Ein Unterrichtsentwurf ist die schriftliche Planung und Begründung einer einzelnen Unterrichtsstunde im Vorbereitungsdienst. Er wird den Prüfenden vor der Lehrprobe — dem benoteten Unterrichtsbesuch — vorgelegt und muss nachvollziehbar machen, warum die Stunde so aufgebaut ist. Form und Umfang regelt jedes Bundesland selbst.
Was genau ist ein Unterrichtsentwurf?
Er ist kein Stundenplan und keine Materialsammlung, sondern eine Begründungsschrift. Die eigentliche Prüfungsleistung besteht darin, jede Entscheidung — Thema, Lernziel, Methode, Sozialform, Medium — aus der Lerngruppe und der Sache heraus herzuleiten.
Das erklärt, warum Entwürfe scheitern, deren Stunde im Klassenzimmer gut lief: Wer im Entwurf nicht begründet, warum er Gruppenarbeit gewählt hat, hat die Aufgabe nicht erfüllt, auch wenn die Gruppenarbeit funktionierte.
Wer legt die Anforderungen fest?
Der Vorbereitungsdienst ist Landesrecht. Jedes Bundesland hat eine eigene Ausbildungs- und Prüfungsordnung, und die Seminare konkretisieren sie zusätzlich durch eigene Vorgaben. Deshalb unterscheiden sich Umfang, Gliederung und sogar die Bezeichnungen erheblich — „Unterrichtsentwurf“, „Unterrichtsskizze“, „schriftliche Unterrichtsplanung“ meinen je nach Land Verschiedenes, mit unterschiedlichem Umfang.
Praktische Konsequenz: Ein Musterentwurf aus dem Internet ist selten auf dein Seminar übertragbar. Verbindlich sind die Vorgaben deines Studienseminars und die Erwartungen deiner Fachleitung — beides schriftlich einholen, bevor du das erste Kapitel schreibst.
Wie ist ein Unterrichtsentwurf aufgebaut?
Trotz aller Länderunterschiede folgen die meisten Entwürfe derselben Logik:
| Abschnitt | Leitfrage |
|---|---|
| Bedingungsanalyse | Wer sitzt vor mir? Lerngruppe, Vorwissen, Besonderheiten, Raum |
| Sachanalyse | Was ist der Gegenstand fachlich — unabhängig von der Vermittlung? |
| Didaktische Analyse | Warum ist dieser Gegenstand für diese Lerngruppe jetzt bedeutsam? |
| Kompetenzen und Stundenziel | Was können die Lernenden am Ende, was sie vorher nicht konnten? |
| Methodische Entscheidungen | Warum dieser Weg, diese Sozialform, dieses Medium? |
| Verlaufsplanung | Wie läuft die Stunde konkret ab — tabellarisch mit Zeiten? |
| Anhang | Arbeitsblätter, erwartete Ergebnisse, Tafelbild, Literatur |
Die didaktische Analyse ist das Herzstück und wird am häufigsten zu dünn ausgeführt. Die klassischen Leitfragen dazu gehen auf Wolfgang Klafki zurück: Welche Gegenwartsbedeutung hat der Inhalt für die Lernenden, welche Zukunftsbedeutung, wofür steht er exemplarisch, wie ist er strukturiert und wie ist er zugänglich zu machen? Wer diese fünf Fragen ernsthaft beantwortet, hat den schwierigsten Teil hinter sich.

Was gehört in die Verlaufsplanung?
Die Verlaufsplanung ist tabellarisch und enthält üblicherweise fünf Spalten: Phase, Zeit, Unterrichtsgeschehen, Sozialform, Medien. Manche Seminare verlangen eine sechste Spalte für den didaktischen Kommentar.
Zwei Regeln, die den Unterschied machen:
- Realistisch takten. Die häufigste Schwäche ist eine überfüllte Stunde. Wer sechs Phasen in 45 Minuten plant, produziert eine Lehrprobe, die im Sicherungsteil abbricht — und genau das fällt auf.
- Antizipiertes Schülerverhalten aufnehmen. Nicht „SuS bearbeiten das Arbeitsblatt“, sondern was sie voraussichtlich lösen, wo sie hängen bleiben und wie du dann reagierst. Diese Antizipation ist ein zentrales Bewertungskriterium.
Plane außerdem eine Reserve und eine Kürzungsmöglichkeit ein und kennzeichne sie. Das wirkt nicht unsicher, sondern professionell — Unterricht verläuft selten exakt nach Plan.
Wie formulierst du das Stundenziel?
Ein brauchbares Stundenziel beschreibt beobachtbares Verhalten am Ende der Stunde, nicht die Tätigkeit währenddessen. „Die Lernenden setzen sich mit dem Thema auseinander“ ist kein Ziel — es ist nicht überprüfbar.
Besser: „Die Lernenden erklären an einem eigenen Beispiel, wie sich X auf Y auswirkt, indem sie …“. Der Test ist einfach: Kannst du am Stundenende feststellen, ob das Ziel erreicht wurde? Wenn nicht, ist es zu vage formuliert.
Ordne das Ziel in die Kompetenzbereiche des einschlägigen Kernlehrplans beziehungsweise der Bildungsstandards ein und verweise auf die konkrete Stelle. Ein Entwurf ohne Bezug zum geltenden Lehrplan des Landes wirkt beliebig.

Was passiert in der Nachbesprechung?
Nach der Stunde folgt in aller Regel ein Reflexionsgespräch. Erfahrungsgemäß beginnt es mit der Frage, wie du die Stunde selbst einschätzt — und diese Selbsteinschätzung wird bewertet.
Der wirksamste Umgang damit: Benenne die Abweichungen vom Plan selbst, bevor die Prüfenden es tun, und erkläre, warum du in der Situation so entschieden hast. Eine bewusst getroffene Planabweichung ist eine Stärke; eine unbemerkte ist eine Schwäche. Wer dagegen die eigene Stunde pauschal verteidigt, verschenkt den Teil der Prüfung, der am leichtesten zu gewinnen ist.
Worin unterscheidet sich das von der wissenschaftlichen Hausarbeit im Lehramt?
Beide Texte gehören zur Lehrerbildung, aber zu verschiedenen Phasen und mit verschiedenen Maßstäben:
| Merkmal | Unterrichtsentwurf | Zulassungs-/Hausarbeit im Studium |
|---|---|---|
| Phase | Vorbereitungsdienst (2. Phase) | Studium (1. Phase) |
| Gegenstand | eine konkrete Unterrichtsstunde | eine fachwissenschaftliche oder fachdidaktische Frage |
| Maßstab | didaktische Begründung und Umsetzbarkeit | wissenschaftliche Methodik |
| Umfang | wenige bis mittlere Seitenzahl, landesabhängig | deutlich umfangreicher |
| Prüfungsform | schriftlich plus gehaltene Stunde | rein schriftlich |
Wenn du noch im Studium bist, ist die Zulassungsarbeit im Lehramt der passende Beitrag; den Aufbau der Staatsexamina insgesamt erklärt Was ist ein Staatsexamen.
Häufige Fragen zum Unterrichtsentwurf
Wie lang muss ein Unterrichtsentwurf sein?
Das legt dein Bundesland beziehungsweise dein Studienseminar fest; bundeseinheitliche Vorgaben gibt es nicht. Die Spannweite reicht von kurzen Skizzen für reguläre Unterrichtsbesuche bis zu ausführlichen Entwürfen für die Prüfungslehrprobe. Maßgeblich ist die Vorgabe deines Seminars.
Was ist der Unterschied zwischen Unterrichtsbesuch und Lehrprobe?
Unterrichtsbesuche dienen überwiegend der Ausbildung und Beratung; die Lehrprobe ist der benotete Unterrichtsbesuch, der in die Examensnote eingeht. Die Bezeichnungen und ihre Gewichtung unterscheiden sich je nach Land.
Muss ich im Unterrichtsentwurf zitieren?
Ja. Fachliche Aussagen in der Sachanalyse, didaktische Konzepte und Lehrplanbezüge werden belegt wie in jeder wissenschaftlichen Arbeit. Die Grundlagen dazu stehen in der Anleitung richtig zitieren; welchen Stil dein Seminar erwartet, erfragst du dort.
Was passiert, wenn meine Stunde anders läuft als geplant?
Das ist der Normalfall und kein Fehler. Bewertet wird, ob du die Abweichung bemerkst, situativ sinnvoll reagierst und sie in der Nachbesprechung begründen kannst.
Darf ich Materialien aus dem Internet verwenden?
In der Regel ja, mit Quellenangabe und unter Beachtung des Urheberrechts. Übernommene Arbeitsblätter solltest du an deine Lerngruppe anpassen und die Anpassung im Entwurf begründen — eine unveränderte Übernahme zeigt keine eigene didaktische Leistung.
Praktischer Tipp für die Serie: Wer im Vorbereitungsdienst mehrere Entwürfe schreibt, spart am meisten Zeit mit einer festen Vorlage — gleiche Gliederung, gleiche Verlaufstabelle, gleicher Umgang mit Belegen. Struktur und Quellenverwaltung mit Tesify aufsetzen; die didaktische Begründung bleibt deine Leistung — sie ist genau das, was geprüft wird.
