Bei einer benoteten Gruppenarbeit muss dein eigener Beitrag individuell bewertbar bleiben. Die meisten Prüfungsordnungen verlangen deshalb, dass die Abschnitte namentlich zugeordnet werden — und deine Eigenständigkeitserklärung bezieht sich nur auf den Teil, den du selbst verfasst hast. Wer das erst beim Abgabetermin regelt, hat das eigentliche Problem schon.
Warum die Zuordnung überhaupt verlangt wird
Eine Prüfungsleistung muss einer Person zurechenbar sein — sonst kann sie nicht benotet werden. Das ist kein Misstrauen gegenüber Gruppen, sondern eine Grundbedingung des Prüfungsrechts: Eine Note bescheinigt eine individuelle Leistung.
Daraus folgt die praktische Regel, die viele überrascht: Bei Gruppenarbeiten ist die Kennzeichnung der Einzelbeiträge in aller Regel Pflicht, nicht Kür. Wie sie konkret aussehen muss — Fußnote am Kapitelanfang, Kürzel im Inhaltsverzeichnis, gesonderte Übersicht —, steht in deiner Prüfungsordnung oder im Merkblatt des Instituts. Frag danach, bevor ihr die Gliederung aufteilt.
Wie teilt ihr sinnvoll auf?
Die schlechteste Aufteilung ist die scheinbar fairste: „Jeder schreibt gleich viele Seiten.“ Sie erzeugt vier Texte, die nebeneinanderstehen, ohne aufeinander Bezug zu nehmen — und genau das fällt in der Bewertung als fehlender roter Faden auf.
Besser funktionieren zwei Modelle:
| Modell | Aufteilung | Geeignet für | Risiko |
|---|---|---|---|
| Nach Kapiteln | jede Person verantwortet geschlossene Abschnitte | klar gegliederte Themen | Brüche in Stil und Argumentation |
| Nach Arbeitsphasen | Recherche, Analyse, Schreiben, Überarbeitung rotieren | empirische Arbeiten | Zuordnung wird schwerer nachweisbar |
In der Praxis bewährt sich eine Mischung: Kapitel werden namentlich zugeordnet — das erfüllt die Nachweispflicht —, aber Einleitung, Fazit und die Schlussredaktion macht die Gruppe gemeinsam, weil dort der Zusammenhalt entsteht. Kennzeichnet gemeinsam verantwortete Teile ausdrücklich als solche.

Was gehört in die Absprache — schriftlich?
Eine kurze schriftliche Vereinbarung am Anfang verhindert die meisten späteren Konflikte. Fünf Punkte reichen:
- Wer verantwortet welchen Abschnitt — mit Kapitelnummern, nicht mit Themenschlagworten.
- Interne Termine, die deutlich vor dem Abgabetermin liegen.
- Gemeinsame Konventionen: Zitierstil, Formatvorlage, Begriffe, Umgang mit Abkürzungen.
- Wer die Schlussredaktion macht und wann das Dokument dafür eingefroren wird.
- Was passiert, wenn jemand einen Termin reißt — wann die Gruppe die Betreuung informiert.
Der letzte Punkt wird fast immer weggelassen und ist der wichtigste. Er nimmt dem Konfliktfall die Peinlichkeit: Wenn vorher vereinbart wurde, dass nach zwei versäumten Terminen gemeinsam die Betreuung informiert wird, ist das kein Verrat, sondern die Umsetzung einer Abmachung.
Wie versionierst du so, dass die Beiträge nachweisbar bleiben?
Arbeitet in einer Umgebung, die zeigt, wer was geschrieben hat — eine gemeinsame Datei mit Versionsverlauf oder ein Repositorium mit Commits. Das ist der beste Nachweis der Eigenleistung, den es gibt, und er entsteht nebenbei.
🔴 Was ihr vermeiden solltet: Dateien per Nachricht hin- und herschicken. Am Ende existieren fünf Fassungen mit ähnlichen Namen, niemand weiß, welche die aktuelle ist, und die Zuordnung der Beiträge ist nicht mehr rekonstruierbar. Kommt es dann zu Rückfragen, steht Aussage gegen Aussage.
Ein zusätzlicher Nutzen: Wenn die Betreuung wissen will, wie die Arbeit entstanden ist, kannst du es zeigen statt behaupten. Für den Umgang mit KI-gestützten Werkzeugen gilt dabei dieselbe Transparenz — die Anforderungen stehen im Beitrag zum Kennzeichnen der KI-Nutzung, und in der Gruppe solltet ihr euch auf eine gemeinsame Linie einigen, bevor jemand loslegt.
Was unterschreibst du in der Eigenständigkeitserklärung?
Der Punkt, an dem Studierende am häufigsten unsicher sind. Die Erklärung bestätigt, dass du deinen Teil selbstständig und ohne unzulässige Hilfe verfasst hast — sie ist keine Bürgschaft für die Beiträge der anderen.
Praktisch heißt das:
- Formuliere die Erklärung so, dass sie die von dir verantworteten Abschnitte ausdrücklich benennt, wenn deine Hochschule dafür keine eigene Vorlage bereitstellt.
- Unterschreibe nicht pauschal für eine Arbeit, deren Teile du nicht kennst. Lest vor der Abgabe wechselseitig gegen.
- Fällt dir dabei etwas auf — ein Abschnitt ohne Belege, eine Passage in fremdem Stil —, sprich es vor der Abgabe an.
Die formalen Anforderungen an die Erklärung selbst stehen im Beitrag zur Eigenständigkeitserklärung.

Was tun, wenn jemand nicht liefert?
Der häufigste und unangenehmste Fall. Die Reihenfolge, die sich bewährt hat:
- Zuerst direkt ansprechen, sachlich und mit Bezug auf die Absprache. Oft steckt eine Überlastung dahinter, keine Absicht.
- Nachvollziehbar dokumentieren — Termine, Zusagen, Stand. Nicht um Munition zu sammeln, sondern damit das Gespräch mit der Betreuung auf Fakten beruht.
- Frühzeitig die Betreuung informieren, wenn sich nichts ändert. „Frühzeitig“ heißt: solange eine Umverteilung noch möglich ist, nicht drei Tage vor Abgabe.
- Fremde Abschnitte nicht stillschweigend übernehmen. Wer den Teil einer anderen Person schreibt und ihn unter deren Namen abgibt, produziert eine falsche Zuordnung — und das trifft am Ende beide.
Der letzte Punkt ist der, bei dem gut gemeinte Rettungsversuche zum Problem werden. Wenn du einspringst, muss das in der Zuordnung sichtbar sein. Was aus einer falschen Zuordnung im Ernstfall folgt, beschreibt der Beitrag zu Konsequenzen und Sanktionen.
Abgrenzung: wissenschaftliche Autorschaft ist etwas anderes
Zwei Fragen werden regelmäßig vermischt. Bei einer Prüfungsleistung geht es um individuelle Zurechenbarkeit für die Benotung. Bei einer Publikation geht es um Autorschaft nach fachlichen Kriterien — wer inhaltlich beigetragen hat, wer die Verantwortung trägt, in welcher Reihenfolge genannt wird.
Die Regeln dafür sind andere und gelten unabhängig von jeder Prüfungsordnung; sie stehen im Beitrag zur Autorschaft in wissenschaftlichen Publikationen. Dieser Beitrag hier bleibt bewusst bei der Prüfungsleistung.
Ein verwandter Sonderfall: Willst du später Teile einer Gruppenarbeit in einer eigenen Arbeit weiterverwenden, gelten die Regeln zum Selbstplagiat — und zusätzlich brauchst du das Einverständnis der Mitautorinnen und Mitautoren für deren Anteile.
Häufige Fragen zur Gruppenarbeit
Bekommen alle in der Gruppe dieselbe Note?
Das hängt von der Prüfungsordnung ab. Verbreitet ist eine individuelle Bewertung der zugeordneten Abschnitte, teils ergänzt um einen gemeinsamen Anteil für Gesamtaufbau und Kohärenz. Rein kollektive Noten kommen vor, sind aber seltener, gerade weil die individuelle Zurechenbarkeit gefordert ist.
Muss ich kennzeichnen, welche Kapitel von mir stammen?
In aller Regel ja. Die konkrete Form gibt die Prüfungsordnung oder das Merkblatt vor — häufig eine Fußnote am Kapitelanfang, ein Kürzel im Inhaltsverzeichnis oder eine gesonderte Übersicht. Klärt das, bevor ihr die Gliederung aufteilt.
Hafte ich für ein Plagiat im Teil einer anderen Person?
Deine Eigenständigkeitserklärung bezieht sich auf deinen eigenen Beitrag. Sind die Abschnitte sauber zugeordnet, trifft die Verantwortung für einen Abschnitt zunächst dessen Verfasser oder Verfasserin. Genau deshalb ist die klare Zuordnung auch in deinem Interesse — und deshalb solltet ihr vor der Abgabe wechselseitig gegenlesen.
Was mache ich, wenn ein Gruppenmitglied nichts beiträgt?
Zuerst direkt ansprechen, den Stand dokumentieren und frühzeitig die Betreuung informieren, solange eine Umverteilung noch möglich ist. Fremde Abschnitte still zu übernehmen ist der falsche Weg, weil dadurch eine falsche Zuordnung entsteht.
Dürfen wir alle Kapitel gemeinsam schreiben?
Nur wenn die Prüfungsordnung das zulässt. Wo eine individuelle Bewertung vorgeschrieben ist, braucht es zugeordnete Abschnitte. Gemeinsam verantwortete Teile wie Einleitung und Fazit sind meist möglich, sollten aber ausdrücklich als solche gekennzeichnet werden.
Gruppenarbeiten sind übrigens nicht auf das Studium beschränkt: An vielen Fachschulen wird auch die Technikerarbeit im Team erstellt — mit derselben Anforderung, dass die Einzelleistung erkennbar bleibt. Wenn ihr eure Beiträge sauber trennen und trotzdem einen einheitlichen Text abgeben wollt, hilft eine gemeinsame Struktur- und Belegbasis: Gliederung und Quellen mit Tesify konsistent halten.
