwei Felder mit unterschiedlich dichten Quadraten als Sinnbild fuer zwei unterschiedlich grosse Studierendengruppen
Die Fachhochschulen zählen gut doppelt so viele Studierende wie die höheren Fachschulen.

Nach den Zahlen des Bundesamts für Statistik zählten die höheren Fachschulen im Schuljahr 2024/25 36 166 Studierende, die Fachhochschulen im Studienjahr 2025/26 86 741. Das Verhältnis beträgt rund 1 zu 2,4 — eine eigene Berechnung aus den beiden Werten; die Bezugsjahre unterscheiden sich, was bei jeder Gegenüberstellung mit anzugeben ist.

In der Bevölkerung insgesamt verschiebt sich das Bild weniger stark, als man erwarten würde: Von den 25- bis 64-Jährigen verfügen 15,0 Prozent über einen Abschluss der höheren Berufsbildung und 31,3 Prozent über einen Hochschulabschluss. Beide Wege sind also gross, und keiner ist die Ausnahme. Die Zahlen im Detail ordnet der Beitrag zum Bildungsstand der Schweiz ein.

Was das für deine Entscheidung heisst

Wenn du bereits eingeschrieben bist, ist die Frage praktisch entschieden — dann geht es nur darum, das richtige Regelwerk zu konsultieren. Steht die Wahl noch an, helfen drei Fragen weiter als jeder Prestigevergleich:

  1. Woher soll deine Fragestellung kommen? Aus dem Betrieb, in dem du arbeitest, oder aus einem fachlichen Diskurs? Der HF-Weg ist auf das Erste ausgelegt.
  2. Wer soll deine Arbeit überzeugen? Wenn dir das Urteil von Berufsleuten aus dem Feld mehr bedeutet als eine akademische Einordnung, ist die Mitwirkung von Praxisfachleuten ein Merkmal und kein Nachteil.
  3. Was kommt danach? Beide Wege sind anschlussfähig; ein Hochschulstudium im Anschluss an einen Tertiär-B-Abschluss ist ausdrücklich vorgesehen und bleibt sogar beitragsberechtigt.

Wer zwischen Fachhochschule und Universität schwankt, findet die andere Grenze im Beitrag zur Bachelorarbeit an FH oder Uni behandelt.

Egal welcher Weg — die Arbeit muss stehen

Beide Abschlüsse verlangen eine schriftliche Arbeit, die eine Frage sauber beantwortet und ihre Belege ordnet. Strukturiere deine Arbeit mit Tesify — geschrieben wird sie zu 100 % von dir.

Häufige Fragen

Ist eine HF-Diplomarbeit dasselbe wie eine FH-Bachelorarbeit?

Nein. Beide gehören zur Tertiärstufe, aber zu verschiedenen Rechtskreisen: die höhere Fachschule zur Berufsbildung (Tertiärstufe B), die Fachhochschule zum Hochschulbereich (Tertiärstufe A). Das Stipendienkonkordat unterscheidet die beiden Stufen in Artikel 8 Absatz 2 ausdrücklich.

Wo stehen die Vorgaben für meine Arbeit?

An der höheren Fachschule in der MiVo-HF, im Rahmenlehrplan deines Bildungsgangs und im Studienreglement deiner Schule. An der Fachhochschule ausschliesslich in den Ordnungen deiner Hochschule — eine entsprechende bundesrechtliche Detailvorschrift zur Bachelorarbeit gibt es nicht.

Wie viele Seiten muss die Arbeit haben?

Das ist national nicht geregelt. Die MiVo-HF nennt Mindestzahlen an Lernstunden für den gesamten Bildungsgang, nicht für die Arbeit; an Fachhochschulen wird der Aufwand in Kreditpunkten des Studiengangs ausgedrückt. Verbindlich ist in beiden Fällen die Vorgabe deiner Schule.

Wer beurteilt eine HF-Diplomarbeit?

Am abschliessenden Qualifikationsverfahren wirken nach der MiVo-HF Expertinnen und Experten aus der Praxis mit; sie können von den Organisationen der Arbeitswelt gestellt werden. An Fachhochschulen richtet sich die Beurteilung nach den Vorgaben der Hochschule.

Muss eine HF-Diplomarbeit praxisorientiert sein?

Ja. Die Verordnung verlangt für das Qualifikationsverfahren ausdrücklich eine praxisorientierte Diplom- oder Projektarbeit, ergänzt durch mündliche oder schriftliche Prüfungen.

Kann ich nach einem HF-Abschluss noch studieren?

Der Weg ist vorgesehen: Nach Artikel 8 Absatz 3 des Stipendienkonkordats ist ein Hochschulstudium, das auf einen Abschluss der Tertiärstufe B folgt, ebenfalls beitragsberechtigt. Die Zulassungsbedingungen legt die aufnehmende Hochschule fest.

Wie viele Studierende hat jede der beiden Gruppen?

Nach dem Bundesamt für Statistik 36 166 an den höheren Fachschulen (2024/25) und 86 741 an den Fachhochschulen (2025/26). Die Bezugsjahre unterscheiden sich und sind bei einer Gegenüberstellung anzugeben.

Welcher Weg ist besser?

Die Frage lässt sich nicht allgemein beantworten. Sinnvoller sind drei konkrete Fragen: woher deine Fragestellung stammen soll, wessen Urteil dir wichtiger ist, und was du danach vorhast. Beide Wege sind anschlussfähig.

Quellen

Verordnung des WBF vom 11. September 2017 über die Mindestvorschriften für höhere Fachschulen (MiVo-HF), SR 412.101.61, Fassung anwendbar seit 1. April 2023 — Artikel 1, 3, 5, 8 und 14. Interkantonale Vereinbarung zur Harmonisierung von Ausbildungsbeiträgen vom 18. Juni 2009 (Stipendienkonkordat), Artikel 8 Absätze 2 und 3, in der von der EDK publizierten Fassung. Bundesamt für Statistik — Studierendenzahlen der höheren Fachschulen 2024/25 (Statistik der Lernenden) und der Fachhochschulen 2025/26 sowie Bildungsstand der Bevölkerung 2025. Alle Quellen abgerufen und geprüft am 12. August 2026; Verhältniszahlen sind eigene Berechnungen. Angaben zur Regelung der Bachelorarbeit an Fachhochschulen beruhen auf dem Umstand, dass hierzu keine entsprechende bundesrechtliche Detailvorschrift besteht; massgeblich sind die Ordnungen der jeweiligen Hochschule.

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