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Berufsbegleitend zur Abschlussarbeit 2026: Was die Schlussphase wirklich kostet

Wer eine Ausbildung der höheren Berufsbildung neben dem Job absolviert, rechnet meistens mit dem Durchschnitt — und wird in der Schlussphase von der Spitze überrascht. Die Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen den Sprung deutlich: Im Mittel kostet die Ausbildung 13 bis 14 Stunden pro Woche, in der Prüfungsphase aber 18 bis 24. Diese Phase ist genau jene, in der die Diplom- oder Projektarbeit entsteht. Dieser Beitrag zeigt, was das für eine realistische Planung bedeutet — und welche Schwelle man dabei nicht unterschreiten sollte.

Balkenreihe, deren letzte Balken deutlich hoeher sind, als Sinnbild fuer den steigenden Aufwand in der Schlussphase einer Ausbildung
Der Durchschnitt beschreibt die ruhigen Semester, nicht die Phase, in der die Arbeit entsteht.

Inhalt

Die Zahlen

Das Bundesamt für Statistik hält zur höheren Berufsbildung fest, dass sie berufsbegleitend oder in Vollzeit absolviert werden kann, dass sich die Ausbildungszeit teilweise durch Anerkennung von Vorkenntnissen verkürzen lässt und dass Arbeitsaufwand und Ausbildungsdauer je nach Abschluss stark variieren. Für die Vorbereitungskurse auf eidgenössische Fachausweise und Diplome nennt es konkrete Mittelwerte:

Zeitlicher Aufwand in der höheren Berufsbildung (BFS)
Abschluss Aufwand im Durchschnitt Aufwand in der Prüfungsphase Zunahme
Eidgenössischer Fachausweis 13 Stunden pro Woche 18 Stunden pro Woche rund 38 Prozent
Eidgenössisches Diplom 14 Stunden pro Woche 24 Stunden pro Woche rund 71 Prozent

Die Prozentwerte in der letzten Spalte sind eigene Berechnung aus den beiden vorangehenden. Das BFS weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Vorbereitungskurse häufig parallel zur angestammten Erwerbstätigkeit laufen — die genannten Stunden kommen also zu einem Arbeitspensum hinzu, nicht an dessen Stelle.

Der Sprung in der Prüfungsphase

Die entscheidende Zahl ist nicht der Durchschnitt, sondern der Unterschied. Beim eidgenössischen Diplom bedeuten 14 gegenüber 24 Wochenstunden zusätzliche zehn Stunden pro Woche — das ist ein zweiter Arbeitstag, der in derselben Woche untergebracht werden muss, in der auch der Job weiterläuft.

Wer seinen Zeitplan am Mittelwert ausrichtet, plant deshalb systematisch zu knapp. Realistisch ist die umgekehrte Rechnung: Man legt zuerst fest, wie viele Wochen die Schlussphase dauern soll, veranschlagt für diese Wochen den höheren Wert und prüft dann, ob dieser Aufwand neben dem bestehenden Pensum überhaupt Platz hat. Ergibt die Rechnung keinen Platz, gibt es drei ehrliche Reaktionen: die Schlussphase verlängern, das Pensum vorübergehend senken oder den Umfang des Vorhabens reduzieren. Was nicht funktioniert, ist die vierte Variante — dieselbe Arbeit in derselben Zeit mit mehr Disziplin.

Ein praktischer Hinweis zur Reduktion des Vorhabens: Am wirksamsten ist sie ganz am Anfang, bei der Fragestellung. Eine eng geschnittene Frage kostet in jeder Phase weniger als eine breite, und sie lässt sich sauberer beantworten. Wie man ein Thema so zuschneidet, dass es in die verfügbare Zeit passt, behandelt der Beitrag zum Thema finden.

Woher die zusätzlichen Stunden kommen

Der Sprung wirkt willkürlich, hat aber nachvollziehbare Ursachen. In der Schlussphase treffen drei Arten von Arbeit aufeinander, die vorher nacheinander liefen.

Erstens die Abhängigkeit von Dritten. Interviewtermine, die Freigabe von Betriebsdaten, die Rückmeldung der Betreuungsperson, bestellte Literatur — all das hat Wartezeiten, die sich nicht durch mehr Einsatz verkürzen lassen. Wer diese Schritte spät ansetzt, arbeitet in der Schlussphase nicht nur mehr, sondern auch in unbrauchbaren Bruchstücken, weil er ständig auf etwas wartet.

Zweitens die Integrationsarbeit. Einzelne Kapitel zu schreiben ist eine andere Tätigkeit, als sie zu einem widerspruchsfreien Ganzen zusammenzuführen. Bezüge zwischen Einleitung, Methodenteil und Fazit müssen stimmen, die Nummerierung von Tabellen und Abbildungen muss durchgehen, Quellen müssen einheitlich sein. Diese Arbeit lässt sich nicht vorziehen, weil sie alle Teile voraussetzt — sie fällt zwangsläufig am Schluss an.

Drittens die Prüfungsvorbereitung selbst. In der höheren Berufsbildung besteht das abschliessende Qualifikationsverfahren nicht nur aus der schriftlichen Arbeit, sondern zusätzlich aus mündlichen oder schriftlichen Prüfungen. Beides fällt in dieselbe Phase — das ist der eigentliche Grund, weshalb die Kurve gerade dort nach oben geht.

Wie lange es insgesamt dauert

Wochenraster mit unterschiedlich gestapelten Bloecken als Sinnbild fuer die Aufteilung der Woche zwischen Erwerbsarbeit und Ausbildung
Die Ausbildungsstunden kommen zum Pensum hinzu — die Woche wird dadurch nicht länger.

Zur Gesamtdauer hält das BFS fest: Bei den Absolventinnen und Absolventen eines eidgenössischen Fachausweises und eines eidgenössischen Diploms beträgt die Mediandauer der Ausbildung etwas weniger als zwei Jahre. Für ein Diplom einer höheren Fachschule wird mit drei Jahren am meisten Zeit aufgewendet.

Der Median ist dabei die nützlichere Grösse als ein Mittelwert: Er sagt, dass die Hälfte der Absolvierenden länger gebraucht hat. Wer also mit «etwas weniger als zwei Jahren» rechnet, rechnet mit dem Wert, den genau die Hälfte überschreitet. Für die eigene Planung ist das ein Argument, den Puffer nicht wegzustreichen.

Die 50-Prozent-Schwelle

Wer sein Pensum für die Schlussphase senken will, sollte vorher eine Bestimmung kennen, die leicht übersehen wird. Die Verordnung des WBF über die Mindestvorschriften für höhere Fachschulen (SR 412.101.61) hält in Artikel 3 fest, dass praktische Bildungsbestandteile Praktika oder eine begleitende einschlägige Berufstätigkeit umfassen — und dass eine solche begleitende Berufstätigkeit nur dann als solche gilt, wenn sie mindestens 50 Prozent beträgt.

Wer sein Pensum unter diese Schwelle senkt, riskiert also, dass die Berufstätigkeit für die Ausbildung nicht mehr angerechnet wird. Ob das im konkreten Bildungsgang Folgen hat, hängt vom Rahmenlehrplan und vom Studienreglement ab — genau deshalb gehört die Frage vor die Pensumsreduktion und nicht danach. Wie diese Regelwerke zusammenspielen, erklärt der Beitrag zur Diplomarbeit an der höheren Fachschule.

Denselben Vorbehalt gibt es auf der finanziellen Seite: Wer Ausbildungsbeiträge bezieht, sollte prüfen, wie sich eine Verlängerung auf den Anspruch auswirkt — der garantierte Puffer reicht nur bis zwei Semester über die Regelstudiendauer hinaus, wie der Beitrag zu den kantonalen Ausbildungsbeiträgen zeigt.

Rückwärts planen statt vorwärts hoffen

  1. Abgabetermin fixieren und zwei Wochen davor eine interne Deadline setzen. Diese zwei Wochen sind für Formatierung, Korrektur und Druck reserviert — sie sind kein Puffer für inhaltliche Arbeit.
  2. Schlussphase bemessen. Rechne für diese Wochen mit dem höheren Wert aus der Tabelle, nicht mit dem Durchschnitt.
  3. Erhebungs- und Beschaffungsschritte nach vorn ziehen. Alles, was von Dritten abhängt — Interviewtermine, Zugang zu einem Betrieb, Literatur aus einer anderen Bibliothek — hat eine Wartezeit, die du nicht komprimieren kannst.
  4. Feste Blöcke statt Restzeit. Zwei verbindliche Halbtage pro Woche im Kalender tragen weiter als der Vorsatz, abends etwas zu tun.
  5. Wöchentlich gegen den Plan prüfen, nicht monatlich. Eine Abweichung von einer Woche lässt sich auffangen, eine von vier nicht.

Für die konkrete Ausgestaltung eines solchen Plans mit Meilensteinen und Puffern hilft der Beitrag zum Zeitplan für die Abschlussarbeit.

Das Gespräch mit dem Arbeitgeber

Das BFS beschreibt die Vorbereitungskurse ausdrücklich als etwas, das parallel zur angestammten Erwerbstätigkeit läuft. In vielen Betrieben ist die Ausbildung damit bekannt — die Schlussphase aber nicht, weil sie nach aussen wie jede andere Ausbildungsphase aussieht.

Ein kurzes, sachliches Gespräch drei bis vier Monate vor der Abgabe ist deshalb sinnvoller als eine kurzfristige Bitte um Entlastung. Nützlich sind dabei drei Angaben: der Abgabetermin, der ungefähre Zusatzaufwand pro Woche in der Schlussphase, und ein konkreter Vorschlag, wie er aufgefangen wird — Kompensation, Ferientage, vorübergehende Reduktion. Wer mit einer Zahl statt mit einem Gefühl argumentiert, bekommt eher eine Zusage, und er kann sie nachher auch einhalten.

Hilfreich ist zudem, den Nutzen für den Betrieb zu benennen, wo er tatsächlich besteht. Bei einer praxisorientierten Arbeit ist das häufig der Fall: Die Fragestellung stammt aus dem Betrieb, und das Ergebnis ist eine Empfehlung, die dort verwendet werden kann. Wer das im Gespräch konkret macht, verhandelt nicht über eine private Angelegenheit, sondern über ein gemeinsames Vorhaben — und das verändert die Ausgangslage spürbar.

Die Schlussphase planbar machen

Der Aufwand in der Schlussphase steigt vor allem dann, wenn Struktur und Belege erst am Ende entstehen. Strukturiere deine Arbeit mit Tesify und halte Gliederung und Quellen von Anfang an zusammen — geschrieben wird sie zu 100 % von dir.

Häufige Fragen

Wie viel Zeit kostet eine berufsbegleitende Ausbildung der höheren Berufsbildung pro Woche?

Nach Angaben des Bundesamts für Statistik im Durchschnitt 13 Stunden pro Woche für einen eidgenössischen Fachausweis und 14 Stunden für ein eidgenössisches Diplom. Diese Stunden kommen zur bestehenden Erwerbstätigkeit hinzu.

Wie stark steigt der Aufwand in der Prüfungsphase?

Deutlich: auf durchschnittlich 18 Wochenstunden beim eidgenössischen Fachausweis und 24 beim eidgenössischen Diplom. Das entspricht einer Zunahme von rund 38 beziehungsweise 71 Prozent gegenüber dem Durchschnitt.

Warum steigt der Aufwand gerade am Schluss so stark?

Weil drei Dinge zusammenfallen: Wartezeiten bei allem, was von Dritten abhängt, die Integrationsarbeit an der Gesamtarbeit, die erst möglich ist, wenn alle Teile vorliegen, und die Vorbereitung auf die Prüfungen, die neben der schriftlichen Arbeit Teil des Qualifikationsverfahrens sind.

Wie lange dauert die Ausbildung insgesamt?

Die Mediandauer beträgt bei eidgenössischem Fachausweis und Diplom etwas weniger als zwei Jahre. Für ein Diplom einer höheren Fachschule wird mit drei Jahren am meisten Zeit aufgewendet. Da es sich um den Median handelt, hat die Hälfte der Absolvierenden länger gebraucht.

Darf ich mein Arbeitspensum während der Abschlussarbeit reduzieren?

Arbeitsrechtlich ist das Verhandlungssache. Ausbildungsrechtlich ist zu beachten, dass eine begleitende einschlägige Berufstätigkeit nach Artikel 3 der MiVo-HF nur dann als praktischer Bildungsbestandteil gilt, wenn sie mindestens 50 Prozent beträgt. Kläre die Folgen vorher mit deiner Schule.

Kann ich die Ausbildungszeit verkürzen?

Das Bundesamt für Statistik hält fest, dass teilweise die Möglichkeit besteht, die Ausbildungszeit aufgrund der Anerkennung von Vorkenntnissen zu verkürzen. In einigen Fällen müssen umgekehrt erst Leistungen erbracht werden, um zur Ausbildung zugelassen zu werden. Beides regelt der jeweilige Bildungsgang.

Wann soll ich mit dem Arbeitgeber über die Schlussphase sprechen?

Drei bis vier Monate vor der Abgabe, mit konkreten Angaben: Abgabetermin, ungefährer Zusatzaufwand pro Woche und ein Vorschlag, wie dieser aufgefangen wird. Eine kurzfristige Anfrage lässt dem Betrieb keine Planungszeit.

Quellen

Bundesamt für Statistik, Themenbereich Zeitlicher Aufwand für Ausbildung (höhere Berufsbildung) — Angaben zum durchschnittlichen Wochenaufwand von 13 beziehungsweise 14 Stunden, zum Aufwand in der Prüfungsphase von 18 beziehungsweise 24 Stunden, zur Mediandauer von etwas weniger als zwei Jahren bei eidgenössischem Fachausweis und Diplom sowie zu drei Jahren beim Diplom einer höheren Fachschule; ebenso die Hinweise auf berufsbegleitende Absolvierung, Verkürzung durch Anerkennung von Vorkenntnissen und Zulassungsvoraussetzungen. Verordnung des WBF vom 11. September 2017 über die Mindestvorschriften für höhere Fachschulen (MiVo-HF), SR 412.101.61, Artikel 3 und 5, Fassung anwendbar seit 1. April 2023. Alle Quellen abgerufen und geprüft am 12. August 2026; die Prozentangaben zur Zunahme sind eigene Berechnung.

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