Design Science Research (DSR) ist ein Forschungsansatz, dessen Ergebnis ein Artefakt ist — ein Modell, eine Methode, ein Konstrukt oder eine lauffähige Instanz. Nicht das Artefakt allein macht daraus eine Abschlussarbeit, sondern die begründete Gestaltung und die systematische Evaluation gegen ein reales Problem.
Wann DSR das richtige Design ist — und wann nicht
Empirische Designs beantworten Fragen der Form „Wie ist es?“ oder „Warum ist es so?“. DSR beantwortet Fragen der Form „Wie kann etwas gestaltet werden, das ein Problem löst?“ Diese Verschiebung entscheidet über die ganze Arbeit: Deine Forschungsfrage zielt nicht auf einen Zusammenhang, sondern auf ein Gestaltungsergebnis.
Der Ansatz ist in der Wirtschaftsinformatik verankert; die meistzitierte Grundlage ist der Aufsatz von Hevner, March, Park und Ram: „Design Science in Information Systems Research“, MIS Quarterly, Band 28, Heft 1 (2004). Dort wird das Fach ausdrücklich zwischen Verhaltensforschung und Gestaltungsforschung aufgespannt — die eine erklärt, die andere baut.
DSR passt, wenn du ein konkretes Problem im Feld hast, wenn eine Lösung erkennbar fehlt und wenn du die Wirkung deiner Lösung prüfen kannst. Es passt nicht, wenn du eigentlich einen Zusammenhang untersuchen willst und das Artefakt nur der Anlass ist. Welche Alternativen es gibt und wie sie sich unterscheiden, ordnet der Überblick zum Forschungsdesign ein.
Was als Artefakt zählt
| Artefakttyp | Was du lieferst | Typisches Evaluationsmittel |
|---|---|---|
| Konstrukt | Begriffssystem, Vokabular für einen Problembereich | Expertenurteil, Anwendung auf Fälle |
| Modell | Abbildung von Zusammenhängen, Referenzmodell, Datenmodell | Vollständigkeits- und Konsistenzprüfung, Fallanwendung |
| Methode | Vorgehensmodell, Verfahren, Leitfaden | Anwendung durch Dritte, Vergleich mit bisherigem Vorgehen |
| Instanz | Prototyp, Werkzeug, lauffähige Software | Nutzertest, Messung, technisches Experiment |
Für eine Bachelorarbeit ist die Instanz verlockend, weil sie sichtbar ist — und riskant, weil die Implementierung Zeit frisst, die für die Evaluation fehlt. Ein sauber begründetes Modell mit ordentlicher Evaluation ist regelmässig die bessere Arbeit als ein Prototyp, der am Abgabetag gerade läuft.

Der übliche Ablauf einer gestaltungsorientierten Arbeit
In der Literatur hat sich eine Abfolge etabliert, die sich fast eins zu eins als Gliederung verwenden lässt:
- Problemidentifikation und Motivation. Welches Problem, für wen, mit welchen Folgen? Belegt, nicht behauptet — hier entscheidet sich die Relevanz der ganzen Arbeit.
- Ziele der Lösung. Was muss das Artefakt können? Formuliere die Ziele so, dass sie später prüfbar sind; unprüfbare Ziele machen die Evaluation unmöglich.
- Gestaltung und Entwicklung. Das Artefakt entsteht — mit Begründung jeder wesentlichen Gestaltungsentscheidung aus Theorie oder Anforderung.
- Demonstration. Zeige, dass das Artefakt das Problem in mindestens einem Fall tatsächlich adressiert.
- Evaluation. Miss oder beurteile systematisch, ob die in Schritt 2 gesetzten Ziele erreicht sind.
- Kommunikation. Die Arbeit selbst — inklusive der Grenzen des Artefakts.
Der Fehler, der DSR-Arbeiten am häufigsten Punkte kostet, sitzt zwischen 2 und 5: Die Ziele werden vage formuliert („benutzerfreundlich“, „effizient“) und lassen sich deshalb später nicht evaluieren. Formuliere sie stattdessen so, dass ein Dritter entscheiden könnte, ob sie erfüllt sind.
Demonstration ist nicht Evaluation
Diese Verwechslung ist der zweithäufigste Kritikpunkt in Gutachten. Demonstration zeigt, dass das Artefakt funktioniert: Ein Beispielfall wird durchgespielt, der Prototyp läuft. Evaluation prüft, ob es besser ist — gemessen an den Zielen aus Schritt 2 und, wo möglich, gegen einen Vergleichsmassstab.
Eine tragfähige Evaluation beantwortet drei Fragen:
- Woran wird gemessen? Kriterien, die aus den Zielen abgeleitet und vor der Evaluation festgelegt sind.
- Womit wird verglichen? Der bisherige Zustand, ein bestehendes Verfahren oder ein definierter Sollwert. Ohne Vergleichspunkt bleibt jedes Ergebnis unbewertbar.
- Wer beurteilt? Du selbst, Nutzende, Fachleute, eine Messung. Jede Antwort ist zulässig, aber sie muss benannt und ihre Grenze mitgeschrieben werden.
Methodisch borgt sich die Evaluation dabei ganz gewöhnliche empirische Verfahren — Interview, Fragebogen, Experiment, Beobachtung. Welche wann passen, steht im Überblick zur empirischen Forschung; die Einordnung ins Methodikkapitel behandelt der Leitfaden zur Methodik der Bachelorarbeit.

Iterationen realistisch planen
DSR ist iterativ gedacht: gestalten, evaluieren, nachbessern, erneut evaluieren. In einer Abschlussarbeit mit fester Bearbeitungszeit ist das eine Planungsfrage, keine Glaubensfrage.
Bewährt hat sich, zwei kleine Runden statt einer grossen einzuplanen: eine frühe, formative Evaluation mit wenigen Personen oder einem einzigen Testfall, die noch Änderungen erlaubt — und eine abschliessende, summative Evaluation gegen die gesetzten Ziele. Wer die einzige Evaluation ans Ende legt, hat kein Ergebnis, sondern ein Risiko: Fällt sie negativ aus, bleibt keine Zeit zu reagieren.
Und noch ein Zeitfresser, den technische Arbeiten unterschätzen: Die Dokumentation der Gestaltungsentscheidungen entsteht während des Bauens oder gar nicht. Wer sie nachträglich rekonstruiert, schreibt eine Begründung, die er sich hinterher überlegt hat — und genau das lesen Gutachtende heraus.
Was in die Arbeit gehört, was in den Anhang
Der Haupttext trägt die Argumentation: Problem, Ziele, Gestaltungsentscheidungen mit Begründung, Evaluationsdesign, Ergebnisse, Grenzen. In den Anhang gehören Quellcode, vollständige Modelle, Screenshots, Testprotokolle und Rohdaten der Evaluation.
Bei umfangreichem Code oder Formelsatz lohnt sich ein Blick auf die Werkzeugfrage; die Abwägung für technische Fächer steht im Beitrag zu LaTeX in Maschinenbau und Informatik.
Ein Hinweis zur Zitierpflicht, der in Gestaltungsarbeiten häufig übersehen wird: Auch übernommene Bibliotheken, Referenzarchitekturen und fremde Modellvorlagen sind Quellen. Ein Artefakt, das auf einem publizierten Referenzmodell aufbaut, muss das im Text benennen — nicht nur in einer Kommentarzeile im Code.
Was Tesify bei einer DSR-Arbeit nicht übernimmt
- Die Gestaltungsentscheidungen. Sie sind der Kern der Leistung und ergeben sich aus deinem Problemverständnis.
- Die Evaluation. Kriterien, Vergleichsmassstab und Durchführung sind empirische Arbeit, kein Textproblem.
- Die Grenzen des Artefakts. Sie ehrlich zu benennen ist ein Bewertungskriterium — und niemand kennt sie so gut wie du.
Wobei ein Schreibwerkzeug hilft, ist die Struktur: die sechs Schritte in eine Gliederung übersetzen, ein festgefahrenes Kapitel in Gang bringen, Belege vereinheitlichen. Gliederung und Rohentwurf mit Tesify aufsetzen — und die Zeit in Artefakt und Evaluation stecken.
Häufige Fragen
Was ist Design Science Research?
Ein Forschungsansatz, dessen Ergebnis ein Artefakt ist — Konstrukt, Modell, Methode oder Instanz —, das ein praktisches Problem lösen soll und systematisch gegen zuvor festgelegte Ziele evaluiert wird. Grundlagentext ist Hevner, March, Park und Ram, MIS Quarterly 28(1), 2004.
Eignet sich DSR für eine Bachelorarbeit?
Ja, wenn der Zuschnitt stimmt. Entscheidend ist, dass genug Zeit für die Evaluation bleibt. Ein begründetes Modell mit solider Evaluation ist meist die stärkere Arbeit als ein umfangreicher Prototyp ohne.
Was ist der Unterschied zwischen Demonstration und Evaluation?
Die Demonstration zeigt, dass das Artefakt in mindestens einem Fall funktioniert. Die Evaluation prüft anhand vorher festgelegter Kriterien und eines Vergleichsmassstabs, ob es die gesetzten Ziele erreicht.
Muss das Artefakt Software sein?
Nein. Auch Konstrukte, Modelle und Methoden sind anerkannte Artefakttypen. Die Wahl richtet sich nach dem Problem, nicht nach der Sichtbarkeit des Ergebnisses.
Wie viele Iterationen brauche ich?
Es gibt keine vorgeschriebene Zahl. Praktikabel sind zwei Runden: eine frühe formative Evaluation, die noch Änderungen erlaubt, und eine abschliessende summative Evaluation gegen die gesetzten Ziele.
Wie formuliere ich die Forschungsfrage bei DSR?
Als Gestaltungsfrage: Wie kann ein Artefakt beschaffen sein, das ein bestimmtes Problem für eine bestimmte Zielgruppe löst? Aus dieser Frage werden die prüfbaren Ziele abgeleitet, an denen später evaluiert wird.
